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CBD Öl als Hilfsmittel bei psychischen Problemen?

Was ist CBD Öl?

Cannabidiol (CBD) ist ein Bestandteil der weiblichen Cannabispflanze. Es ist eines der Cannabinoide, die in Hanf vorkommen. Bis heute wurden circa 113 verschiedene Cannabinoide in der Hanfpflanze entdeckt.

Laien assoziieren CBD häufig irrtümlich mit Drogen. CBD Öl wird zwar aus Cannabis gewonnen, doch es hat keinen (rauschähnlichen) Einfluss auf die Psyche. Der psychoaktive Bestandteil von Cannabis ist in CBD-Produkten nur in geringen Mengen enthalten. Er nennt sich Tetrahydrocannabinol (THC) und kommt im Harz der Cannabispflanze vor. Marihuana, die harzartigen Blüten der Cannabispflanze, enthält zwischen 3 und 22 Prozent THC. Freiverkäufliche Cannabisöl-Produkte dürfen in Deutschland höchstens 0,2 Prozent THC enthalten. Produkte mit einem höheren THC-Gehalt sind rezeptpflichtig.

Die Geschichte von Cannabidiol

Die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von Cannabidiol sind keine Entdeckung der Neuzeit. Im alten China wurde Marihuana-Tee zur Behandlung von Rheuma, Malaria und Gedächtnisschwäche eingesetzt. Die Pflanze breitete sich über Asien nach Europa und Afrika aus. Christopher Columbus brachte die Cannabispflanze 1492 in die Neue Welt. Im Verlauf der nächsten Jahrhunderte wurde Marihuana von vielen Gelehrten und Ärzten gegen Rheuma eingesetzt. Marihuana wurde in den westlichen Ländern gegen Anfang des 20. Jahrhunderts verboten. Die Forschung untersuchte die Cannabispflanze jedoch weiterhin. CBD wurde erstmals 1942 vom amerikanischen Chemiker Roger Adams erfolgreich isoliert. Im Laufe der folgenden Jahre wurden weiter Cannabinoide entdeckt und isoliert. Nachfolgend begann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Stoffen.

CBD war Gegenstand vieler Studien, in denen untersucht wurde, wie der Stoff auf den Körper wirkt. Inzwischen ist klar, dass der Körper über ein Endocannabinoid-System verfügt. Dabei handelt es sich um Rezeptoren (CB1 und CB2) in verschiedenen Zellen, über die Cannabonoide ihre Wirkung entfalten.

Warum ist CBD legal?

CBD ist keine psychoaktive Substanz und daher ist es grundsätzlich legal. In Deutschland sind laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung circa 50 verschiedene Hanfsorten zulässig. Die Betreiber benötigen eine Sondergenehmigung und dürfen lediglich zertifiziertes Saatgut verwenden. Der THC-Gehalt darf 0,2 Prozent nicht übersteigen.

Was steckt in CBD?

CBD enthält Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, Ballaststoffe, Fettsäuren und Cannabinoide. Die Cannabinoide sind für die gesundheitliche Wirkung verantwortlich. CBD wird häufig von Menschen mit chronischen Erkrankungen verwendet, bei denen eine Standardmedikation nicht anschlägt. Beispielsweise haben verschiedene Studien einen positiven Einfluss auf Arthritis gezeigt. ⁽¹⁾

Daneben enthalten Cannabisöl-Produkte einige andere Stoffe, die wichtig für die Gesundheit sind. Es verfügt über Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren. Die Fettsäuren sind ein wichtiger Bestandteil des Gehirns. Liegt ein Mangel vor, sinkt die kognitive Leistungsfähigkeit (vgl. auch Omega 3 Kapseln auf Basis von Fischöl / Lachsöl).

CBD ist reich an Vitamin E. Vitamin E ist fettlöslich und gilt als ein starkes Antioxidant. Antioxidantien schützen das Erbgut vor oxidativem Stress. Des Weiteren enthält CBD eine Vielzahl an Mineralstoffen und Spurenelementen. Darunter sind Kalzium, Kalium, Natrium, Kupfer, Magnesium und Zink.

Wie wirkt Cannabisöl?

CBD-Öl wirkt über das Endocannabinoid-System. Die beiden Rezeptoren CB1 und CB2 wurden in den 90er Jahren entdeckt. An diese Rezeptoren wirken Endocannabinoide wie Cannabidiol. Die Rezeptoren reagieren jedoch nicht nur auf Cannabinoide, die über die Nahrung aufgenommen werden. Der Körper verfügt auch über eigene Cannabinoide. Diese werden beispielsweise bei sportlicher Aktivität ausgeschüttet. Eine der bekanntesten Wirkungen der körpereigenen Cannabinoide ist das sogenannte „Runner’s High“ (Läuferhoch). Das Läuferhoch tritt nur auf, wenn der Körper des Läufers stark belastet ist. Die Cannabinoide, die dann ausgeschüttet werden, haben eine schmerzlindernde und euphorisierende Wirkung. ⁽²⁾

Die schmerzlindernde Wirkung von Cannabidiol

CBD wirkt ähnlich wie körpereigene Cannabinoide. Cannabisöl wird fast vollständig von den Mundschleimhäuten und den Schleimhäuten des Magen-Darm-Traktes resorbiert. Es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Da sich besonders viele Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems im Gehirn und im Nervensystem befinden, wirkt CBD dort hauptsächlich. Wie die körpereigenen Cannabinoide hat CBD einen starken Einfluss auf das Schmerzempfinden. Dadurch ist CBD für chronische Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie interessant. Den Einfluss auf Schmerzen bestätigt auch die aktuelle Studienlage.

Im Jahr 2012 wurde eine Studie in der renommierten „Fachzeitschrift Journal of Experimental Medicine“ von Xiong et al. veröffentlicht. Die Wissenschaftler konnten einen Zusammenhang zwischen Cannabinoiden und Entzündungen sowie Schmerzen bei Mäusen belegen. ⁽³⁾ Die Cannabinoide binden sich an bestimmte Rezeptoren, wodurch die schmerzlindernde Wirkung eintritt. Dieser Mechanismus ist eine Möglichkeit, warum CBD einen positiven Effekt auf Schmerzen bei anderen Krankheiten hat. Wissenschaftlich wurden die Effekte auf Arthritisschmerzen, Krebsschmerzen, Fibromyalgie, Kopfschmerzen / Migräne, neuropathische Schmerzen und Reizdarmbeschwerden untersucht. Die Ergebnisse der Studien sind vielversprechend.

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Der Einfluss von CBD auf die Psyche

CBD ist keine psychoaktive Substanz und hat keinen direkten Einfluss auf die Wahrnehmung. Wie THC bindet sich Cannabidiol zwar auch an CB1-Rezeptoren, doch häufiger bindet es sich an CB2-Rezeptoren. Diese Rezeptoren stehen mit dem Immunsystem im Zusammenhang. Daher soll CBD einen positiven Einfluss auf viele Krankheitsbilder haben und beruhigend wirken.

► CBD und Angststörungen

Cannabidiol kann einen angstlösenden Effekt haben (siehe auch: angstlösende Präparate). Cannabidiol aktiviert die Adenosin-Rezeptoren, die für die Regulierung des Herz-Kreislauf-Systems und des Herzens verantwortlich sind. Menschen, die unter Angstzuständen leiden, haben oft Kreislaufprobleme und Herzrasen. Daneben regulieren Adenosin-Rezeptoren das Dopamin- und Glutamat-Level im Gehirn. Beide Botenstoffe stehen im Zusammenhang mit der Kontrolle von Angst. ⁽⁴⁾⁽⁵⁾

Diese Effekte waren für Wissenschaftler ein Grund, den Effekt von CBD auf Angst zu untersuchen. Hierzu wurden mehrere Studien veröffentlicht. Eine Review, die 2015 in der Fachzeitschrift „Neurotherapeutics“ veröffentlicht wurde, konnte einen positiven Effekt auf Angststörungen belegen. ⁽⁶⁾ Die Wissenschaftler untersuchten die Ergebnisse von 49 Studien. Sie kommen zu dem Schluss, dass Cannabidiol zu vielversprechenden Ergebnissen bei verschiedenen Ängsten führte. Zu den Ängsten, bei denen die Wissenschaftler einen positiven Effekt nachweisen konnten, gehören die Generalisierte Angststörung, soziale Angst, Panikstörung und die Posttraumatische Belastungsstörung.

Dennoch bleiben die Einsatzmöglichkeiten von CBD bei Angst unklar. Es fehlen aussagekräftige Langzeitstudien mit mehr Versuchspersonen, um den langfristigen Einfluss von CBD auf die Gesundheit zu untersuchen.

► CBD-Öl und Depression

Es gibt keine Humanstudien, die einen positiven Effekt von CBD-Öl auf Depression belegen. Daher ist es schwer, eine gültige Aussage darüber zu treffen, ob CBD einen positiven Einfluss auf Depression oder die Symptome einer Depression hat. Tierversuche an Raten und Mäusen konnten einen antidepressiven Effekt nachweisen. ⁽⁷⁾ CBD hat bei den Tieren zu einer höheren Aktivität des 5-HT1A-Rezeptors geführt. Dieser Rezeptor ist eine Form des Serotonin-Rezeptors (5-HT-Rezeptor). Serotonin ist ein Neurotransmitter und Botenstoff. Es gibt verschiedene Modelle, mit der Depressionen erklärt werden. Eine Theorie geht davon aus, dass Depressive zu wenig Serotonin im Gehirn verfügbar haben. Serotonin wird auch als Glückshormon bezeichnet. Falls CBD auch bei Menschen den Serotonin-Gehalt im Gehirn erhöht, könnte das einen positiven Effekt auf Krankheit haben. Hierzu fehlen jedoch aussagekräftige Humanstudien.

► CBD Öl und Schlafstörungen

Oft wird behauptet, dass Cannabidiol schläfrig macht und beim Einschlafen hilft. Das ist jedoch nicht wahr. Möglicherweise hat CBD jedoch einen positiven Effekt auf Schlafstörungen. Eine Studie von 1981 untersuchte den Effekt von CBD auf fünfzehn Teilnehmer, die unter einer Schlafstörung litten. ⁽⁸⁾ Die Schlafdauer und die Schlafqualität verbesserten sich signifikant. Eine mögliche Erklärung ist, dass CBD den Schlaf-wach-Rhythmus reguliert und ausbalanciert. Das suggerieren zumindest Versuche an Raten. ⁽⁹⁾

Ob CBD gegen Schlafstörungen eingesetzt werden kann, wird erst die Zukunft zeigen, wenn Langzeitstudien dazu zur Verfügung stehen.

► CBD-Öl und Stress

Es gibt keine groß angelegten Langzeitstudien, die einen positiven Effekt von Cannabidiol auf Stress belegen. Versuche an Tieren haben gezeigt, dass CBD Stressreaktionen bei Raten dämpft. ⁽¹⁰⁾ Daneben scheint Cannabidiol einen Einfluss auf die Cortisol-Sekretion zu haben. ⁽¹¹⁾ In der Studie von Zuardi et al. wurde der Einfluss von CBD auf das Cortisol-Niveau von elf Teilnehmern untersucht. Cortisol ist als Stresshormon bekannt und reguliert den Schlaf-wach-Rhythmus. Normalerweise sinkt das Niveau des Stresshormons in den frühen Morgenstunden. CBD hat das Absinken des Cortisollevels in dieser Studie gedämpft. Damit konnte Zuardi et al. zwar einen Effekt auf das Cortisollevel nachweisen, doch dieser ist nicht positiv.

Die Studienlage ist nicht einheitlich. Zwar konnte in einigen Tierversuchen ein positiver Effekt nachgewiesen werden, doch dieser erstreckt sich nicht auf menschliche Versuche.

Fazit

Ob CBD-Öl einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit hat, wird erst die Zukunft zeigen. Es sind Langzeitstudien mit Menschen notwendig, um die Wirkung von Cannabisöl erklären und eventuelle Risiken ausschließen zu können.

¹ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4851925/

² https://www.pnas.org/content/112/42/13105

³ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3371734/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26317601

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16400245

https://link.springer.com/article/10.1007/s13311-015-0387-1

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24923339

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7028792

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23343597

¹⁰ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2697769/

¹¹ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8257923

Publiziert am: 3. Juni 2019