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Reizblase & Reizdarm

Die Reizblase und der Reizdarm sind Erkrankungen mit einer hohen Prävalenz, welche ganz überwiegend Frauen betrifft. Die Syndrome gehen mit einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität einher. Als Ursache konnte bisher keine organische Störung gefunden werden, so dass eine psychische Komponente vermutet wird.

Reizblase:

Mehr als zehn Prozent der über 40 jährigen leiden unter einer Reizblase. Es wird vermutet, dass es zu einem Ungleichgewicht zwischen Blasen- und Beckenbodenmuskulatur gekommen ist, wahrscheinlich durch eine Störung des vegetativen Nervensystems. Eine versteckte chronische Infektion, welche den Blasenmuskel reizt, wird alternativ diskutiert.

Typisch ist ein ständiger Harndrang mit übermäßig häufigem Wasserlassen. Die Gesamt-Urinmenge ist dabei die eines Gesunden. Manchmal kann der Urin nicht gehalten werden, es kommt zur so genannten Drang-Inkontinenz. Selten klagen die Betroffenen über einen dumpfen Schmerz im mittleren Unterbauch.

Um eine organische Ursache auszuschließen, sollte eine urologische und gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Ebenso muss der Urin auf Keime untersucht werden, um einen Harnwegsinfekt auszuschließen (vgl. Schmerzen beim Wasserlassen).

Therapeutisch kann der Harndrang medikamentös gedämpft werden. Wird ein Hormonmangel vermutet (vor allem Östrogen), kann dieses substituiert werden. Eine begleitende psychosomatische Therapie ist unbedingt zu empfehlen.

Reizdarm:

Bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung sind an einem Reizdarm-Syndrom erkrankt. Es zeigte sich, dass bei den Betroffenen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Dickdarms vorliegt. Ähnlich wie bei der Reizblase werden psychische Ursachen vermutet, in bis zu 50% der Fälle liegt eine Missbrauchs-Anamnese vor. Zusätzliche Erkrankung psychosomatischer Ursache (z.B. Fibromyalgie und Depression) sind häufig.

Oft wird der Reizdarm nach einem Magen-Darm-Infekt das erste Mal symptomatisch, typisch sind Bauchschmerzen und Unwohlsein zusammen mit einer Veränderung der Stuhlgewohnheiten (vgl. zum Beispiel Schleim im Stuhl). Normalerweise bessern sich die Schmerzen nach dem Stuhlgang. Verstopfung, schleimige Durchfälle und Blähungen sind weitere klassische Symptome. Nächtliche Durchfälle, Gewichtsverlust oder Blutbeimengungen lassen einen Reizdarm unwahrscheinlich werden und sollten Anlass zu weiterer Diagnostik geben.

Eine Darmspiegelung, ein Ultraschall des Bauchraums und großzügige Labordiagnostik sollten in jedem Fall eingesetzt werden, um eine organische Ursache sicher auszuschließen.

Um die Symptome zu lindern, kann eine spezielle Diät sinnvoll ein. Diese richtet sich nach dem dominanten Symptom. Bei Verstopfungen ist eine ballaststoffreiche Kost mit zusätzlichen leichten Abführmitteln zu empfehlen. Bei Durchfällen sollten stopfende Lebensmittel (z.B. Banane) bevorzugt werden. Betroffene können ebenfalls von krampflösenden Medikamenten und Antidepressiva profitieren. Ähnlich wie bei der Reizblase sollte eine begleitende Psychotherapie angestrebt werden.

Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um eine Ausschluss-Diagnose. Nur nach eingehender und vollständiger Diagnostik darf eine Reizblase bzw. ein Reizdarm diagnostiziert werden.