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Kritik an der heutigen Behandlung von Depressionen

Depression ist eine Volkskrankheit (© hikrcn - Fotolia.com)

Depression ist eine Volkskrankheit (© hikrcn – Fotolia.com)

Depressionen entwickeln sich scheinbar zu einer Volkskrankheit, so jedenfalls kolportiert es die Presse immer wieder. Die Frage ist nur, ob das so wahr ist. Hinterfragen müsste man beispielsweise die Macht der Pharmaindustrie und Psychiatrie über die Ärzteschaft, das immer häufigere Auftreten von Erschöpfungssyndromen oder Burn-Out, die von vielen Ärzten als „gedeckelte“ Depression angesehen werden und die Tatsache, dass auch die Patienten mit so genannten Umwelterkrankungen und unbekannten Multisystemerkrankungen oft psychiatrisiert werden. Als Folge davon erkennt man ihre tatsächliche Grunderkrankung nicht und behandelt wegen einer angeblich versteckten Depression und Umwelthysterie. Bei vielen so genannten Umweltpatienten verschlimmern aber Antidepressiva das Leidensbild, weil eine Medikamentenunverträglichkeit besteht. Unbeachtet bleibt hingegen die Tatsache, dass viele Toxine, Pestizide oder Schwermetalle unter Toxikologen dafür bekannt sind, psychische Wirkungen zu haben. Als geeignete Hilfsmaßnahme wäre also erst einmal eine systematische Entgiftung sinnvoll. Möglicherweise würden die Depressionen sich dann schlagartig bessern. Die Entgiftungsbehandlung wird aber kaum je unternommen. Hier gibt es noch viele offene Fragen, die nach fundierten Antworten suchen.

Bevölkerungsanteil mit Depressionen in Deutschland nach Geschlecht und Alter 2011: Die Statistik zeigt die Verteilung von Depressionen in der deutschen Allgemeinbevölkerung nach Geschlecht und Altersgruppe im Jahr 2011. Rund 5,1 Prozent der Männer zwischen 30 und 39 Jahren litten unter einer Depression (Quelle: Statista / BPtK).

Bevölkerungsanteil mit Depressionen in Deutschland nach Geschlecht und Alter 2011: Die Statistik zeigt die Verteilung von Depressionen in der deutschen Allgemeinbevölkerung nach Geschlecht und Altersgruppe im Jahr 2011. Rund 5,1 Prozent der Männer zwischen 30 und 39 Jahren litten unter einer Depression (Quelle: Statista / BPtK).

Es mangelt an Ursachenforschung zu Depression

Vor der Behandlung einer Depression müsste systematische Ursachenforschung stehen. Immerhin entstehen Depressionen aus ganz verschiedenen Gründen heraus und meist über lange Zeit. Stattdessen liest man allenthalben, dass Depressionen meist auf Erkrankungen des Gehirnstoffwechsels zurückzuführen seien. Die Behandlung von Depressionen ist heutzutage weitgehend symptombasiert statt den Ursachen der psychischen Erkrankung auf den Grund zu gehen. Entsprechend werden Lethargie und Antriebslosigkeit, lang anhaltende Niedergeschlagenheit, Selbstmordgedanken und Verzweiflung häufig mit ausgleichenden Medikamenten therapiert. Je nach Schweregrad der Depression fallen auch die eingesetzten Antidepressiva aus. Die aber haben oft Nebenwirkungen, siehe zum Beispiel die Mirtazapin Nebenwirkungen. Oftmals müssen weitere Medikamente verschrieben werden, die das Restless-Legs-Syndrom, die innere Unruhe oder die Schlaflosigkeit verbessern. Vielfach müssen sogar mehrere Antidepressiva ausprobiert werden, bevor eines gute Wirkung zeigt. Das Ganze klingt nach Trial-and-Error-Methode. Die verordneten Psychopharmaka müssten oft viel individueller dosiert werden und zwecks besserer Hilfsleistung mit anderen – auch alternativen – Therapiemethoden kombiniert werden.

Fakt ist
: Die meisten depressiven Menschen bedürfen jahrelang oder gar lebenslang der Medikation. Die Frage darf erlaubt sein, ob Depressionen heutzutage wirklich geheilt oder nur medikamentös in Schach gehalten werden. Als zweite Frage steht im Raum, wie viele der Auslöser einer klinischen Depression in der Erziehung, der Ernährung oder anderen Dingen zu suchen wären, die man mit den richtigen Behandlungsmethoden in den Auswirkungen revidieren könnte. Tatsächlich können beispielsweise langjährige Mangelernährung bzw. ein massives Nährstoffdefizit durch vorwiegenden Verzehr von Fast Food oder durch chronischen Alkoholismus ebenso eine Depression auslösen wie langer Lichtmangel oder bestimmte Umweltgifte. Die genaue Ursache von Depressionen zu ermitteln, wäre also sinnvoll. Man könnte die Erkrankung wesentlich gezielter behandeln und möglicherweise auch heilen. Stattdessen wird eine Depression meistens nach einem Gespräch über die vorliegenden Beschwerden diagnostiziert. Wie schnell es dabei zu Fehlbeurteilungen im positiven wie im negativen Sinne kommen kann, mag jeder selbst überlegen. Viele Depressionen sind situativ bedingte und vorübergehende seelische Verstimmungen, die man mit einer Veränderung der Lebenssituation oder inneren Lebenshaltung heilen könnte.


YOUTUBE-VIDEO: 3SAT – Depressionen nicht pauschal behandeln (www.youtube.com/watch?v=RyGjliphvPA)

Klassische und moderne Behandlungsmethoden bei Depressionen

Interessante moderne Ansätze gehen davon aus, dass man Depressionen mit einer Mikronährstoff-Therapie heilen kann. Die klassischen Behandlungsmethoden bestehen in der Gabe von Antidepressiva mit oder ohne begleitende Psychotherapie-Behandlung. Festzustellen ist, dass etwa die Hälfte aller Menschen mit einer erkannten Depression Psychopharmaka innerlich ablehnen. Zum Teil wird die Einnahme von Psychopharmaka dem Arzt gegenüber verweigert. Zum anderen Teil wird die Verschreibung hingenommen, aber die Medikamente werden nicht vorschriftsmäßig eingenommen oder eigenmächtig abgesetzt. Die Gründe dafür liegen einerseits in dem gravierenden Eingriff, den Psychopharmaka in den Hirnstoffwechsel und die Selbstwahrnehmung nehmen. Andererseits sind sie in ihren zum Teil starken Nebenwirkungen begründet. Diese sind auch der Grund, warum die Fachleute der Naturheilkunde und Ernährungsmedizin alternative Behandlungskonzepte entwickeln. Hier geht man wesentlich stärker von bestimmten Verursachern aus, die man beeinflussen könnte.

Oft entsteht eine klinische Depression über einen langen Zeitraum. Daher kann angenommen werden, dass im Laufe vieler Jahre multiple Gründe zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Diese aufzudecken, ist sicher schwierig. Trotzdem ist jahrelange Medikation als alleiniges Mittel der Behandlung zu wenig. Angesichts der Vielfalt der existenten Methoden könnte man Depressionen wesentlich intensiver behandeln. Doch statt den Patienten zu heilen, wird er häufig lediglich wieder funktionsfähig gemacht. Es fehlt an integrativen Methoden, an psychologischer Langzeitbegleitung, an Fächer übergreifender Zusammenarbeit der Behandler, an Psychologen und Psychiatern und geeigneten Behandlungsansätzen, die auf Ursachenforschung basieren. Vielfach kommt es lediglich zu einer Krisennothilfe, nach der der depressive Patient unter Medikamenteneinfluss wieder ins Leben entlassen wird.



Die klassische und moderne Psychotherapie zur Behandlung

Eine der wichtigsten klassischen Behandlungsmethoden bei Depressionen ist die Psychotherapie. Sie kann beispielsweise als Gesprächstherapie, kognitive Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie oder Coaching nach amerikanischem Vorbild gestaltet werden. Es gibt heutzutage zahlreiche

  • analytische
  • tiefenpsychologische
  • transpersonale
  • humanistische
  • behavioristische
  • kognitive
  • systemische
  • oder körperorientierte

Therapie-Ansätze. Viel versprechend sind die kombinatorischen Therapien, zu denen beispielsweise die integrative Psychotherapie gehört. Am Außenrand möglicher Behandlungserfolge finden sich die Kunst- oder Musiktherapie, die meist begleitend eingesetzt werden. Das Problem für den depressiven Patienten ist, dass nicht alle zur Verfügung stehenden Therapieformen frei wählbar sind und von den Krankenkassen mitgetragen werden. Die deutschen Krankenklassen zahlen derzeit nur verhaltenstherapeutische Maßnahmen, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie-Behandlungen und die klassische analytische Psychotherapie. Ergänzend können bei entsprechender Indikation VHS-Kurse für Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Hypnose von den Krankenkassen übernommen werden.

Diagnostische und therapeutische Defizite: Die Statistik beschreibt die ungefähre Anzahl der diagnostischen und therapeutischen Defizite in Deutschland 2008. Insgesamt gibt es rund 4 Millionen behandlungsbedürftige Depressionen in Deutschland (Quelle: Statista / U. Hegerl, T. Pfeiffer / Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 51 - Depressive Erkrankungen).

Diagnostische und therapeutische Defizite: Die Statistik beschreibt die ungefähre Anzahl der diagnostischen und therapeutischen Defizite in Deutschland 2008. Insgesamt gibt es rund 4 Millionen behandlungsbedürftige Depressionen in Deutschland (Quelle: Statista / U. Hegerl, T. Pfeiffer / Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 51 – Depressive Erkrankungen).

Depressive in der Warteschleife

Leider gibt es für depressive Patienten heutzutage lange Wartezeiten auszuhalten, bis sie überhaupt eine Sitzung beim Therapeuten in Anspruch nehmen können. Bis man als depressiver Mensch soweit ist, eine Behandlung zugesprochen zu bekommen, hat man aber meist schon eine lange Periode von Depressionen hinter sich gebracht, die man nicht als solche erkannte oder behandeln lassen wollte. Depressionen können sich unter anderem als Erschöpfung, Alkoholismus, Burn-Out oder Aggression maskieren und sind daher schwer erkennbar. Die Leidensgeschichte Betroffener wird durch die lange Wartezeit auf einen Therapieplatz unnötig verlängert. Therapeutische Ambulanzen in städtischen Räumen versuchen, Nothilfe in Krisensituationen zu leisten. Insgesamt ist die Situation depressiver Menschen heute wesentlich besser als früher, aber die Probleme und Defizite der zur Verfügung stehenden Hilfestellungen sind unübersehbar. Die Zahl der depressionsbedingten Suizide ist zu hoch, die jährlichen Verluste an Arbeitskraft gehen in die Milliarden. Frühverrentung ist bei lang anhaltenden und schweren Depressionen an der Tagesordnung.

Therapieansätze mit Antidepressiva

Moderne Antidepressiva sind Psychopharmaka, die erschreckend häufig verordnet werden. Sie bescheren der Pharmaindustrie satte Gewinne, den von Depressionen Betroffenen aber nicht immer die benötigte Hilfeleistung. Psychopharmaka sind chemische Stimmungsaufheller, die ganz unterschiedliche Wirkungsprofile haben können. In der Wikipedia wird angemerkt, dass vielen Psychopharmaka eine zumindest teilweise Placebowirkung zugesprochen werden muss. Darüber hinaus können sie beruhigend, antriebssteigernd, neutralisierend oder angstlösend wirken. Die teils starken Nebenwirkungen der meisten Präparate sprechen gegen eine alleinige Placebowirkung. Möglicherweise sind Placebos bei leichten Depressionen häufiger im Einsatz. Verringerte Libido, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Restless-Legs-Syndrom oder Herz-Kreislauf-Probleme sind die häufigsten Nebeneffekte der Einnahme von Antidepressiva.

Problematisch ist, dass man die verschriebenen Antidepressiva langsam einschleichend dosieren muss und die Medikamente auch nicht einfach wieder absetzen kann, wenn sie zu starke Nebenwirkungen haben. Die positive Wirkung tritt oft erst nach einiger Zeit ein, in der der Leidensdruck weiterhin groß ist. Zumindest bei mittelschweren bis schweren Depressionen kann dieser Umstand einen Klinikaufenthalt oder eine engmaschige ambulante Betreuung unumgänglich machen. Bei schweren Depressionen muss der Patient oft erst durch Medikamente soweit gebracht werden, dass er ansprechbar für eine nachfolgende Psychotherapiemaßnahme ist. Behandelt wird heutzutage mit verschiedenen trizyklischen Antidepressiva, von denen es vier Typen gibt: Die so genannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, die Antidepressiva, die sowohl das eine wie auch das andere sind und die trizyklischen Antidepressiva, die anders ausgerichtet sind.

Die Bedeutung alternativer Ansätze zur Behandlung Depressiver

Die Vielzahl alternativer Ansätze gegen Depressionen ist beeindruckend. Ihre Wirkung und ihr Nutzen sind jedoch unter Schulmedizinern und Wissenschaftlern umstritten. Auffallend ist auch, dass die Pharmaindustrie an vielen dieser Methoden nichts verdient. Ob dies den Lobbyisten der Pharmaindustrie ein Dorn im Auge ist, wissen wir nicht. Es darf aber angenommen werden. Es böte sich an, diese Methoden einzeln oder in Kombination mit anderen alternativen Heilmethoden zu den klassischen Behandlungsmethoden gegen Depressionen zu addieren.

Beispielsweise kann Sport bei der Behandlung von Depressionen gute Erfolge vorweisen. Durch Sport wird die Ausschüttung von Endorphinen begünstigt, die man auch als Glückshormone bezeichnet. Lichttherapie wirkt ebenfalls stimmungsaufhellend. Die Gabe von Vitamin D in der dunklen Jahreszeit könnte einen Teil des Behandlungserfolges ausmachen. Die klassischen Behandlungsansätze bei Depressionen umschiffen aber solche Therapien und setzen weiterhin auf die bewährten Kombinationen von Antidepressiva und Psychotherapie.

In psychiatrischen und psychosomatischen Fachkliniken werden heutzutage allerdings oft mehrere Methoden nebeneinander angewendet, auch alternative. Moderne Behandlungsmethoden wie die Magnetstimulation, ernährungsmedizinische Konzepte wie die Mikronährstofftherapie auf Basis natürlicher Mikronährstoffe, die Vagusnerv-Stimulation oder die Verhaltenstherapie kommen hier zur Anwendung. Musik- und Kunsttherapie werden begleitend eingesetzt.

Unsere moderne Ernährung enthält so viele Farbstoffe, Bindemittel, synthetische Aromen oder Geschmacksverstärker, dass es nicht wundert, dass diese in Kombination mit langjährigem Nährstoffmangel auch Depressionen auslösen können. Inhaltsstoffe von Nahrungsmitten beeinflussen bekanntermaßen die Ausschüttung von Stresshormonen oder Neurotransmittern. Ernährungsmedizin ist aber bis heute nicht Teil einer modernen medizinischen Ausbildung, schon gar nicht Ziel einer psychologischen.

Viele schulmedizinische Therapien gegen Depressionen könnten in der Wirkung verbessert werden, wenn man sie mit Ernährungs- oder Alternativtherapien sowie lebensnahen Hilfestellungen anderer Art kombiniert.

Mehr zum Thema: Anzeichen, Symptome, Selbsthilfe, Behandlung

Publiziert am: 7. April 2013

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