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Verstopfung und die Behandlung mit Laxantien

Bis zu 25 % der Bevölkerung in den westlichen Industrieländern geben an, unter einer chronischen Obstipation (Verstopfung) zu leiden, womit das Abführproblem schon fast eine Volkskrankheit ist. Eine chronische oder häufig auftretende Obstipation darf nicht als Befindlichkeitsstörungen abgetan werden, denn sie verursacht Beschwerden, die zu einer erheblichen Belastung und Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Die Behandlung mit Laxantien (Abführmitteln) richtet sich in erster Linie nach Art und Schweregrad der Obstipation.

Wann spricht man von einer Obstipation / Verstopfung?

Während man beim Blutdruckmessen oder der Erhebung von Laborwerten anhand von definierten Messwerten feststellen kann, ob noch alles in Ordnung ist, ist das bei der Obstipation schon so eine Sache. Sie beschreibt nämlich den subjektiven Eindruck, den Darminhalt nicht häufig genug, in zu kleinen Mengen oder nur unter Beschwerden ausscheiden zu können. Es existieren keine fixen Messwerte, insbesondere nicht hinsichtlich der Häufigkeit des Abführens. Viele glauben beispielsweise, es sei zwingend erforderlich, täglich abzuführen, was in keinster Weise zutrifft. So gibt es Menschen, die nur zwei- oder dreimal wöchentlich Stuhlgang haben, das als normal empfinden und nicht im Geringsten das Gefühl haben, an einer Obstipation zu leiden.

Eine Obstipation kann verschiedene Ursachen haben, es können Darmerkrankungen vorliegen, Stoffwechselstörungen oder aber auch Medikamente ursächlich sein. Scheiden diese Ursachen aus, sprechen die Mediziner von einer funktionellen Obstipation, die anhand der sogenannten ROM-Kriterien definiert wird. Von einer funktionellen Obstipation kann dann ausgegangen werden, wenn innerhalb der letzten zwölf Monate während mindestens drei Monaten, die nicht unbedingt zusammenhängen müssen, wenigstens zwei der folgenden Symptome bei wenigstens einem Viertel der Stuhlgänge aufgetreten sind:

  • Heftiges Pressen
  • Harter Stuhlgang
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Gefühl einer Blockierung im Afterbereich
  • Manuelles Nachhelfen bei der Darmentleerung
  • Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche

Die Definition lässt bereits erkennen, dass Menschen, die nicht jeden Tag abführen, nicht automatisch an einer Obstipation erkrankt sind. Vielmehr sind Symptomkombinationen erforderlich, die auch noch relativ häufig auftreten müssen, bevor man von einer chronischen Obstipation spricht und nach Laxantien ruft.

Neben der funktionellen Obstipation existieren noch weitere Verstopfungsarten, die sich im Wesentlichen durch das Tempo unterscheiden, mit dem der Darminhalt im Dickdarm transportiert wird:

  • Normal-Transit-Obstipation: Reizdarmsyndrom vom Obstipationstyp (ca. 60 % der Fälle)
  • Outlet-Obstipation: Entleerungsstörung im Bereich des Enddarms (25 % d. F.)
  • Slow-Transit-Obstipation: Verlangsamte Darmpassage durch Darmträgheit (13 % d. F.)

Eine Überlappung der verschiedenen Obstipationstypen ist möglich.


Video zum Thema Obstipation / Verstopfung

YOUTUBE: Chronische Verstopfung – das unbekannte Volksleiden (www.youtube.com/watch?v=QQb5_YIqzbE)

Allgemeine Maßnahmen bei Obstipation

Bevor zu Laxantien gegriffen wird, werden allgemeine Maßnahmen empfohlen, die den Darm auf Trab bringen sollen. Dazu gehören ausreichende Flüssigkeitszufuhr (> 1,5 Liter pro Tag), körperliche Aktivität und eine ballaststoffreiche Ernährung, die aus viel frischem Obst und Gemüse bestehen und zu einer Erhöhung von Stuhlgewicht und Stuhlfrequenz führen soll. Nahrungsmittel, die erfahrungsgemäß zu einer Verstopfung führen, sollten natürlich gemieden werden wie zum Beispiel Weißmehlprodukte. Ideal ist es, den Darm zu erziehen und regelmäßige Toilettensitzungen durchzuführen. Andererseits wird auch empfohlen, die Toilette dann aufzusuchen, wenn der Darm sich meldet und das Geschäft nicht auf später zu vertagen. Von allgemeinen Maßnahmen und einer Umstellung der Ernährung auf faserreiche Kost sollen insbesondere diejenigen profitieren, die an einem Reizdarmsyndrom mit im Vordergrund stehender Obstipation leiden (Normal-Transit-Obstipation).

Medikamentöse Therapie mit Laxantien

Unter dem Begriff „Laxantien“ werden verschiedene Medikamente verstanden, die die Verweildauer des Stuhls in Dick- und Enddarm verkürzen und somit eine Obstipation beseitigen sollen. Die meisten Laxantien erhöhen den Wassergehalt des Stuhls, in dem sie entweder die Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Darm über die Darmwand hemmen oder aber umgekehrt die Flüssigkeitsabgabe in den Darm steigern. Dadurch nimmt das Stuhlvolumen zu, die Darmtätigkeit wird angeregt und die Stuhlpassage durch den Darm wird beschleunigt (vgl. schleimiger Stuhlgang).

Osmotische Laxantien

Osmotisch wirkende Abführmittel binden das Wasser im Darmlumen, ohne dass sie über die Darmwand aufgenommen werden. Empfohlen werden sie zur Behandlung der Slow-Transit-Obstipation. Zu der Substanzgruppe gehören Zucker, Salze und Glykol.

  • Zucker

    Oral aufgenommene Laktulose (Milchzucker) kann im Dünndarm nicht gespalten werden und gelangt daher unverändert in den Dickdarm. Der Milchzucker verhindert, dass Wasser über die Darmwand resorbiert wird und führt zu einer Aufweichung des Darminhalts. Nachteil ist die Bildung von Darmgasen, was zu unangenehmen Blähungen führen kann. Die empfohlene Dosierung für Erwachsene liegt bei 1 – 2x 10-20 g Laktulose (z.B. Bifiteral®), Kinder erhalten 3-6 g. Der abführende Effekt soll nach 2-10 Stunden eintreten. Laktulose hat einen intensiv süßen Geschmack, der bei der Langzeitanwendung häufig als störend empfunden wird.

  • Salze

    Auch verschiedene Salze können das Wasser im Darm binden und den vorgenannten Effekt haben. Die bekanntesten Salze sind Glaubersalz (Natriumsulfat), Bittersalz (Magnesiumsulfat) und das Karlsbader Salz, dass ein Gemisch aus den beiden anderen Salzen ist. Bei der Einnahme der Salze wird jedes Mal eine winzige Menge vom Blut aufgenommen, was bei einer langfristigen Einnahme zu Störungen des Elektrolythaushaltes führen kann, weshalb diese Laxantien für eine Dauerbehandlung nicht geeignet sind. Außerdem kann bei den Salzen der Geschmack langfristig problematisch werden.

  • Polyethylenglykol

    Polyethylenglycol, kurz PEG, wird in der Pharmazie auch Macrogol genannt und soll im Darm zur Bindung einer gleichzeitig oral zugeführten Wassermenge im Dickdarm führen und dadurch das Stuhlvolumen erhöhen. Es wird nicht über den Darm resorbiert und auch nicht bakteriell abgebaut, wodurch Gasbildung und Blähungen deutlich weniger auftreten sollen. In verschiedenen Studien zeichneten sich Macrogol-haltige Präparate wie Laxofalk® oder Movicol® durch gute Verträglichkeit und Wirksamkeit aus. Empfohlen wird die Einnahme von täglich 2-3x 13 g des Pulvers, das in 125 ml Wasser aufgelöst werden soll.

Hydragoge Laxantien

So genannte hydragoge Laxantien führen ebenfalls zu einer Volumenzunahme des Darminhalts, indem sie die Flüssigkeitssekretion in das Darmlumen stimulieren.

  • Bisacodyl

    Dieser Wirkstoff ist zum Beispiel in Dulcolax® enthalten, wird zunächst vom Dünndarm resorbiert und chemisch verändert mit der Gallenflüssigkeit wieder in den Darm ausgeschieden. Im Dickdarm hemmt Bisacodyl die Resorption von Wasser und Kochsalz, gleichzeitig wird die Flüssigkeitssekretion in das Darmlumen gesteigert. Der Wirkstoff kann sowohl oral als auch rektal in Form von Zäpfchen zugeführt werden. Die Dosierung beträgt bei Erwachsenen 5-15 mg oral oder 10 mg rektal. Für Kinder beträgt die orale Dosierung 0,3 mg/kg Körpergewicht, rektal werden 2-5 mg empfohlen. Während nach rektaler Gabe die Wirkung bereits nach 15-30 Minuten eintreten soll, ist bei oraler Gabe mit einer abführenden Wirkung erst nach 8-12 Stunden zu rechnen.

  • Natriumpicosulfat

    Natriumpicosulfat ist zum Beispiel in Laxoberal® enthalten und wird im Dickdarm bakteriell zum eigentlichen Wirkstoff gespalten. Die laxierende Wirkung soll nach 5-8 Stunden eintreten, sodass es zur Nacht eingenommen am nächsten Morgen zu einem erfolgreichen Toilettengang führen soll. Die empfohlene Dosierung für Erwachsene liegt bei 5-15 mg und für Kinder bei 0,1-0,15 mg/kg Körpergewicht pro Tag.

  • Anthrachinone

    Auch verschiedene Pflanzenwirkstoffe können eine laxierende Wirkung haben, zum Beispiel die der Alexandrinischen Senna, einem strauchähnlichen Johannisbrotgewächs. Der Wirkstoff wird im Dickdarm bakteriell gespalten und steigert ebenfalls die Flüssigkeitssekretion in den Darm. Empfohlen wird eine Tagesdosis von 15-30 mg. Senna sollte jedoch maximal zwei Wochen lang eingenommen werden, da die Sicherheit im Langzeitgebrauch fraglich ist. Unter der Senna-Einnahme kann es gelegentlich zu krampfartigen Bauchschmerzen kommen.

Statistik: Einnahmehäufigkeit von Laxantien / Mitteln gegen Verstopfung (Quelle: Statista)

Statistik: Einnahmehäufigkeit von Laxantien / Mitteln gegen Verstopfung (Quelle: Statista)

Welche Hilfen gibt es noch bei Verstopfung?

Zu den weiteren Hilfsmitteln, die bei Verstopfungsproblemen eingesetzt werden (und wurden), zählen z.B. Rizinusöl (Fettsäuren), Glyzerol (Alkohole), Gleitstoffe (Lubrikanzien) und die aus der Yoghurt-Werbung bekannt gewordenen Probiotika („probiotische Kulturen“).

  • Fettsäuren

    Die wohl bekannteste Fettsäure, die als Abführmittel eingesetzt wird, ist das Rizinusöl. Das Öl regt die Peristaltik in Dünn- und Dickdarm an. Die Wirkung ist in der Regel äußerst drastisch, weshalb es heutzutage nur noch selten angewendet wird.

  • Alkohole

    Glyzerol wird rektal als Zäpfchen oder kleinem Einlauf angewendet. Es stimuliert die Entleerung des Darms und soll innerhalb 30 Minuten wirken. Eine ähnliche Wirkung hat auch Sorbitol, das ebenfalls rektal in Form eines kleinen Einlaufs angewendet werden kann. Für Erwachsene werden 20-30 g als 25-30 %ige Lösung empfohlen. Beide Wirkstoffe sind durch ihre rektale Verabreichung insbesondere für die Behandlung der Outlet-Obstipation geeignet.

  • Lubrikanzien

    Unter diesem Begriff werden Gleitstoffe zusammengefasst wie das Paraffinöl (z. B. Obstinol®). Die Präparate haben eine milde laxierende Wirkung und werden in einer Dosierung von 30-60 ml nur zur kurzfristigen Gabe empfohlen.

  • Probiotika

    Als Probiotika bezeichnet man lebende Mikroorganismen, die in noch lebensfähigem Zustand den Dickdarm erreichen und eine Verbesserung der Obstipation herbeiführen sollen. Hierzu gehören Lactobacillus casei Shirota (Yakult®) und E.-coli-Stamm Nissle 1917 (Mutaflor®).

  • Lokale rektale Entleerungshilfen

    Wenn die orale Therapie nicht ausreicht bzw. die Entleerungsstörung des Enddarms im Vordergrund steht, können Zäpfchen und Einläufe (Klysmen) eingesetzt werden. Zur Verfügung stehen Sorbitolklistiere (Microklist®) und glycerinhaltige Zäpfchen (Milax®). Zäpfchen, deren Wirkung auf einer CO2-Bildung (Lecicarbon®) beruhen, stimulieren die Entleerung des Enddarms und werden daher für die Behandlung der Outlet-Obstipation empfohlen. Ihre Wirkung soll innerhalb 30-60 Minuten einsetzen.

YOUTUBE: Verstopfung – Ursachen, Diagnose und Behandlung bei Verstopfung (www.youtube.com/watch?v=WKL8bcsf8C8)

Schwangerschaft, Stillzeit und höheres Lebensalter

Für alle Medikamente und somit auch für Laxantien gilt insbesondere während Schwangerschaft und Stillzeit das sorgfältige Studium des Beipackzettels und im Zweifelsfall die ärztliche Beratung. Abführmittel, die ausschließlich lokal im Darm wirken, werden als unbedenklich eingestuft wird. Vorsicht ist bei systemisch wirkenden Arzneimitteln geboten, die über den Darm resorbiert und in die Blutbahn gelangen. Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Häufigkeit von Obstipationsbeschwerden zu, was auf die Zunahme von Erkrankungen zurückzuführen ist, die die Darmpassage verzögern, auf abnehmende Mobilität, Bettlägerigkeit und Medikamente, die eine Obstipation als Nebenwirkung haben können. Grundsätzlich unterscheidet sich die Behandlung einer Obstipation im Alter nicht von der jüngerer Patienten.

Wann bezahlt die Krankenkasse?

Die Kosten für Laxantien werden in den meisten Fällen nicht von der Krankenkasse übernommen. Das gilt auch für Patienten, die an einer chronischen Obstipation leiden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in den Arzneimittelrichtlinien festgelegt, dass apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Laxantien nur dann zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden können, wenn schwerwiegende Erkrankungen wie Mukoviszidose, Divertikulose, Divertikulitis, neurogene Darmlähmung, Tumorerkrankungen des Darmes oder eine Schmerzbehandlung mit Opiaten durchgeführt wird, die in den meisten Fällen von einer hartnäckigen Obstipation begleitet wird.

Weitere Informationen zum Thema im Web:

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Publiziert am: 22. April 2013

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