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Kieferhöhlenentzündung | Symptome, Dauer und Behandlung durch Hausmittel & Medikamente

Eine Kieferhöhlenentzündung ist kein Spaziergang, aber lässt sich in den Griff bekommen. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über Symptome von Kieferhöhlenentzündungen, die typische Dauer sowie Wege und Möglichkeiten der Behandlung. Von Hausmitteln über Medikamente wie Antibiotika bis hin zu Homöopathie gibt es einige Therapie-Optionen, mit denen sich eine Kieferhöhlenentzündung behandeln lässt. Nicht alle funktionieren immer und gleich gut, und es gilt einiges zu beachten. Doch eins nach dem anderen; vorher gilt es einige Grundlagen für das Verständnis zu klären.

Grundlagenwissen vorab: Allgemein sind Nasennebenhöhlen mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume des Gesichtsschädels, welche direkt mit der Nasenhöhle zum Abfluss von Sekreten und zu ihrer Belüftung in Verbindung stehen. Die Kieferhöhlen sind die größten der Nebenhöhlen und befinden sich pyramidenförmig symmetrisch auf beiden Gesichtshälften unterhalb der Augenhöhle.

Stirn- und Kieferhöhlen | Eine Kieferhöhlenentzündung ist kein Spaziergang, lässt sich aber u.a. durch Medikamente behandeln (© Henrie / Fotolia)

Stirn- und Kieferhöhlen | Eine Kieferhöhlenentzündung ist kein Spaziergang, lässt sich aber u.a. durch Medikamente behandeln (© Henrie / Fotolia)

Begrenzt wird die Kieferhöhle nach oben vom Augenbogen, zur medialen Seite hin von der Nasenhöhle, zu der sie zwei Verbindungsgänge besitzt und nach unten vom Prozessus maxillaris (Ausbuchtung des Oberkiefers), wodurch ein Kontakt zu den Backenzähnen entsteht. So ist es nicht verwunderlich, dass selten sogar neben dem 1. Backenzahn auch der 2. Backenzahn die Kieferhöhle perforieren.

Eine Entzündung der Schleimhäute der Nasennebenhöhlen nennt man Sinusitis und sie kann alle oder auch einzelne Nebenhöhlen betreffen (siehe auch: Sinusitis Behandlungsmethoden sowie Schleimlöser bei Sinusitis). Begrenzt sich die Inflammation ausschließlich auf die Kieferhöhle (Sinus maxillaris) wird sie als Kieferhöhlenentzündung bezeichnet.

Wichtig ist bei dieser Erkrankung eine zeitnahe Behandlung der akuten Form, die dann meist komplikationslos innerhalb von 7-10 Tagen abheilt. Doch auch chronische Verlaufsformen mit einer Dauer von über 12 Wochen oder immer wieder rezidivierende Kieferhöhlenentzündungen sind bekannt.

Entstehung und Symptome

Die häufigste Ursache der Entstehung einer akuten Kieferhöhlenentzündung ist ein viraler Infekt der oberen Atemwege. Zu den dies meist verursachenden Viren gehören:

  • Rhinoviren (typischer Schnupfenerreger),
  • Influenzaviren (Grippe-Erreger) und
  • Parainfluenzaviren.

Durch die Immunreaktion in Folge des viralen Angriffes kommt es zu einer Schleimhautschwellung, die die Zugänge zu der Nasenhöhle verlegen. Das in der Kieferhöhle gebildete Sekret kann nicht mehr abfließen und auch die Belüftung ist nicht mehr möglich. Es entsteht ein perfektes Wachstumsmilieu für Bakterien (z.B. Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae) und andere Krankheitserreger, was dann zu einer Sekundär- oder Superinfektion führt.

Neben Bakterien (vgl. Infektionskrankheiten durch Bakterien Beispiele) treten selten auch Pilze als sekundäre Besiedler der durch die Viren vorgeschädigten Schleimhaut auf. Der Schimmelpilz Aspergillus kann beispielsweise durch zinkhaltige Zahnwurzel-Füllmaterialien in die Kieferhöhle eingebracht werden – sie führen jedoch fast immer zu chronischen Kieferhöhlenentzündungen.

Ein rezidivierendes Auftreten der akuten Entzündung oder eine chronische Inflammation kann auf anatomische Anomalien der seitlichen Nasenscheidewand hindeuten. Auch Nasenpolypen, entzündete Rachenmandeln, Zysten, Brüche des mittleren Gesichtsknochens, Tumore oder Zahnerkrankungen können als Auslöser genannt werden.

Unter Zahnerkrankungen als Ursache werden hier entzündete Zahnwurzeln (beispielsweise nach Wurzelspitzenresektion, nach Zahn OP / nach Wurzelbehandlung; siehe auch: Zahn-Wurzelbehandlung Ablauf), nicht behandelte Zysten (siehe Zahnzysten), Parodontose im Oberkiefer, Entzündungen eines Implantates (nach Implantat), Komplikationen nach Zahnextraktionen oder sonstigen Operationen im Backenzahnbereich verstanden.

Des Weiteren kann auch Fliegen und Tauchen ursächlich sein. Durch den fehlenden Druckausgleich mit folgender Verlegung der Nasengänge steigt der Druck in den Hohlräumen an und reizt die Schleimhaut, bis diese sich schließlich entzündet.



Kieferhöhlenentzündung Symptome

Die typischen Anzeichen / Symptome einer akuten Kieferhöhlenentzündung sind folgende:

  • Dumpfer bis pochender Schmerz im Wangenbereich (ähnlich Zahnschmerz)
  • Druckgefühl über den Wangen
  • Eingeschränkter Geschmacks- und Geruchssinn
  • Kopfschmerzen
  • Schwer lokalisierbarer Zahnschmerzen
  • Teils eitriges Nasensekret
  • Abgeschlagenheit und Unwohlsein
  • Hyperthermie

Es müssen nicht bei jedem Patienten alle diese Kieferhöhlenentzündung Sympome auftreten, doch ein sicherer Hinweis auf eine Entzündung der Kieferhöhle ist der sich verstärkende Schmerz im Wangenbereich bei Vorbeugen des Oberkörpers.

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Liegt eine Chronizität (geht nicht weg, langwierig) der Erkrankung vor, zeigen sich häufig folgende Symptome, die meist schwächer ausfallen als bei einer akuten Erkrankung:

  • Übelriechendes, dünnflüssiges Sekret aus dem Nasen-/Rachenraum
  • Druckgefühl im Oberkieferbereich
  • Druckkopfschmerz
  • Geruchlosigkeit
  • Einseitiger Schnupfen (insbesondere, wenn die Kieferhöhlenentzündung einseitig ist)
  • Behinderung der Nasenatmung
  • Bei Kindern: Gereiztheit und geschwollene Lymphknoten.

Liegt die Ursache der Kieferhöhlenentzündung im Bereich der Zahnheilkunde, kann man folgende Symptome erkennen:

  • Schmerzen sind einseitig
  • Geschwollenes Gesicht, geschwollene Wangen
  • Schmerz beim Zusammenbeißen oder Abklopfen der Zähne
  • Ohrenschmerzen.

Fasst man den Kreis der typischen Symptome etwas weiter, muss man auch die Folgeerkrankungen mit einbeziehen. Diese sind in diesem Fall:

  • Stirnhöhlenentzündung
  • Durchbrechen der Nasennebenhöhlenwand mit Infektion benachbarter Strukturen (Meningitis, Sehstörungen, Rötungen des Auges und Mittelohrentzündungen).

Diagnose der Entzündung durch HNO oder Zahnarzt

Treten eine oder mehrere der oben genannten Symptome nach einem Schnupfen oder einer Grippe auf oder sind sie rezidivierend, ist es ratsam bei allen nicht auf Zahnproblemen basierenden Erkrankungen einen Halsnasenohrenarzt aufzusuchen.

Treten die Anzeichen ohne Vorerkrankung oder im Nachgang zu einer Zahnbehandlung auf, sollten sie Ihren Zahnarzt kontaktieren.

Nachdem der Arzt sie über genaue Beschwerden befragt hat, der Zahnstatus erstellt wurde und die Wangen abgetastet und abgeklopft sind, kommen sogenannte weiterführende Diagnosemittel zum Einsatz.

  • Neben einer Nasenendoskopie mit einer dünnen kleinen Kamera, mit der sich der HNO die Schleimhäute der Kieferhöhle ansehen kann, können auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder die Computertomographie beispielsweise bei einem verlagerten Zahn oder einer Pilzinfektion indiziert sein.
  • Auch der Test auf Bestehen einer Mund-Antrum-Verbindung wird standardmäßig durchgeführt. Hier muss der Patient bei geöffnetem Mund und zugehaltener Nase kräftig Schnaufen. Ist die Verbindung intakt, ist ein Luftstrom in der Mundhöhle hörbar.
  • Beim Vorliegen einer Vereiterung der Schleimhäute, wird eine Tupferprobe entnommen (wozu teils punktiert werden muss, punktieren) und diese in einem Labor weiter untersucht

Therapie | Kieferhöhlenentzündung Behandlung – was hilft?

Wie man in den aktuellen Leitlinien lesen kann, ist das Wichtigste bei der Behandlung der Kieferhöhlenentzündung das schnelle Wiederherstellen der Drainage und die Belüftung der Nebenhöhle.

Dies wird je nach Ursache und Schweregrad durch folgende Maßnahmen erreicht:

  • Abschwellende Nasensprays: Durch ihre abschwellende Wirkung (z.B. durch Xylometazolin) werden sie oft unterstützend eingesetzt. Sie öffnen die Nebenhöhlen und das Sekret kann abfließen. Hier besteht jedoch durch die schnelle Gewöhnung des Körpers an die Wirkstoffe schnell Suchtgefahr, was bis zur Zerstörung der Nasenschleimhaut führen kann. Die Anwendung sollte nicht länger als 7 Tage sein. Anders verhält es sich mit Sprays, die beispielsweise Meersalz, Dexpanthenol, Zitrus- /Sesamöl oder Menthol enthalten. Diese sind zwar nicht ganz so potent, haben aber kein Suchtpotential.
  • Sekretolytika: Diese Medikamente lösen den festsitzenden Schleim und sorgen so für ein schnelles Abfließen.
  • Analgetika: Diese Stoffgruppe besitzt zwar keine abschwellende Wirkung, ist aber lindert stark Schmerzen (wie Z.B. Ohrenschmerzen). Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen sind die wohl gängigsten Wirkstoffe.
  • Antibiotikum: Die bei Kieferhöhlenerkrankungen eingesetzten Antibiotika (z.B. Penicillin als Breitband-Antibiotikum) machen nur dann auch Sinn, wenn die Beteiligung von Bakterien am Krankheitsgeschehen als gesichert gilt. Nachweislich eitrige Entzündungen, Fieber über 38°C, drohende Komplikationen, eingeschränkte Immunabwehr des Patienten oder länger wie 5 Tage stagnierende oder progressive Beschwerden nach Beginn der abschwellenden Therapie gelten als Anhaltspunkte zum gerechtfertigten Einsatz von Antibiotika, siehe aber auch Antibiotika Nebenwirkung. Meist ist eine Therapiedauer von 5-7 Tagen erforderlich.
  • Kortikosteroide: Meist bei Polypen oder seltenen allergisch bedingten Kieferhöhlenentzündungen eingesetzt ist das Kortisonnasenspray am verbreitetsten. Aber auch die Kortikosteroidgabe per Tablette kann in seltenen Fällen hilfreich sein.
  • Antimykotikum: Ist als Ursache eine Aspergillusinfektion ermittelt worden, kommt natürlich ein Antimykotikum zum Einsatz (siehe auch: Mykosen Therapie).
  • Operationen: Eine Operation ist immer dann nötig, wenn durch medikamentöse Behandlung keine Besserung eintritt. Rasches Eingreifen ist angezeigt, wenn das Übergreifen auf andere Strukturen droht. – Mögliche Operationen in diesem Zusammenhang sind die Erweiterung der zu engen Verbindungsgänge zwischen Nasennebenhöhle und Nasenhöhle, das Schließen einer unphysiologischen Verbindung zwischen Mund- und Kieferhöhle (Fisteln), die Entfernung von Polypen oder Zysten, ein massiver Pilzbefall und die Entfernung von Tumoren.
  • Spülungen: Zum Ausspülen von Schadstoffen und Schleim eignen sich besonders Nasenspülungen und Spülungen der Kieferhöhle selbst.
  • Zahnbehandlung: Liegt der Zahn des Übels im Bereich der Zahnheilkunde, muss dieser natürlich umgehend gezogen werden. Wurzelbehandlungen, Ziehen entzündeter Zähne oder das Entfernen von vereiterten Implantaten sind hier nur Beispiele.

Krankschreibung bei Kieferhöhlenentzündungen

Die Länge der Arbeitsunfähigkeit / Krankschreibung hängt natürlich von dem Schweregrad der Erkrankung ab, liegt aber meist zwischen 4 und 14 Tagen. Während dieser Zeit sollte auch kein Sport wie Joggen gehen oder ähnliches gemacht werden. Der Körper braucht Ruhe und bei bakterieller Sekundärbesiedelung besteht natürlich immer die Gefahr des Abgeschwemmt-Werdens von Bakterien zu anderen Strukturen mit schlimmen Folgen für den Gesamtorganismus (Herzmuskelentzündung, Meningitis, usw.).

Prophylaxe

Als Prohylaxemaßnahmen sind hier im Allgemeinen eine gesunde Lebensweise zu nennen. Regelmäßige Bewegung, viel Schlaf, ausgewogene Ernährung, Wechselduschen und Saunagänge stärken das Immunsystem und halten den Körper fit.

Außerdem ist bekannt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Nasennebenhöhlenentzündungen und dem Rauchen besteht (durch Rauchen). Auch das Baden in hygienisch nicht einwandfreien Badeanstalten sollte vermieden werden, genauso wie der Kontakt zu bereits an einer Kieferhöhlenentzündung Erkrankten, da eine Tröpfcheninfektion hier möglich ist.

Pflanzliche Mittel und alternative Heilmethoden

Bekannte und bewehrte Zusatzhelferchen und Kieferhöhlenentzündung Hausmittel in diesem Zusammenhang sind:

  1. Inhalation warmer Dämpfe (mit Zusatz von Kamillenblüte oder Pfefferminze) zur Verflüssigung der Sekrete in den Nebenhöhlen
  2. Überdurchschnittliche Trinkmenge um die Schleimhäute immer gut feucht zu halten
  3. Bestrahlung mit Rotlicht (mit Rotlicht behandeln) oder Infrarot
  4. Akupunktur
  5. Kombipräparate wie Gelomyrtol
  6. Homöopathie (Kalium bichromicum, Hydrastis canadensis, Allium Cepa, Euphrasia officinalis, Sabadilla)
  7. Leichte Bewegung an der frischen Luft
  8. Auftragen von japanischem Heilpflanzenöl unter der Nase
  9. Massage über den Augen und Wangen
  10. Bäder mit Eukalyptus, Holunder oder Kamille
  11. Umschläge mit kaltem Quark zum kühlen.

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Autor: Teresa Haufe

Quellen:

  • Was ist Nasennebenhöhlenentzündung?, http://nasennebenhoehlenentzuendung.behandeln.de/index.html
  • KIEFERHÖHLENENTZÜNDUNG, https://www.zahn-zahnarzt-berlin.de/kieferchirurgie/kieferhoehlenentzuendung/
  • Kieferhöhlenentzündung: Die häufigste Form der Nasennebenhöhlenentzündung, http://www.nasen ratgeber.de/krankheitsbilder/kieferhoehlenentzuendung/#entzuendung
  • Feichter, Martina, Kieferhöhlenentzündung, http://www.netdoktor.de/krankheiten/nasennebenhoehlenentzuendung/kieferhoehlenentzuendung/
  • Zusammenhang zwischen Kieferhöhlenentzündung und Zahnschmerzen, http://www.nasennebenhoehlen.eu/sinusitis/zusammenhang-zwischen-kieferhoehlenentzuendung-und-zahnschmerzen/
  • Antibiotikatherapie bei einer Kieferhöhlenentzündung, https://www.dr-gumpert.de/html/kieferhoehlenentzuendung-antibiotika.html
  • Sporttreiben während einer Nasennebenhöhlenentzündung, https://www.drgumpert.de/html/nasennebenhoehlenentzuendung_sport.html
  • Nasennebenhöhlenentzündung Hausmittel, 10 Tipps, http://www.nasennebenhoehlen.eu/hausmittel/nasennebenhoehlenentzuendung-hausmittel-10-tipps/

 

Publiziert am: 25. Juli 2017