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Presbyakusis: Schwerhörigkeit im Alter – Wenn Opa schwerhörig wird…

Presbyakusis – alles über Altersschwerhörigkeit auf einen Blick

Schwerhörigkeit im Alter (Presbyakusis) ist ein weit verbreitetes Problem: Statistisch gesehen ist jeder vierte Deutsche über 50 betroffen; unter den Senioren über 70 sind sogar mehr als 55 % von Schwerhörigkeit betroffen. Eine Hörminderung oder gar ein Hörverlust erschwert den Alltag und die Kommunikation mit anderen und kann schnell zur massiven psychischen Belastung für Betroffene werden. Doch wie erkennt man Altersschwerhörigkeit bei sich selbst und bei Bekannten und welche Therapieformen gibt es?

Wir haben alles Wissenswerte über die Ursachen, die Symptome und die Behandlung von Presbyakusis zusammengetragen und geben Ihnen hilfreiche Tipps, wie Sie mit der Krankheit umgehen können.

Warum hören wir im Alter schlechter?

Senior ist schwerhörig: Presbyakusis / Altersschwerhörigkeit - Schwerhörigkeit im Alter (© damato / Fotolia)

Senior ist schwerhörig: Presbyakusis – Schwerhörigkeit im Alter (© damato / Fotolia)

Schwerhörigkeit ist nicht unbedingt altersbedingt, sondern entsteht hauptsächlich durch anhaltende physiologische Belastungen des Innenohrs. Da wir im Laufe unseres Lebens immer wieder Lärm und Geräuschkulissen mit hohen Frequenzen ausgesetzt sind, stellt die Krankheit sich schleichend über viele Jahre hinweg ein und ist für die meisten Betroffenen ab einem Alter von 50 – 60 Jahren wahrnehmbar. Auch Nikotin- und Drogenkonsum, erbliche Faktoren, die Einnahme von ototoxischen Medikamenten und Krankheiten wie Diabetes können Ursachen für Schwerhörigkeit sein oder die Schädigung durch alltägliche Belastungen begünstigen.

Chronische Schwerhörigkeit lässt sich meist auf Störungen im Innenohr (Schallempfindungs-Störungen) zurückführen. Schallwellen werden über das Trommelfell und die Gehörknöchelchen weitergeleitet, können aber nicht richtig verarbeitet werden, zum Beispiel durch Schädigungen der Haarzellen in der Cochlea (Hörschnecke). Bei der sogenannten Schallwahrnehmungs-Störung hingegen werden Schallsignale an das Gehirn weitergeleitet, können dort aber nicht richtig verarbeitet werden.

Alle Risikofaktoren auf einen Blick:

  • Nikotin, Alkohol und Medikamente
  • Explosionstrauma oder dauerhafter Lärm
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Kongenitale Faktoren

Diagnostik und Therapie von Schwerhörigkeit im Alter

Presbyakusis und andere Störungen des Innenohrs und der Schallwahrnehmung sind medizinisch nicht behandelbar, da die Haarzellen in der Cochlea sich nicht nachbilden können. Mit modernen Hörgeräten lassen sich jedoch auch schwere Hörminderungen ausgleichen. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie oder ein Angehöriger schwerhörig sein könnten, sollten Sie zur Diagnostik zunächst einen HNO-Arzt aufsuchen. Für die ausführliche Anamnese befragt der Arzt Sie zunächst zu eventuellen Vorerkrankungen und führt eine Ohrmikroskopie durch, um Verletzungen des Trommelfells oder Verschmutzungen als Ursache für die Schwerhörigkeit ausschließen zu können. Beim anschließenden Hörtest stellt der Fachmann genau fest, welche Frequenzen für Sie nicht wahrnehmbar sind und wie hoch der Grad der Hörschädigung ist. Für Betroffene kann es im Straßenverkehr lebensrettend sein, den Grad ihrer eigenen Schwerhörigkeit einschätzen zu können.

Liste von Presbyakusis Symptomen:

  • Schwierigkeiten beim Verstehen von Konsonanten
  • Schwierigkeiten, Geräusche mit ähnlichen Frequenzen auseinanderzuhalten
  • Der Cocktailparty-Effekt: Schlechteres Sprachverständnis in vollen Räumen
  • Betroffene können Frauen und Kinder schlechter verstehen als Männerstimmen
  • Tinnitus und Kopfschmerzen
Der Weg der Schallwellen in und durch das Ohr (© bilderzwerg / Fotolia)

Der Weg der Schallwellen in und durch das Ohr (© bilderzwerg / Fotolia)

Anatomie der Hörbahn und des auditiven Systems des Menschen: Vom Ohr ins Gehirn (© bilderzwerg / Fotolia)

Anatomie der Hörbahn und des auditiven Systems des Menschen: Vom Ohr ins Gehirn (© bilderzwerg / Fotolia)


Hörgeräte als Lösung: Der Computer für Ihr Ohr

Obwohl Presbyakusis nicht heilbar ist, haben Betroffene mit einem passenden Hörgerät keinerlei Schwierigkeiten im Alltag und können auch hohe Frequenzen normal hören. Die Patienten sind also weiterhin schwerhörig, die Symptome sind mit einem gut eingestellten Hörgerät jedoch kaum noch spürbar. Hörgeräte funktionieren ähnlich wie Lautsprecher in der Musik und wandeln Schall über einen Verstärker in elektrische Impulse um. Wer altersschwerhörig ist, hat aber selten Probleme mit dem gesamten Spektrum an Tönen – moderne Hörgeräte können deshalb von Akustikern auf bestimmte Frequenzen eingestellt werden. Im Gegensatz zu ihren historischen Vorgängern sind moderne Hörgeräte kaum sichtbar und können fast jeder Form von Hörverlust und Altersschwerhörigkeit entgegenwirken.

Aber welches Hörgerät kann was? Wer die die beliebtesten Hersteller auf dem deutschen Markt vergleichen will, muss wissen: Grundsätzlich gibt es zwei Varianten / Systeme:

  • Hinter-dem-Ohr-Systeme (HdO)
  • Im-Ohr-Systeme (IdO, in dem Ohr)

Hinter-dem-Ohr und In-dem-Ohr Systeme für Schwerhörige

Qualitativ unterscheiden sich die Hörgeräte von führenden Herstellern wie Siemens, Signia und Hansaton kaum. In unabhängigen Internetportalen wie Hör24 oder Audibene können Sie die einzelnen Geräte für Schwerhörige untereinander vergleichen und das passende Hörgerät finden. Weltweit marktführend sind Unternehmen der Sonova Gruppe wie Phonak, Unitron und Hansaton. Auch europäische Anbieter wie der schweizer Hörgerät-Hersteller Bernafon und der italienische Hersteller Amplifon überzeugen mit innovativer Technik und Hörgeräten mit aufladbaren Akkus. Wegen ihres schlichten Designs und der einfachen Handhabung sind HdO-Systeme üblicher als IdO-Systeme, die die Ohrmuschel zum Teil ausfüllen oder direkt in den Gehörgang eingesetzt werden.

Hinter dem Ohr getragene Hörgeräte (HdO-Systeme) sind sichtbarer, aber meist auch günstiger als ein IM Ohr getragenes Hörgerät (IdO) (© Sven_Vietense / Fotolia)

Hinter dem Ohr getragene Hörgeräte (HdO-Systeme) sind sichtbarer, aber meist auch günstiger als ein IM Ohr getragenes Hörgerät (IdO) (© Sven_Vietense / Fotolia)

Die Therapie gegen Tinnitus und Altersschwerhörigkeit

Schwerhörigkeit im Alter tritt häufig mit störenden Begleiterscheinungen auf, die für Betroffene besonders unangenehm sind und durch ein Hörgerät behoben werden könnten. Aufgrund der relativ hohen Kosten für die Anschaffung und die Konfiguration eines Hörgeräts verzichten viele Betroffene auf das hilfreiche Tool. Gesetzlich Versicherte können einen Teil der Kosten für ihr erstes Hörgerät von ihrer Krankenkasse zurückfordern. Smarte Geräte von modernen Herstellern wie Oticon können Sie multifunktional nutzen: Neben einem verstärkenden Effekt zur besseren Wahrnehmung von Tönen lassen sich die Geräte mit dem Smartphone oder Tablet verbinden. So können Sie mit einem Klick beruhigende Tonkulissen zur Übertönung von Tinnitus oder zum leichteren Einschlafen einstellen oder die Akustik an bestimmte Situationen anpassen, um optimal hören zu können.

„Du bist doch schwerhörig!“ – richtig mit Betroffenen umgehen

Eine beginnende Altersschwerhörigkeit fällt den Betroffenen meist gar nicht auf. Schätzungsweise 90 % aller Menschen, die auf ein Hörgerät angewiesen sind, haben sich noch nie einem Hörtest unterzogen und wissen unter Umständen gar nichts von ihrer Schwerhörigkeit. Der schleichende Hörverlust fällt in den meisten Fällen zuerst Angehörigen, Kollegen und Freunden auf. Haben Sie den Verdacht, dass ein Bekannter altersschwerhörig sein könnte, gehen Sie rücksichtsvoll vor: Für Betroffene kann es eine große psychische Belastung sein, wenn sie nicht mehr am sozialen Miteinander teilnehmen können wie andere. Geben Sie Ihrem Gegenüber Zeit in Gesprächen. Schwerhörigkeit im Alter zieht Dialoge in die Länge und erfordert ein wenig Geduld. Ein weiterer Punkt ist der richtige Abstand. Auch bei schwerer Schwerhörigkeit sollten Sie in Gesprächen einen normalen Abstand vom Gesicht Ihres Gegenübers wahren und die Intimsphäre nicht überschreiten.

Das Wichtigste über Schwerhörigkeit auf einen Blick

  • Schwerhörigkeit im Alter tritt häufig auf, wird aber selten behandelt
  • Bisher gibt es keine medizinische Behandlung gegen Schwerhörigkeit
  • Töne mit hohen Frequenzen sind schlechter zu hören
  • Tinnitus kann eine Begleiterscheinung sein (siehe auch Klopfen im Ohr, Puckern im Ohr)
  • HdO- und IdO-Hörgeräte gleichen Symptome aus
  • Hersteller nutzen IoT-Technologie für smarte Systeme mit mehr Funktionen
  • Haben Sie den Verdacht, sie könnten altersschwerhörig sein, suchen Sie einen HNO-Arzt für eine eindeutige Diagnose auf, in jedem Fall bei Gehörsturz


Quellen und weiterführende Ressourcen:

  • https://www.pflege-durch-angehoerige.de/altersschwerhoerigkeit-oft-viel-zu-spaet-erkannte-krankheit-mit-fatalen-folgen/
  • http://www.hoerkomm.de/schwerh%C3%B6rigkeit_in_zahlen.html
  • https://www.hear-it.org/de/altersschwerhorigkeit
  • http://www.cochlea.org/en/
  • http://www.hoer24.de/presbyakusis/
  • https://www.netdoktor.de/symptome/schwerhoerigkeit/
  • https://www.einfacher-hoeren.de/de/hoergeraete/funktion__45/
  • https://www.hoeren-heute.de/hoergeraete-vergleich/
  • https://www.hoeren-heute.de/hinter-dem-ohr-hoergeraete/

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Publiziert am: 9. Oktober 2018

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