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Was macht eigentlich ein Orthopädietechnik-Mechaniker?

Die Orthopädietechnik umfasst die verschiedenen Bereiche der Fertigung von orthopädischen Hilfsmittel für Patienten. Hierzu zählen unter anderem:

  • die Orthetik (Versorgung mit Orthesen),
  • die Prothetik (Versorgung mit Prothesen),
  • die unterstützende Versorgung mit Bandagen und Kompressionsmaterialien.
    Darüber hinaus gehört dazu der komplexe Bereich der rehabilitativen medizinischen Versorgung, beispielsweise durch:

  • Rollstühle,
  • Rollatoren oder
  • Sitzschalen

Im Kontext einer beruflichen Ausbildung gibt es seit Juli 2013 den neu definierten Beruf des Orthopädietechnik-Mechanikers. Er ist Teil der sogenannten nichtärztlichen Gesundheitsfachberufe und wird darüber hinaus den reglementierten Gesundheitshandwerken zugeordnet.

YOUTUBE: Der Beruf des Orthopädie-Mechanikers
(www.youtube.com/watch?v=swNwAvxBTdY)

Entscheidende Voraussetzungen für die Tätigkeiten eines Orthopädietechnik-Mechanikers

Wesentlich für die unterschiedlichen Einsatzfelder der Orthopädietechnik ist ein umfassendes handwerkliches Geschick für den Beruf an sich. Bei der jeweiligen Fertigung der Hilfsmittel, die in der Regel ausgesprochen kostspielig sind und dem individuellen Bedarf eines Patienten angepasst werden, sind große Sorgfalt und Umsicht erforderlich. Bereits kleinste Messfehler oder Ungenauigkeiten bei der Anpassung könnten ein Hilfsmittel unbrauchbar machen.

Im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation werden vom Orthopädie-Mechaniker Geschick und Empathiefähigkeit erwartet. Die Beratung zu einem passenden Hilfsmittel ist nicht nur ein rein pragmatischer Vorgang. Für den Patienten stellt sie häufig eine Belastung dar, da für ihn möglicherweise ein gesundheitliches Defizit mit dem Hilfsmittel in Verbindung steht. Der Orthopädietechnik-Mechaniker sollte hierbei so klar und unterstützend wie möglich in der Kommunikation mit dem Kunden agieren.

Die Breite des Leistungsangebots in der Orthopädietechnik zeigt, wie vielfältig die genauen Tätigkeiten sein können – allein durch die Vielfalt der Produkte und Hilfsmittel, aber auch durch die damit zusammenhängenden Dienstleistungen.

Hinsichtlich der schulischen Ausbildung gibt es für die Berufsgruppe keine extrem eng definierten Voraussetzungen. Ausbildungsbetriebe bevorzugen jedoch Absolventen mit abgeschlossener Hochschulreife oder zumindest einem mittleren Bildungsabschluss.

Im Rahmen einer weiterbildenden Maßnahme besteht die Möglichkeit, sich im Anschluss an die Ausbildung zum Orthopädietechnik-Meister ausbilden zu lassen.

Das Fachgebiet Orthopädie beinhaltet viele Einzeljobs mit mehr medizinischem oder mehr handwerklichem Fokus (© Zerbor / Fotolia)

Das Fachgebiet Orthopädie beinhaltet viele Einzeljobs mit mehr medizinischem oder mehr handwerklichem Fokus (© Zerbor / Fotolia)



Die Inhalte der Ausbildung

Der Beruf des Orthopädietechnik-Mechanikers zählt zu den anerkannten Ausbildungsberufen. Die Ausbildung ist durch eine entsprechende Ausbildungsverordnung rechtlich geregelt und dauert drei Jahre. Die Art und Weise der Ausbildung ist dual. Das bedeutet, sie ist auf zwei Ebenen konzeptioniert, einerseits im Kontext eines Ausbildungsbetriebs und andererseits angeschlossen an eine Berufsschule.

In der Ausbildung lernen die Absolventen die Herstellung von vielfältigen unterschiedlichen Hilfsmitteln aus dem Bereich der Orthopädietechnik. Neben der eigentlichen Herstellung wird die spezielle Anpassung an die vielfältigen individuellen Bedürfnisse von Kunden und Patienten vermittelt. Beispiele für Hilfsmittel sind unter anderem Rollstühle, Prothesen (künstlich hergestellte Gliedmaßen) oder Orthesen (Hilfsmittel zur Stabilisierung oder Entlastung von Gliedmaßen und Rumpf). Darüber hinaus werden Krankenbetten (siehe spezielle Pflegebetten) beziehungsweise zugehörige Konstruktionen oder spezifische Bandagen hergestellt.

Neben der Herstellung der Hilfsmittel ist die Anpassung an den jeweiligen Einsatzbedarf beziehungsweise an die Erfordernisse des einzelnen Patienten ein wesentliches Feld. Die Auszubildenden lernen hierzu die Einschätzung und Beurteilung der verschiedenen Krankheitsbilder und die zugehörige Beratung von Patienten bei der Auswahl des geeigneten Hilfsmittels.

Die Auszubildenden werden befähigt, Hilfsmittel selbstständig zu konstruieren und entsprechende Grundlagenzeichnungen sowie passende Modelle zu entwerfen und gestalten. Sie lernen das richtige Maßnehmen und die Verarbeitung von unterschiedlichen Materialien, darunter Kunststoffe, Hölzer, Textilien und Harze.

Neben der Fertigung und Beratung gehört auch die Vermittlung der korrekten Handhabung der Hilfsmittel zu den Aufgabenfeldern eines Orthopädietechnik-Mechanikers.

Berufliche Einsatzfelder für Orthopädietechnik-Mechaniker

Die beruflichen Möglichkeiten für Orthopädie-Mechaniker sind vielfältig. Zu den größten Arbeitgebern zählen beispielsweise Sanitätshäuser und Rehawerkstätten beziehungsweise Werkstätten für Orthopädietechnik.

In Sanitätshäusern werden die ausgebildeten Fachkräfte in erster Linie in den Verkaufsräumen selbst eingesetzt. Sie beraten und informieren Patienten, bearbeiten entsprechende ärztliche Verordnungen zu verschiedenen Hilfsmitteln und informieren über Möglichkeiten für konkrete Bedarfe.

In Krankenhäusern und in Werkstätten oder auch in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung fertigen Orthopädietechnik-Mechaniker Hilfsmittel nach entsprechender Vorgabe oder nach individueller Absprache mit dem Patienten oder den Orthopäden beziehungsweise den Fachärzten. Auch beim Kunden vor Ort zu Hause und in rehabilitativen Einrichtungen der medizinischen Nachsorge werden die Fachkräfte tätig.

YOUTUBE: Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker – was lernt man da?
(www.youtube.com/watch?v=NfhvaWgZwuQ)

Weiterführende Links im Web:

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Publiziert am: 12. Januar 2016

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