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Reizstromtherapie – Eine Einführung in die Reizstrombehandlung

Schon in der Antike kannte man die heilende Wirkung von Strom. Damals nutzte man die Stromimpulse des Zitterrochens um Schmerzen zu behandeln. Heute werden Elektrotherapien natürlich mit modernen Geräten durchgeführt und gehören zu den allgemein gängigen Behandlungen, vor allem bei Schmerzzuständen. Neben der Reizstrombehandlung gibt es beispielsweise noch die Galvanisation oder die Kurzwellentherapie. Bei der Reizstromtherapie werden Muskeln oder Nerven mit Gleichstrom im Niederfrequenz-Bereich (1-1000 Hz) behandelt. Bekannt ist die Reizstromtherapie auch unter der Bezeichnung TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation; transkutan = durch die Haut) oder EMS (Elektrische Muskelstimulation). Die bekannteste Art von Reizstromtherapie ist der Herzschrittmacher, der durch elektrische Impulse den Herzmuskel stimuliert.

Reizstromtherapie in der Anwendung (© Dron - Fotolia.com)

Reizstromtherapie in der Anwendung (© Dron – Fotolia.com)

Wirkung der Reizstrombehandlung

Bei der Reizstromtherapie werden Elektroden auf den zu behandelnden Körperstellen befestigt. Dies geschieht ähnlich wie bei einem EKG. Meist legt man kleine feuchte Schwämmchen zwischen Haut und Elektroden, um die Leitfähigkeit zu erhöhen. Dann sendet ein Stimulationsgerät Stromimpulse an Nerven oder Muskeln, je nachdem welche Beschwerden vorliegen. Die Stromstärke wird so eingestellt, dass der Patient nur ein leichtes Kribbeln verspürt. Der Einsatz von Stromimpulsen an Nerven verringert die Schmerzweiterleitung an das Gehirn und erhöht die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen. Diese Hormone verursachen im Körper Glücksgefühle und verringern die Wahrnehmung von Schmerz. Mit der elektrischen Stimulation erreicht man auch tiefer liegende Muskelgruppen, was mit anderen Methoden eher schwierig ist. Anspannungen werden gelöst, schwache Muskeln gestärkt, gelähmte Muskeln angeregt und auch die Durchblutung wird verbessert.

Einsatzbereiche von Reizstromtherapie

Reizstromtherapie wird eingesetzt bei Schmerzerkrankungen, meist begleitend zu Krankengymnastik und medikamentöser Behandlung. Typische Anwendungsbereiche sind Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen (Arthrose), Nervenschmerzen (Neuralgien), Migräne, Zahnschmerzen, Schmerzen nach Operationen oder bei Krebserkrankungen. Weiterhin wird Reizstrom bei Inkontinenz eingesetzt um beispielsweise die Blasen- oder die Beckenbodenmuskulatur anzuregen. Auch Impotenz (erektile Dysfunktion) kann mit Reizstrom behandelt werden. Sportler nutzen die elektrische Muskelstimulation für die Stärkung der Muskeln, begleitend zu Kraft- und Ausdauertraining. Im kosmetischen Bereich wird mit der Reizstromtherapie Cellulite behandelt, sie unterstützt die Fettverbrennung und strafft das Gewebe. Eine oft auftretende positive Begleiterscheinung der Reizstromtherapie ist die beruhigende Wirkung. Somit hilft die Behandlung, am Abend eingesetzt, auch bei Einschlafstörungen.

Die Reizstromtherapie wird beispielsweise von Ärzten, Heilpraktikern oder Physiotherapeuten durchgeführt. Aber auch die Selbstbehandlung zu Hause ist möglich. Die Geräte sind einfach zu bedienen, man kann sie über den Arzt bestellen und wird in der Praxis angeleitet. Die Reizstrombehandlung wird in den meisten Fällen von den Krankenkassen bezahlt.