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Arthrose / Gelenkschmerzen: Therapie- / Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Vor allem ältere Menschen, aber auch viele jüngere, leiden unter einer Arthrose, einer fortschreitenden Verschleißerkrankung der Gelenke. Grundsätzlich kann die Erkrankung jedes Gelenk betreffen. Besonders häufig tritt sie jedoch an den Knie- und Hüftgelenken auf. Zu Beginn äußern sich Arthroseschmerzen nur gelegentlich oder unter Belastung. In späteren Stadien können die Beschwerden aber auch als Dauerschmerz – also auch in Ruhephasen oder in der Nacht – in Erscheinung treten und damit die Lebensqualität deutlich einschränken. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, welche die Gelenkschmerzen lindern und die Belastbarkeit der Gelenke verbessern können.

Arthrose / Gelenkschmerzen: Was gibt es an Therapie- / Behandlungsmöglichkeiten (© Dessie / Fotolia)

Arthrose / Gelenkschmerzen: Was gibt es an Therapie- / Behandlungsmöglichkeiten? (© Dessie / Fotolia)

Therapie-Varianten: Konservative Behandlung der Arthrose

Konservative und physikalische TherapieBei der konservativen Arthrosetherapie geht es darum, die erkrankten Gelenke zu entlasten und vor Fehlbelastungen und Überlastungen zu schützen. Das allein schon kann helfen, die Schmerzen zu lindern. So ist es vor allem bei Hüft-, Knie- und Wirbelsäulenarthrose ratsam, Übergewicht zu verringern. Weitere Entlastungsmöglichkeiten im Alltag bieten orthopädische Hilfsmittel wie:

  • Handstöcke,
  • Unterarmgehstützen,
  • Pufferabsätze und
  • Schuhinnenranderhöhungen.

Förderlich ist außerdem eine belastungsfreie bzw. belastungsarme Bewegung, da der Gelenkknorpel dadurch besser ernährt und somit das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt wird. Empfehlenswert sind beispielsweise Sportarten wie Radfahren in niedrigen Gängen, Schwimmen oder Nordic Walking. Kontraproduktiv ist es hingegen, wegen der Schmerzen gänzlich auf Bewegung zu verzichten. Durch den Bewegungsmangel würden die Knorpelzellen zu wenig Nährstoffe erhalten und im schlimmsten Fall sogar absterben.

Weitere Standbeine der konservativen Arthrosebehandlung sind die physikalische Therapie (z. B. Thermotherapie, Massage oder Balneotherapie) sowie Ergo- und Elektrotherapie. Diese Behandlungsformen verbessern die Beweglichkeit, stärken die Muskulatur und stützen dadurch die Gelenke.

Behandlung mit MedikamentenHinzu kommt eine auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmte medikamentöse Behandlung mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Arzneimitteln. Bei stärkeren akuten Gelenkschmerzen haben sich vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen bewährt. Diese eignen sich jedoch nicht für Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen. Eine Alternative sind sogenannte Coxibe, die allerdings nicht bei vorliegenden Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Durchblutungsstörungen in den Extremitäten und nach einem Schlaganfall eingenommen werden sollten.

Rheumatoide / rheumatische Arthritis (© bilderzwerg / Fotolia)

Rheumatoide / rheumatische Arthritis (© bilderzwerg / Fotolia)

Opium & Co – süchtig machende Schmerzmittel?Kommt der Gelenkschmerz immer wieder oder lässt er sich mit den genannten Mitteln nicht ausreichend lindern, kann der Arzt Opioide verschreiben. Dabei handelt es sich um sogenannte retardierende Arzneimittel, die den Wirkstoff kontinuierlich freisetzen und dadurch den Wirkstoffspiegel im Blut relativ konstant halten. Um die dauerhafte Schmerzlinderung sicherzustellen, werden Opioide nicht nach Bedarf, sondern nach einem strikten Zeitplan eingenommen. Das verhindert zum einen, dass die Wirkung nachlässt, zum anderen aber auch, dass ein plötzliches Anfluten des Wirkstoffs und der dadurch entstehende Kick eine psychische Abhängigkeit bewirken.

Zu den schwächeren Vertretern dieser Medikamentenklasse gehören unter anderem:

  • Codein,
  • Tramadol und
  • Dihydrocodein.

Stärker wirksam sind beispielsweise:

  • Morphin,
  • Hydromorphon,
  • Oxycodon und
  • Fentanyl.

Langfristig bewirken Opioide nur bei circa 50 % der Arthrosepatienten eine deutliche Schmerzlinderung. Außerdem haben sie zum Teil erhebliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Probleme beim Wasserlassen, Verstopfung oder Juckreiz.

Operationen bei arthrosebedingten Gelenkschmerzen

Chirurgische BehandlungenLässt sich die Arthrose mit den nicht-operativen Verfahren nicht stoppen, kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. Welche Operationsmethode dabei zur Anwendung kommt, richtet sich nach dem Zustand des Patienten und der Ausprägung des Gelenkverschleißes. Viele Eingriffe erfolgen minimalinvasiv mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Dabei wird die Haut um das Gelenk mit kleinen Schnitten geöffnet, um beispielsweise abgelöste Knorpelstückchen oder entzündetes Gewebe zu entfernen. Auch Bandscheibenschäden lassen sich auf diese Weise reparieren (siehe auch Bandscheibenvorfall Operationsmethoden).

Ebenfalls mittels Arthroskopie wird die sogenannte Mikrofrakturierung durchgeführt, bei welcher der Chirurg gezielt den Knochen anbohrt, um durch diese Mini-Verletzung die Neubildung des Knorpels anzuregen.

KnorpeltransplantationAuch die Knorpeltransplantation gehört zu den arthroskopischen Verfahren. Hierbei werden körpereigene Knorpelzellen nachgezüchtet und in das Gelenk des Betroffenen eingebracht. Allerdings beschränkt sich diese Behandlungsmethode auf geringe Knorpelschäden und jüngere Patienten.

Nutzt sich der Knorpel ab, weil das Gelenk aufgrund von Fehlstellungen einseitig belastet wird, kann eine Gelenkumstellung Abhilfe schaffen. Bei dieser Operation durchtrennt der Arzt den Knochen und fixiert ihn so, dass die beiden Gelenkseiten nicht mehr aneinander reiben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das betroffene Gelenk gezielt zu versteifen, um die Schmerzen zu lindern. Dabei geht jedoch die Beweglichkeit des Gelenks verloren.

Künstlicher GelenkersatzIst der Gelenkverschleiß weit fortgeschritten, kann das geschädigte Gelenk durch ein Kunstgelenk (Endoprothese) ersetzt werden. Hierfür stehen je nach Größe des zerstörten Knorpelareals verschiedene Prothesenformen zur Auswahl. Der Nachteil dieses in Deutschland sehr häufig angewendeten Verfahrens besteht darin, dass die Implantate begrenzt haltbar sind und nach rund 15 Jahren ein Austausch erforderlich wird. Insbesondere bei jüngere Patienten ist davon auszugehen, dass dieser Eingriff mehrmals in ihrem Leben nötig sein wird. Wer eine solche Implantation in Erwägung zieht, sollte sich daher ausführlich beraten lassen und idealerweise eine Zweitmeinung einholen.

Gesundes Schultergelenk vs. Schulter mit Arthrose (© bilderzwerg / Fotolia)

Gesundes Schultergelenk vs. Schulter mit Arthrose (© bilderzwerg / Fotolia)

Behandlung der Gelenkschmerzen mit Naturheilmitteln

Angefangen von Gewürzmischungen über warme Wannenbäder bis hin zu Blutegeln hat die Naturheilkunde ergänzend zur Standardtherapie eine Vielzahl schmerzlindernder Behandlungsverfahren zu bieten. Dabei wirkt jedoch nicht jedes Mittel bei jedem Arthrosepatienten gleich gut.

Mit Blutegeln gegen Arthrose?Besonders gut wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit von Blutegeln. Während diese das Blut der Patienten saugen, geben sie gleichzeitig ihren Speichel in die Wunde ab, der bis zu einhundert gerinnungs- und entzündungshemmende sowie schmerzstillende Substanzen enthält. In mehreren Studien konnte bewiesen werden, dass circa 80 Prozent aller Arthrosepatienten von einer solchen Behandlung profitieren.

Als ähnlich wirksam hat sich eine Mixtur aus Kreuzkümmel, Koriander und Muskat erwiesen. Zweimal täglich eine Messerspitze davon ins Essen gerührt, soll die Gewürzmischung bei rund 80 Prozent der Betroffenen die Beschwerden lindern. Viele kommen dadurch sogar mit deutlich weniger Schmerzmitteln aus.

Zusätzlich empfehlen sich begleitende Maßnahmen wie Physiotherapie und Fingerübungen. Handbäder mit warmem Wachs helfen, Muskeln und Gelenke zu lockern, während Kühlpackungen entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Heilen lässt sich eine Arthrose durch Naturheilmittel zwar ebenso wenig wie durch Therapieformen der Schulmedizin, dafür sind jedoch in der Regel auch keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten.

Spritzen gegen Arthrose: Kortison, Hyaluron, Orthokin – ist das sinnvoll?

Das Spritzen von Glucocorticoiden (Kortison) und Hyaluronsäure soll den Gelenkverschleiß teilweise bremsen und gegen die Schmerzen helfen. Allerdings zahlen die Krankenkassen eine solche Behandlung nicht und auch unter den Medizinern ist diese Behandlungsform umstritten. Gleiches gilt für das Einspritzen lokaler Betäubungsmittel in das Gelenk.

Das Problem am Kortison ist, dass es zwar die Symptome für einige Zeit lindern, zugleich aber dem Knorpel schaden und damit das Gelenk noch weiter zerstören kann. In einer Studie an Gewebeproben aus Gelenkknorpel und Knorpelzellkulturen wurde belegt, dass Knorpelzellen, die Kortison und Betäubungsmitteln ausgesetzt waren, deutlich schneller abstarben.

Widersprüchlich ist die Studienlage bezüglich des Injizierens von Hyaluronsäure in das Gelenk. Hierdurch sollen Gelenkentzündungen verhindert, die Beweglichkeit verbessert und dadurch eine Operation möglichst lange herausgezögert werden. Zwar weisen Metaanalysen mehrerer Studien auf die positive Wirkung von Hyaluronsäure bei Arthrose hin, allerdings ist die klinische Erfahrung nur ungenügend durch hochwertige Studiendaten belegt. Deshalb ist diese Behandlungsmethode nach wie vor kritisch zu sehen.

Ebenso uneindeutig scheint die Lage bei der Injektion von Patienten-individuell aufbereitetem Blutserum, auch bekannt als Orthokin-Spritze, Orthokin-Methode oder EOTII-Spritzen. So berichtet Apotheke-Adhoc:

Das zentrale Element der Orthokin-Therapie ist ein Medizinprodukt, das vom Hersteller als EOTII-Spritze bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich eigentlich nicht um eine Spritze, sondern eher um ein spezielles Blutprobenröhrchen. Der Orthopäde nimmt dem Patienten wie bei einer normalen Blutprobe Blut ab, das in der „EOTII-Spritze“ gesammelt wird. Die EOTII-Spritzen werden unter sterilen Bedingungen und mit strengen Qualitätssicherungsmaßnahmen in Deutschland hergestellt.

Nach der Blutabnahme werden die gefüllten EOTII-Spritzen für einige Stunden im Wärmeschrank bei Körpertemperatur gelagert. Sie enthalten Kügelchen aus medizinischem Glas mit einer speziell behandelten Oberfläche. Diese Glaskügelchen regen die Blutzellen des Patienten jetzt dazu an, in großer Menge Signalmoleküle abzugeben, und zwar solche, die das gestörte Gleichgewicht im zu behandelnden Bereich wiederherstellen sollen. Es handelt sich zum einen um entzündungshemmende Proteine, welche die Entzündungsreaktion abschwächen sollen, und zum anderen um wachstumsfördernde Proteine, welche die Reparatur des geschädigten Gewebes fördern oder zumindest den Abbau des Gewebes aufhalten sollen. Nach Ablauf der Zeit im Wärmeschrank werden die Blutzellen in einer Zentrifuge von den flüssigen Bestandteilen des Bluts abgetrennt – übrig bleibt eine Proteinlösung, das sogenannte Serum. Dieses enthält jetzt große Mengen der gewünschten entzündungshemmenden und wachstumsfördernden Proteine. (apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/orthokin-gute-erfahrungen-mit-individueller-therapie/)

Gleichermaßen gibt es aber auch bei diesem Verfahren kritische Gegenstimmen, welche die Wirksamkeit bezweifeln, siehe einen Bericht der Süddeutschen Zeitung.

Patienten, welche unter chronischen Gelenkschmerzen, Arthrose, Rheuma und Co leiden, interessieren die Details der Diskussionen in Fachkreisen in der Regel recht wenig. Sie wollen schmerzlindernde Hilfe, und zwar möglichst schnell. Dass es da verschiedenste Möglichkeiten und Ansätze gibt, ist prinzipiell natürlich gut und ein Fortschritt. Dennoch bleibt der Patient darauf angewiesen, dass sein behandelnder Arzt möglichst gut diagnostiziert und die richtigen Therapie-Schritte in der richtigen Reihenfolge einleitet. Und daran scheint es in vielen Fällen noch zu hapern; sonst wäre der Leidensdruck der Schmerz-geplagten Ü50er nicht so groß, was das Thema angeht.

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Publiziert am: 14. November 2017

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