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Pflegezusatzversicherungen: Anbieter, Unterschiede, Vergleichsmöglichkeiten

Die Notwendigkeit einer privaten, zusätzlichen Pflegeversicherung bzw. Pflegevorsorge wird immer mehr Menschen bewusst. Doch was soll man abschließen, wann, und worauf achten?!
Im heutigen Artikel haben wir die wichtigsten Infos zum Thema Pflegezusatzversicherungen für Sie zusammengetragen – Grundwissen erläutert, einige Anbieter vorgestellt, Unterschiede aufgezeigt und einige Vergleichsmöglichkeiten empfohlen.

Dass die Leistungen der gesetzlichen Pflege-Versicherung in den meisten Fällen nicht ausreichen, liegt nicht nur in der grundsätzlichen Konstruktion begründet. War diese Sparte der Sozialversicherungen von vornherein als eine Art Teilkasko gedacht, werden die Versorgungslücken angesichts der demografischen Entwicklung noch weiter aufreißen. Die Möglichkeiten der privaten Vorsorge sind teilweise staatlich gefördert, weisen aber durchaus Vor- und Nachteile auf, siehe das folgende Video:

Die Pflegerente – relativ teuer, aber flexibel

Eine Variante der privaten Vorsorge ist die Pflegerentenversicherung, die insbesondere interessant ist, wenn es bereits gesundheitliche Probleme gibt. Da keine Gesundheitsprüfung erfolgt, können also auch bereits erkrankte Menschen von dieser Absicherung profitieren. Darüber hinaus ist die vertragliche Gestaltung sehr flexibel, denn es können sowohl Einmal- als auch laufende Beiträge eingezahlt werden. Naturgemäß fallen die Beitragsbelastungen höher aus, als dies zum Beispiel bei Pflege-Tagegeldern der Fall ist, die eine strenge Selektion der gesundheitlichen Risiken vornehmen. Die Beitragshöhe richtet sich dabei nach den versicherten Leistungen pro Pflegestufe und dem Eintrittsalter. Die vereinbarte Rente wird dann entsprechend der Einstufung der Pflegebedürftigkeit zur freien Verfügung ausgezahlt.

Die Pflegekostenversicherung – nicht mehr zeitgemäß

Wegen der ständig steigenden Kosten für Therapien, Pflegedienste und Medikamente hat sich diese Vorsorgemöglichkeit überholt. Vorgesehen ist die Erstattung der zunächst verauslagten Pflegekosten, so dass der Versicherte bzw. die Angehörigen immer erst in Vorleistung gehen müssten. Die Verwendung der Leistung ist also explizit vorgeschrieben, ein anderweitiger Einsatz nicht möglich.

Pflegeversicherung: Bei vielen Menschen herrscht Verwirrung und Unsicherheit im Kopf, was eine zusätzliche Vorsorge für den wahrscheinlichen Fall der Pflegebedürftigkeit im Alter durch Pflegezusatzversicherungen angeht (© Florian Hiltmair / Fotolia)

Pflegeversicherung: Bei vielen Menschen herrscht Verwirrung und Unsicherheit im Kopf, was eine zusätzliche Vorsorge für den wahrscheinlichen Fall der Pflegebedürftigkeit im Alter angeht (© Florian Hiltmair / Fotolia)

Die Pflegetagegeld-Versicherung – für Gesunde optimal

Mit strengen Gesundheitsfragen, die in jedem Fall wahrheitsgemäß zu beantworten sind, werden die Risiken für den jeweiligen Versicherer überschaubar gehalten. Nur so können die Beiträge auf dem kalkulierten Niveau gehalten werden. Die Beitragshöhe richtet sich demnach nach dem Eintrittsalter, dem Gesundheitszustand und den vereinbarten Leistungen, die für jede einzelne Pflegestufe festgelegt werden. Nach Feststellung einer Pflegestufe durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen leistet der Versicherer den vereinbarten Tagessatz solange, bis sich eine Besserung einstellt. Dabei können die Versicherten über die Gelder frei verfügen und diese zum Beispiel zur Beauftragung eines Pflegedienstes einsetzen. Aufgrund der Gesundheitsfragen eignet sich diese private Vorsorge nur für gesunde Menschen, so dass ein frühestmöglicher Versicherungsbeginn sich unter dem Strich auszahlt.

Die geförderte Pflege-Bahr-Versicherung

Um die Bevölkerung zur privaten Vorsorge zu animieren, hat die Bundesregierung diese geförderten Produkte eingeführt, die im Prinzip ein Pflegetagegeld darstellen. Die wichtigsten Vorteile diese Absicherung bestehen im staatlichen Zuschuss in Höhe von 60 Euro pro Jahr, wenn privat 120 Euro pro Jahr investiert werden, und dem Kontrahierungszwang für die Versicherer. Damit entfällt nämliche die Gesundheitsprüfung, so dass der größte Nachteil der Pflegetagegelder, die Selektion nach dem Gesundheitszustand, aufgehoben wäre. Dem steht allerdings die Wartezeit gegenüber, die die Versicherer sich für eventuelle Leistungsfälle einräumen können. Die Versicherungswirtschaft macht unterschiedlich davon Gebrauch, so dass beim Vergleich der Tarife insbesondere auf diese Regelung geachtet werden sollte. Gute Infos gibt es u.a. bei www.test.de.

Da die einzelnen Versicherer allerdings die Tarifgestaltung sehr unterschiedlich auslegen, wird der effektive Vergleich erschwert. Es ist insgesamt zu konstatieren, dass die vorgeschriebenen Mindestleistungen in den Pflege-Bahr-Tarifen in den meisten Fällen nicht ausreichen werden – siehe auch das folgende Video:

YOUTUBE: Video zur staatlich geförderten Pflege Zusatzversicherung Pflege Bahr in Deutschland
(www.youtube.com/watch?v=teSzfGHdOB4)

Darüber hinaus bleibt abzuwarten, wie sich die Tarife der Pflegezusatzversicherungen entwickeln. Die fehlende Gesundheitsprüfung wird sich auf die Anzahl der Leistungsfälle und damit die Kostenquote auswirken, so dass von stärkeren Anpassungen auszugehen ist.

Empfohlene Vorgehensweise bei der Recherche

Zunächst ist die konkrete Versorgungslücke in den einzelnen Pflegestufen zu ermitteln. Dazu sollten Interessenten sich ihre konkrete Einkommenssituation genau vor Augen führen:

  • Welche Einnahmen können im Fall der Fälle weiter bezogen werden? Gibt es eine Absicherung für die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit?
  • Reichen die Einnahmen aus, um die anfallenden Pflegekosten zu bestreiten?

Zu beachten ist natürlich, dass die Pflegekosten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich weiter ansteigen werden. Über die aktuelle Situation können statistische Erhebungen zu Rate gezogen werden, weil beispielsweise die Kosten der Pflegeheime regional sehr unterschiedlich ausfallen. Sie reichen von rund 1.500 Euro pro Monat bis zu über 5.000 Euro, eine Recherche im Vorfeld ist also dringend angeraten. Wenn die notwendige Absicherung ermittelt wurde, können persönliche Angebote entsprechend des konkreten Versorgungsbedarfs eingeholt werden.

Auswahl der passenden Tarife

Abhängig von den persönlichen Voraussetzungen können Interessenten sich auf eine oder mehrere Formen der privaten Vorsorge konzentrieren:

  • Gibt es noch keine gravierenden gesundheitlichen Probleme, kommen insbesondere für jüngere Menschen Pflegetagegeld-Versicherungen in Frage. Diese werden in der Regel günstiger als Pflege-Bahr-Tarife sein.
  • Für ältere und bereits kranke Menschen bieten sich alternativ Pflegerenten- oder Pflege-Bahr-Versicherungen an.

Wichtig ist, dass für jede einzelne Pflegestufe die passende Leistung vereinbart wird. Dabei sollte beachtet werden, dass die meisten Pflegefälle in der Pflegestufe I registriert werden. Auch die Leistungen für die Pflegestufe 0, die für Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen eingeführt wurde, dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Vergleiche und Tests – genau hinterfragen

Bei der Auswahl geeigneter Tarife sollten immer Preis und Leistung Beachtung finden. So punktet zum Beispiel die Allianz mit dem Tarif PZT Best 02 bei einem sehr guten Versicherungsumfang, allerdings kostet dies natürlich auch Geld. Der DKV-Tarif KPET fällt zwar preiswerter aus, leistet aber bei Inanspruchnahme einer ambulanten Pflege nur teilweise und in der Pflegestufe 0 gar nicht. Die AXA liegt mit ihrem Tarif Flex 123 beitragsmäßig dazwischen, begrenzt die Leistungshöhe aber von vornherein.

Je nachdem, auf welche Kriterien Wert gelegt wird, können die Vergleichsprogramme für Pflegezusatzversicherungen Wichtungen und Selektionen vornehmen (ähnlich wie beim Krankenhauszusatzversicherung Test). Es ist also eminent wichtig, dass die Erfassung der persönlichen Bedürfnisse und Ansprüche bei einem Versicherungsvergleich berücksichtigt werden. Weitere Infos und einen Vergleich finden Sie hier.

Fazit – private Pflegezusatzversicherungen

Eine allgemeine Empfehlung kann zur Auswahl einer privaten Pflegezusatzversicherung nicht gegeben werden. Zu unterschiedlich sind die Tarife, die persönlichen Voraussetzungen und die individuellen Bedürfnisse. Zwar gibt es die staatlich geförderten Pflege-Bahr-Versicherungen, allerdings sollten diese gerade bei jungen Menschen nur unter Vorbehalt in die Auswahl einbezogen werden. In der Regel werden die klassischen Pflegetagegeld-Versicherungen günstiger ausfallen, da keine Mischkalkulation durch den Kontrahierungszwang beachtet werden muss. Für ältere Menschen bietet sich wiederum eine Pflegerente zum Vergleich zu den festgelegten Leistungen der staatlich geförderten Produkte an. Vor einer Entscheidung sollte also genau auf die Tarifdetails geachtet werden, was zwar mühevoll ist, sich aber bei Pflegezusatzversicherungen nicht vermeiden lässt.

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Publiziert am: 12. März 2014

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