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Kranke Fluggäste: Mit (ansteckenden) Krankheiten dennoch fliegen?!

Krank fliegen? Wann darf man (noch) in den Flieger steigen? – Fliegen, ob in den Urlaub oder aus beruflichen Gründen, ist mittlerweile für die meisten Menschen eine ganz normale Angelegenheit. Dabei werden jedoch häufig die körperlichen Belastungen unterschätzt, die eine Flugreise mit sich bringt. Haben gesunde Personen nach einem Flug höchstens mit dem Jetlag oder der Reisekrankheit zu kämpfen, können sich bei bestimmten Krankheiten die Beschwerden durch den geringen Luftdruck im Flugzeug noch verschlimmern. Bei einigen Erkrankungen sind die Fluggesellschaften nach den von der internationalen Flugbehörde ausgegebenen Richtlinien sogar berechtigt, dem betroffenen Fluggast die Beförderung zu verweigern. Dennoch sind die Regeln bzgl. kranker Fluggäste nicht immer eindeutig und nicht immer einheitlich.

YOUTUBE: Vivantes Flug-Tipps
(www.youtube.com/watch?v=FFFAHJqhQRg)

Mit Erkältung ins Flugzeug

In der Regel ist ein leichter Schnupfen nicht weiter problematisch. Da der Druckausgleich mit verstopfter Nase schwierig ist, sollten vor Abflug und Landung abschwellende Nasentropfen oder ein Nasenspray zur Anwendung kommen. Gähnen und Kaugummi kauen können bei Druck in den Ohren ebenfalls Linderung bringen. Hilft dies nicht, kommt das sogenannte Valsalva-Manöver zum Einsatz. Hierbei werden bei zugehaltener Nase die Backen aufgeblasen und durch Anspannung der Atemmuskulatur Luft in die Ohren gedrückt.

Riskanter wird das Fliegen bei einer Nasennebenhöhlenentzündung. Sind die Schleimhäute stark geschwollen, kann sich die für den Druckausgleich zuständige Ohrtrompete nicht öffnen. Im Ohr entsteht ein extremer Druck, der äußerst schmerzhaft ist und mit eingeschränktem Hörvermögen und heftigen Kopfschmerzen einhergeht. Im Extremfall können Blutungen im Mittelohr und Langzeitschäden die Folge sein. Daher sollte ein Flug bei einer ausgewachsenen Nasennebenhöhlenentzündung vermieden werden. Dies gilt auch für eine akute Mittelohrentzündung, bei welcher der Druckausgleich ebenfalls erschwert ist. Etwas Watte im Ohr sowie Meerwasser-Nasenspray schaffen Abhilfe bei leichten Ohrenschmerzen.

Keine größeren Probleme bereiten Husten oder Bronchitis. Die trockene Luft an Bord kann jedoch zu Hustenattacken führen. Um die Schleimhäute feucht zu halten, sollte daher während des Fluges ausreichend getrunken werden. Halstabletten können ebenfalls Erleichterung bringen.

Fliegen mit Magen-Darm-Problemen

Magen-Darm-Geschichten betreffen häufig Urlauber auf der Rückreise. Die Ursachen dafür können ungewohnte Lebensmittel, mangelnde hygienische Zustände im Urlaubsland oder Reiseübelkeit sein. Ein rumorender Magen kann während des Fluges zwar sehr unangenehm sein, aus ärztlicher Sicht spricht jedoch grundsätzlich nichts gegen das Fliegen.

Da die veränderten Druckverhältnisse im Flugzeug zu Blähungen führen können, sollte allerdings zuliebe des Sitznachbarn vor und während des Fluges auf kohlensäurehaltige Getränke, Hülsenfrüchte, frisches Gemüse und Salat verzichtet werden. Kapseln mit dem Wirkstoff Loperamid helfen bei akutem Durchfall. Dimenhydrinathaltige Medikamente oder Ingwer-Präparate vertreiben ein eventuell vorliegendes Übelkeitsgefühl.

Erkrankungen von Herz und Lunge

Nach einem Herzinfarkt sollte ein Flugzeug frühestens nach sieben bis zehn Tagen bestiegen werden. Im Anschluss an eine Bypassoperation ist das Fliegen erst nach zehn Tagen bis zwei Wochen wieder erlaubt. Bei einer instabilen Angina Pectoris muss auf einen Flug ebenso verzichtet werden wie bei nicht kontrollierten Herzrhythmusstörungen oder einer dekompensierten Herzinsuffizienz.

Ansteckende Lungenkrankheiten wie Tuberkulose oder akute Verschlechterungen bei bestehender COPD führen ebenfalls zu Flugverbot. Gleiches gilt bei einem Pneumothorax oder großen Pleuraergüssen innerhalb der letzten drei Wochen vor Reiseantritt. Liegt der arterielle Sauerstoffdruck ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung bereits auf Meereshöhe unterhalb von 67 bis 70 mmHg, ist das Fliegen gleichfalls aus medizinischen Gründen untersagt.

Thromboseneigung

Raucher, ältere oder stark übergewichtige Personen, Frauen, welche die Antibabypille nehmen und Menschen, die zu Krampfadern neigen, unterliegen einem erhöhten Risiko für eine Venenthrombose. Das lange Sitzen und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten im Flugzeug beeinträchtigen den Blutfluss. Spricht während des Fluges nichts dagegen, sollten sich bietende Gelegenheiten zum Aufstehen und zum Bewegen genutzt werden. Spezielle Flugkompressionsstrümpfe (Antithrombosestrümpfe) sorgen für eine höhere Fließgeschwindigkeit des Blutes. Es ist wichtig viel zu trinken, Alkohol ist jedoch besser zu vermeiden.

Stechende Kopfschmerzen im Flieger - für viele ein sehr unangenehmes Problem, aber im Vergleich zu anderen Erkrankungen noch eher harmlos (© Maridav - Fotolia.com)

Stechende Kopfschmerzen im Flieger – für viele ein sehr unangenehmes Problem, aber im Vergleich zu anderen Erkrankungen noch eher harmlos (© Maridav – Fotolia.com)

Neurologische und psychiatrische Erkrankungen

Personen, die sich in akuten psychotischen Krisen befinden oder durch aggressives Verhalten auffallen, sind aus ärztlicher Sicht nicht für Flüge zugelassen. Unkontrollierbare epileptische Anfälle oder ein Grand-Mal-Anfall weniger als 24 Stunden vor dem Flug zählen ebenfalls zu den Ausschlusskriterien. Nach einem Schlaganfall, auch nach einem leichten, sollte mit dem Besteigen eines Flugzeuges mindestens fünf bis zehn Tage gewartet werden.

Ansteckende Krankheiten

Infektionen werden im Flugzeug nur selten übertragen. Bei einer Ansteckung vor Beginn der Reise ist ein Ausbruch der Erkrankung im während des Fluges unwahrscheinlich, jedoch nicht völlig auszuschließen. Patienten mit übertragbaren Krankheiten sollten daher nicht fliegen, um andere Fluggäste nicht zu gefährden. Bei sichtbaren Symptomen ist es möglich, dass das Flugpersonal den Zutritt zur Kabine verweigert, wenn keine Unbedenklichkeitserklärung eines Arztes vorgelegt wird. Für Passagiere mit leichten Infektionskrankheiten gibt es Richtlinien, die ihnen unter bestimmten Voraussetzungen die Teilnahme an der Flugreise ermöglichen.

So kann bei Röteln die Reise vier Tage nach Auftreten des Ausschlags angetreten werden, bei Masern nach sieben Tagen. Bei Mumps ist der Flug möglich, sobald alle Schwellungen abgeklungen sind. An Windpocken Erkrankte dürfen eine Woche nach Erscheinen des letzten neuen Flecks wieder ein Flugzeug besteigen. Wer unter Virusinfektionen wie der saisonalen Grippe leidet, muss warten, bis keine Ansteckungsgefahr mehr von ihm ausgeht (siehe auch Tröpfcheninfektion Definition).

Liegt eine schwere Infektionskrankheit vor wie die bereits genannte Tuberkulose oder eine Lungenentzündung, muss gegenüber der Fluggesellschaft die Flugtauglichkeit durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden. Ohne dieses wird der betroffene Passagier nicht zum Reisen zugelassen. An Meningitis Erkrankte oder Reisende mit pandemischen Virusinfektionen wie SARS oder H1N1 sind grundsätzlich von Flugreisen ausgeschlossen.

Statistik des Tages: Was nervt im Flieger? > Diese Umfrage zeigt die Top 8 Nervereien der Passagiere im Flieger in 2010. 7 Prozent nerven Nebensitzer, die einen in ein Gespräch verwickeln wollen. (Quelle: Statista / lastminute.de)

Statistik des Tages: Was nervt im Flieger? > Diese Umfrage zeigt die Top 8 Nervereien der Passagiere im Flieger in 2010. 7 Prozent nerven Nebensitzer, die einen in ein Gespräch verwickeln wollen. (Quelle: Statista / lastminute.de)

Krank fliegen: Wer entscheidet über den Reiseantritt?

Betrifft eine Erkrankung nur den Passagier selbst, liegt es in dessen Verantwortung, zu entscheiden, ob er sich fit genug für die Reise fühlt. Fluggesellschaften bieten im Internet medizinische Informationen an, die bei der Entscheidungsfindung helfen. Bei schwereren und/oder chronischen Erkrankungen sollte dennoch immer der Hausarzt zurate gezogen werden.

Geht es um ansteckende Krankheiten, können Ärzte oder, bei entsprechendem Verdacht, auch Flugbegleiter ein Verbot aussprechen. Da das Flugpersonal nicht eingehend medizinisch geschult ist, kann es hier schon mal zu Missverständnissen kommen. Wer unter Erkrankungen leidet, die auffällig, aber nicht übertragbar sind, beispielsweise Hautausschläge, ist daher mit einem ärztlichen Attest auf der sicheren Seite. Dieses darf nicht älter als zehn Tage sein und muss den Vermerk „Kein Hindernis für eine Flugreise“ beinhalten.

YOUTUBE: Was gehört in die Reiseapotheke?
(www.youtube.com/watch?v=QSPt_ipI5XU)