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Phytotherapeutische Arzneimittel | Ein differenzierter Blick

Mit dem Begriff Phytotherapie bezeichnet man die Pflanzenheilkunde, also die Verwendung von Heilpflanzen zur Behandlung von Krankheitsbildern. Die Pflanzenheilkunde ist eine der ältesten medizinischen Richtungen der Menschheit; sie kommt in praktisch jeder Kultur vor. Heute gilt sie als traditionelle Medizin – das heißt, dass überliefertem Wissen und Erfahrungswerten eine wichtige Rolle beigemessen werden, da viele Wirkungen von heilpflanzlichen Arzneimitteln (noch) nicht in wissenschaftlichen Studien belegt werden konnten. Die Pflanzenheilkunde ist als eine Naturheilkunde jedoch nicht als „alternative“ Medizin, wie beispielsweise die Homöopathie, zu betrachten, sondern folgt den Grundsätzen einer naturwissenschaftlich begründeten Medizin.

Phytopharmaka: Was sollte man wissen?

Phytotherapeutische Arzneimittel – auch als Phytopharmaka bekannt – müssen in der EU, sofern es sich um Fertigarzneimittel handelt, grundsätzlich behördlich zugelassen werden, wofür ein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden muss. Nicht als Arzneimittel anerkannte Phytopharmaka sind auf der Verpackung durch den Aufdruck „traditionelles pflanzliches Arzneimittel ausschließlich aufgrund Überlieferung und langjähriger Erfahrung“ ausgewiesen, da hier kein wissenschaftlicher Nutzen- bzw. Wirksamkeitsnachweis erbracht werden muss. Dies gilt selbst für solch etablierte Produkte wie beispielsweise den bekannten Melissengeist aus dem Hause Klosterfrau. Auch hier heißt es im Pflichttext: „Das Arzneimittel ist ein traditionelles Arzneimittel, das ausschließlich auf Grund langjähriger Anwendung für das Anwendungsgebiet registriert ist.“ Traditionelle Phythopharmaka werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

Phytotherapeutische Arzneimittel: Genaue Differenzierung ist nötig | © Erwin Woidicka / Fotolia

Phytotherapeutische Arzneimittel: Genaue Differenzierung ist nötig | © Erwin Woidicka / Fotolia

Nicht erstattungsfähig heißt nicht gleich unwirksam…

Für den Patienten bedeutet dieser Hinweis dennoch nicht, dass das traditionelle phytotherapeutische Arzneimittel nicht wirkt. Wenn eine bestimmte Heilpflanze seit Jahrhunderten erfolgreich bei bestimmten Leiden eingesetzt wird, kann man tendenziell davon ausgehen, dass sie auch hilft. Immerhin verschreiben heutzutage rund achtzig Prozent der Hausärzte neben herkömmlichen chemisch-synthetischen Medikamenten auch pflanzliche Arzneimittel – schließlich sind Phytopharmaka essenzieller Bestandteil jeder modernen Arzneitherapie. Bekannte Heilpflanzen sind beispielsweise Salbei, der in Teeform gegen Halsschmerzen eingesetzt wird, Fenchel, Thymian und Eibisch (schleim- und hustenlösend), Mistelkraut, Weißdornblätter (herzstärkend), Lavendel (antiviral, entspannungsfördernd) oder Baldian und Hopfen (beruhigend). Phytotherapeutische Arzneimittel, deren Wirksamkeit von der Arzneimittelbehörde bestätigt ist und die offiziell zugelassen sind, tragen den Vermerk „apothekenpflichtig“.

Rezeptfreie, pflanzliche Arzneimittel

Außerhalb der Apotheke lassen sich pflanzliche Arzneimittel rezeptfrei in Supermärkten, Drogerien oder Reformhäusern erwerben. Der Unterschied zu den apothekenpflichtigen Phytopharmaka sei am Beispiel „Johanniskraut“ skizziert: Diese Heilpflanze ist als Medikament für die Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen zugelassen. Eine Wirksamkeit konnte für Dosen von 900-1.800 mg nachgewiesen werden. Frei verkäufliche Johanniskrautpräparate hingegen liegen mit 180-300 mg pro Dosis weit unter dieser nachgewiesenen Wirksamkeitsgrenze. Ohnehin gehört die Indikation – Depressionen – in die Hand eines Fachmannes und sollte nicht in Eigenregie behandelt werden. Dies gilt für alle phytotherapeutischen Arzneimittel: Bei Beschwerden, die über den herkömmlichen Schnupfen hinausgehen, sollte sich der Patient besser an einen Arzt wenden und nicht versuchen, selbst an den Symptomen „herumzudoktern“. Wer synthetische Arzneimittel ablehnt, kann sich von seinem Arzt dann immer noch phytotherapeutische Arzneimittel verschreiben lassen – aber eben solche mit nachgewiesener Wirkung.

Literatur für den Phytotherapeut

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Publiziert am: 28. Oktober 2011

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