www.medizinius.de » Krankheiten und Probleme

Bandscheibenprobleme

Rückenschmerz ist einer der häufigsten Anlässe für einen Besuch beim Arzt. Nicht selten liegt die Ursache bei Problemen mit den Bandscheiben. Hauptlokalisation ist die untere Lendenwirbelsäule, gefolgt von der Halswirbelsäule. Bandscheibenprobleme im Bereich der Brustwirbelsäule sind absolute Raritäten.

Die Bandscheiben sind praktisch polsternde Kissen zwischen den Wirbelkörpern. Das Innere besteht aus einem gelartigen Kern (nucleus pulposus), Stabilität bekommen sie durch einen Ring aus straffem Bindegewebe mit knorpeligen Anteilen (dem so genannten anulus fibrosus). Die Bandscheiben dienen dem Auffangen von Schwingungen und schützen somit das knöcherne Skelett.

Bandscheibenprobleme (© M. Schuppich - Fotolia.com)

Bandscheibenprobleme (© M. Schuppich – Fotolia.com)

Mit fortschreitendem Alter degeneriert sich der Kern und das Bindegewebe verliert an Spannung. So kann es zu einer Vorwölbung der Bandscheibe in den Spinalkanal kommen (Protrusion). Reißt der anulus fibrosus ein, so drückt das Bandscheibenmaterial auf die benachbarten Spinalnerven (Prolaps) oder flottiert frei in dem Spinalkanal (als Sequester) und kann dabei Nerven oder das Rückenmark selbst komprimieren.

Die Ausprägung der Symptome ist abhängig von der Lokalisation und dem Schweregrad des Bandscheibenproblems. Eine Protrusion führt in der Regel zu dumpfen, bohrenden Rückenschmerzen. Ist Bandscheibenmaterial ausgetreten, führt der Druck auf die Spinalnerven oder auf das Rückenmark meist zu einschießenden Schmerzen (Neuralgie), welche sich entlang des Innervationsgebietes (Dermatom) des betroffenen Nervs ausbreiten. Typischerweise verstärkt sich dieser Schmerz beim Husten, Niesen, Lachen oder Pressen. Bei starker Kompression können weitere Sensibilitätsstörungen hinzukommen, charakteristisch sind Taubheit („pelziges Gefühl“) oder Kribbeln. Erst bei massivem Druck auf die Nervenbahnen kommt es zu einer Schwäche (Parese) oder Lähmung der vom Nerven versorgten Muskulatur. Bei Druck auf das untere Rückenmark kann es zu einer Sonderform des Bandscheibevorfalls kommen, dem Cauda-equina-Syndrom mit Reithosenanästhesie, Lähmungen der Beine und Störungen in der Blasen- und Mastdarmkontrolle. Motorische Ausfälle sind immer ein Alarmsignal und fordern eine schnelle Therapie.

Die Therapie ist in erster Linie konservativ. Mit Schmerzmitteln (bevorzugt aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika, z.B. Diclofenac) und mit Cortison (wirkt abschwellend im Bereich des Spinalnervs und reduziert somit den Druck) werden die Symptome gelindert. Durch zu Beginn schonenden und nach dem akuten Ereignis forcierten Bewegungsübungen wird versucht, die stützende Rückenmuskulatur zu kräftigen. Greift die konservative Therapie über einen längeren Zeitraum nicht oder liegen neurologische (vor allem motorische) Ausfälle vor, so sollte operativ therapiert werden. Dabei wird das drückende Bandscheibenmaterial entweder offen oder minimal-invasiv endoskopisch komplett entfernt. In einigen Fällen wird die fehlende Bandscheibe durch eine Prothese ersetzt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Publiziert am: 22. November 2010

Verschlagwortet mit: ,