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Brustrekonstruktion nach Brustkrebs: Methoden im Überblick

Die Diagnose Brustkrebs bedeutete vor wenigen Jahrzehnten meist noch den hinzunehmenden Verlust der erkrankten Brust. Neben der schwerwiegenden Diagnose und den oft langwierigen und strapaziösen Therapien gehörte auch immer die Angst um einen bedeutenden Teil der Weiblichkeit nach der Brust-OP und Entfernung des Tumors dazu. Glücklicherweise steht heute bei der Brustkrebstherapie und Nachsorge nicht nur das Ziel der vollständigen Genesung im Mittelpunkt, sondern auch eine möglichst zufriedenstellende Brustrekonstruktion nach Brustkrebs gehört jetzt zum medizinischen Standard dazu.

Dabei stehen dem plastischen Chirurgen je nach individuellen Voraussetzungen der Patientin eine Reihe von Methoden zur Verfügung: Nach erfolgreicher Brustkrebsoperation ist der Aufbau und die Rekonstruktion der Brust in verschiedenen Verfahren möglich, und zwar sowohl nach einer (teilweise) brusterhaltenden Operation, wie auch nach einer Brustamputation, der Mastektomie. Vielfach wird in einem weiteren Eingriff auch die Brustwarze rekonstruiert, um ein möglichst ästhetisches Ergebnis zu erzielen.

Bei der Rekonstruktion / Wiederherstellung einer Brust nach Brustkrebs (Mammakarzinom) können ähnlich wie bei Brustvergrößerungs-OPs Silikonimplantate zum Einsatz kommen. In der Regel nutzt man heute für die Wiederherstellungs jedoch Eigengewebe-Transplantationen. (© Poplasen/Fotolia)

Bei der Rekonstruktion / Wiederherstellung einer Brust nach Brustkrebs (Mammakarzinom) können ähnlich wie bei Brustvergrößerungs-OPs Silikonimplantate zum Einsatz kommen. In der Regel nutzt man heute für die Wiederherstellungs jedoch Eigengewebe-Transplantationen. (© Poplasen/Fotolia)

Zahlreiche Verfahren der Brustrekonstruktion nach Brustkrebs – für das gewünschte ästhetische Ergebnis

Der Wiederaufbau bzw. die möglichst befriedigende Brustrekonstruktion nach Brustkrebs gehört heutzutage zum fixen Bestandteil in der Behandlung der gefürchteten Krebserkrankung. Das bedeutet auch, dass die Kosten für den Eingriff grundsätzlich auch von der Krankenkasse übernommen werden sollten. Neben unterschiedlichen Methoden, die dem behandelnden Arzt zur Wahl stehen, ist auch der Zeitpunkt des Wiederaufbaus genau zu überlegen.

Was viele vielleicht nicht wissen: Es gibt bereits die Option, gleichzeitig mit der Tumorentfernung und Brustamputation auch unmittelbar die Brustrekonstruktion in derselben Operation durchzuführen. Diese als Sofortrekonstruktion bezeichnete Möglichkeit ist in vielen Fällen möglich und ratsam (http://link.springer.com/article/10.1007%2FBF02629710#page-1), und sie erspart der Patientin zumindest einen Eingriff. Voraussetzung ist natürlich, dass dieser sofortige Wiederaufbau der Brust mit den notwendigen Therapieschritten, wie Bestrahlung oder Chemotherapie, zu vereinbaren sind, da diese die Wundheilung und das Brust gewebe negativ beeinflussen.

Falls eine Sofortrekonstruktion aus ärztlicher Sicht nicht möglich ist, kann eine Brustrekonstruktion nach Brustkrebs auch in einem späteren, zweiten Schritt erfolgen, was als verzögerte Brustrekonstruktion oder Sekundärrekonstruktion bezeichnet wird. Das kann einerseits aus medizinischen Gründen erforderlich sein, darüber hinaus hat dies für die Patientin auch den Vorteil, dass sie sich unabhängig von dem ersten Schritt der chirurgischen Brustamputation oder -operation zu einem späteren Zeitpunkt und in aller Ruhe über die für sie passende Methode des Brustwiederaufbaus zusammen mit dem Chirurgen entscheiden kann. Da die unmittelbare Therapie ohnehin sehr viel Kraft und Aufmerksamkeit fordert, kann daher für viele betroffene Frauen ein erst später durchgeführter Brustwiederaufbau von Vorteil sein.

Die Möglichkeiten und Techniken einer plastisch-chirurgischen Brustrekonstruktion nach Brustkrebs unterscheiden sich somit nicht nur nach dem Zeitpunkt ihrer Durchführung, sondern auch nach Methodik, nach Aufwand und der angestrebten Natürlichkeit und Form des „neuen“ Busens. Grundsätzlich wird die neue Brust entweder mit Hilfe von Implantaten rekonstruiert oder aus eigenem Körpergewebe gewonnen. Entscheidend sind dabei nicht nur die medizinischen Möglichkeiten, sondern selbstverständlich können Frauen auch ihre Wünsche und Vorstellungen mit einbringen.

Doch welche konkreten Verfahren und Möglichkeiten einer Brustrekonstruktion nach Brustkrebs gibt es? – Die verschiedenen Ansätze und Möglichkeiten werden im Folgenden vorgestellt:

Brust rekonstruieren nach Brustkrebs: Neuer Busen mit Implantaten

Der Einsatz von Implantaten ist den meisten hauptsächlich aus der ästhetischen Chirurgie bekannt. Doch auch nach Brustkrebs können Silikonimplantate zum Einsatz kommen und die Grundlage der neuen Brust bilden. Wenn eine „hautsparende“ Brustamputation durchgeführt werden kann, d.h. nur die Brustdrüsen ohne die darüber liegende Haut entfernt werden müssen, kann solch ein Silikonimplantat in die ausgehöhlte Brust zur Neuformung eingebracht werden.

Das Implantat wird dabei hinter oder vor dem Brustmuskel platziert; im Unterschied zu einer Brustrekonstruktion mit eigenem Gewebe kann dann jedoch eine weitere Operation notwendig werden, um eine Angleichung an die andere Brust vorzunehmen, insbesondere dann, wenn das Implantat nur auf einer Seite zum Einsatz kommt.

Die Operation wird mit einem kleinen Schnitt in der Nähe des Brustwarzenvorhofes durchgeführt. Für den Fall, dass sehr viel Haut durch die erste Operation verloren gegangen ist, kann auch die sogenannte Expanderprothese verwendet werden: Hier wird ein aufdehnbares Kissen im ersten Schritt unter den Brustmuskel bzw. unter die Haut eingesetzt. Dieses verfügt über ein Ventil, wodurch das Kissen in kürzeren, etwa wöchentlichen Abständen mit Kochsalzlösung langsam weiter aufgefüllt wird, damit sich Muskel und Haut an die Vergrößerung gewöhnen und anpassen können. Ziel ist es, nach einiger Zeit die gewünschte Brustgröße zu erreichen, so dass in einer weiteren Operation nach etwa 6 Monaten dieser provisorische Expander durch ein dauerhaftes Implantat ersetzt werden kann.

YOUTUBE: „Wieder ich sein“ – Brustrekonstruktion nach Brustkrebs
(www.youtube.com/watch?v=TC8mZeC-Tfo)

Mit eigenem Gewebe zum neuen Busen: Brustwiederherstellung nach Brustkrebs

Wenn Silikonimplantate nicht zum Einsatz kommen können oder sollen, kann der Chirurg auch mit körpereigenem Material den neuen Busen modellieren. Naturgemäß sind diese unterschiedlichen Verfahren weitaus komplizierter und auch (zeit-)aufwendiger, die Ergebnisse jedoch individueller und genauer formbar.

Zum Einsatz kommen Haut-, Fett- und Muskelgewebe aus anderen Bereichen des Körpers, wie z.B. aus Bauch, Rücken oder Oberschenkel (siehe u.a. www.brca-netzwerk.de/155.html). Grundsätzlich gilt, dass Verfahren mit körpereigenem Gewebe insbesondere für Patientinnen mit guter körperlicher Verfassung infrage kommen und dabei auch in Kauf genommen werden muss, dass weitere (wenn auch oft sehr kleine) Narben entstehen und mehrere Operationen notwendig sind. Brustrekonstruktionen mit Eigengewebe sind dafür aber auch nach einer Strahlenbehandlung möglich.

Latissimus-dorsi-Lappen-Technik

Bei dieser Methode gestaltet der Chirurg die neue Brust aus eigenem Muskelgewebe. Die Ärzte nutzen dabei den großen Rückenmuskel, der mitsamt Fettgewebe und Haut durch die Achselhöhle hindurch verschoben wird und zur betroffenen Brust gelangt. Dadurch können kleinere und mittelgroße Busen nachgebildet werden. Bei Bedarf kann diese Methode später auch durch ein zusätzliches Implantat kombiniert werden.

Der betreffende Musculus latissimus dorsi verläuft von den Oberarmen hinunter zur unteren Lendenwirbelsäule und zum Becken. Dadurch dass nach dem Eingriff der Muskel an seiner ursprünglichen Position fehlt und eine große Narbe Folge der Operation ist, sind Bewegungseinschränkungen ebenso möglich wie langwierige Nachbehandlungen. Aus diesen Gründen wird diese Methode zunehmend seltener angewandt.

TRAM-Lappen-Methode

Diese Variante nutzt den geraden Bauchmuskel, der nach seiner Durchtrennung oberhalb des Schambeins gemeinsam mit Unterhautfettgewebe und Haut unter die Haut der aufzubauenden Brust verlagert wird. Bei Vorhandensein von ausreichend Bauchfett können mit der TRAM-Lappen-Technik selbst größere Brüste rekonstruiert werden. Vorteile dieser Methode liegen in dem oft sehr zufriedenstellenden Ergebnis und dem Nebeneffekt einer gleichzeitigen Bauchstraffung. Da jedoch ein höheres Risiko besteht, dass das verpflanzte Gewebe auf Dauer nicht hinreichend durchblutet wird und daher abstirbt, ist diese Methode nicht für alle Frauen geeignet: Für Diabetikerinnen, Raucherinnen und bereits am Bauch operierte Patientinnen kommt diese Technik somit nicht infrage.

Busenrekonstruktion nach Brustkrebs mit der DIEP-Lappen-Methode

Als relativ neue und äußerst erfolgversprechende Brustrekonstruktionsmethode steht auch die sogenannte DIEP-Lappen-Methode zur Auswahl. Bei dieser zeitaufwendigen Operationstechnik wird ein ellipsen-förmiger Teil des Fettgewebes (jedoch ohne Muskelgewebe) aus dem Unterbauch entnommen und in die Brust verlagert (vgl. u.a.: http://dr-günther-riedel.com/rekonstruktion-der-weiblichen-brust/brustrekonstruktion-mit-gewebe-vom-bauch/). Da hier die intramuskulären Gefäße isoliert und für das transplantierte Gewebe entsprechend präpariert werden, ist ein absolut professionelles und erfahrenes mikrochirurgisches Ärzteteam für diesen Eingriff notwendig. Mit der DIEP-Lappenplastik – der Eigengewebe-Standardmethode in der Brustrekonstruktion nach Brustkrebs heutzutage – lassen sich im Vergleich zu anderen Methoden mit die natürlichsten Ergebnisse erzielen, vorausgesetzt, es ist ausreichend Bauchgewebe vorhanden.

DIEP-Lappen-Technik zur Brustrekonstruktion: Bilder und Illustrationen > Screenshot der Google Bildersuche am 27.10.2014

DIEP-Lappen-Technik zur Brustrekonstruktion: Bilder und Illustrationen > Screenshot der Google Bildersuche am 27.10.2014

  • Im ersten Schritt wird Fettgewebe vom Bauch zusammen mit Haut und den versorgenden Blutgefäßen entnommen und zur Brust transferiert. Unter Zuhilfenahme eines Mikroskops werden die Blutgefäße anschließend mit passenden Blutgefäßen in der Brust verbunden.
  • Das Chirurgen-Team formt im nächsten Schritt aus dem transplantierten Eigengewebe eine möglichst schöne und natürliche neue Brust. Auch am Bauch wird auf einen ästhetischen Abschluss Wert gelegt, indem die Bauchdecke gestrafft wird und auch dort ein möglichst schönes und formendes Ergebnis im Rahmen dieses Eingriffes angestrebt wird.
  • Als letzter, später erfolgende Schritt wird die Brustwarze in einem eigenen Eingriff rekonstruiert; auch hier gibt es unterschiedliche Methoden, um diese aus körpereigenem Gewebe chirurgisch wiederherzustellen

Ein Vorteil der DIEP-Lappen-Methode liegt auch darin, dass der Bauchmuskel weitgehend unangetastet und damit die Bauchdecke an sich soweit intakt bleibt. Das Risiko für spätere Komplikationen und unschöne Wulst- und Narbenbildung ist dabei äußerst gering. Auch die Gefahr einer Bauchwandschwäche oder eines Bauchwandbruches ist sehr gering. Und da das Unterbauchfettgewebe dem der Brust sehr ähnlich ist, fühlt sich die rekonstruierte Brust ganz ähnlich einer natürlichen angenehm weich und formbar an. In manchen Fällen kehrt sogar nach einiger Zeit etwas Gefühlsempfinden zurück.

Auch bei dieser Brustaufbau-Methode, der DIEP-Lappenplastik, kann nicht in jedem Fall auf Anhieb ein hundertprozentig symmetrisches Ergebnis erzielt werden, so dass manchmal eine spätere und an die andere Brust angleichende Operation, z.B. in Form einer Straffung, aus ästhetischen Gesichtspunkten notwendig wird.

Aufgrund der Vorteile und sehr guten Ergebnissen ist das DIEP-Lappen-Verfahren heute der „Goldene Standard“, was Brustrekonstruktion nach Brustkrebs betrifft.



Damit das Ergebnis perfekt wird: die Rekonstruktion der Brustwarze

Meist als letzter Eingriff im Verlauf der Brustrekonstruktion stellen die Chirurgen die Brustwarze wieder her, vgl. u.a. www.meduniwien.ac.at/brustrekonstruktion/index.php?id=15&language=0. Dies kann mit einem Stück der anderen Brustwarze geschehen, oder die Rekonstruktion erfolgt durch die Nachbildung aus der eigenen Bauchhaut. Um das ästhetische Ergebnis möglichst perfekt zu machen, kann zusätzlich auch noch mittels Tätowierung ein symmetrisches und ansehnliches Bild erzielt werden.

Fazit

Das Ziel jeder Brustrekonstruktion nach Brustkrebs sollte sein, nicht nur die schonendste und individuell passende Technik zu wählen, um das optimale Ergebnis zu erzielen, sondern darüber hinaus den betroffenen Frauen ein großes Stück Lebensqualität und Selbstwert, Weiblichkeit und Zufriedenheit zurückzugeben. Insbesondere eine Wiederherstellung mit körpereigenem Gewebe stellt für die Frauen auch aus dem subjektiven Empfinden heraus einen erfolgreichen und guten Abschluss der ganzen Brustkrebsbehandlung dar. Wichtig ist, dass in enger Absprache mit dem Plastischen Chirurgen individuell das geeignete und möglichst risikoarme Verfahren gewählt wird, damit der Patientin durch ihre neue Brust ein annähernd normales und glückliches Lebensgefühl – auch nach der Krebserkrankung – ermöglicht wird.

Statistik: Erkrankungsrisiko und Sterberisiko bei Brustkrebs für Frauen (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Statistik: Erkrankungsrisiko und Sterberisiko bei Brustkrebs für Frauen (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Brustdrüsenkrebs: Erkrankungsrate bei Frauen nach Alter (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Brustdrüsenkrebs: Erkrankungsrate bei Frauen nach Alter (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Immer höhere Überlebensrate bei Brustkrebs: Verglichen mit den 1970er Jahren, als man bei Brustkrebs noch eine Überlebensrate von rund 65% hatte (auf einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren gesehen) ist die Überlebensrate zuletzt auf über 85% gestiegen. Auch hier zeigt sich der medizinische Fortschritt. (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Immer höhere Überlebensrate bei Brustkrebs: Verglichen mit den 1970er Jahren, als man bei Brustkrebs noch eine Überlebensrate von rund 65% hatte (auf einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren gesehen) ist die Überlebensrate zuletzt auf über 85% gestiegen. Auch hier zeigt sich der medizinische Fortschritt. (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Mehr im Web zum Thema:

Außerdem sehenswert:

YOUTUBE: Brustrekonstruktion mit körpereigenem Gewebe erklärt
(www.youtube.com/watch?v=H0rhKRD9cl8)

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Publiziert am: 27. Oktober 2014

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