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Laktoseintoleranz | Ursachen, Symptome, Ernährungsalternativen

Bei Laktose, auch bekannt unter dem Begriff Milchzucker, handelt es sich um eine Zuckerart, welche von Natur aus in der Milch von Säugetieren und in Milchprodukten enthalten ist. Auch in der Lebensmittelindustrie wird Laktose vielseitig eingesetzt, da dieser Stoff die Konsistenz von Fertigprodukten aller Art positiv verändert. Menschen mit Laktoseintoleranz können Laktose jedoch nicht oder nur unzureichend verdauen, da ihr Körper das dafür nötige Enzym Laktase entweder überhaupt nicht oder nur in zu geringer Menge produziert. Deshalb wird bei den Betroffenen Laktose nicht bereits im Dünndarm in die verwertbaren Zuckerstoffe Galaktose und Glukose gespalten, welche der Körper problemlos absorbieren kann. Stattdessen gelangt Laktose unverdaut bis in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien vergoren. Dies führt zur Entstehung von Milchsäure und Gasen, die wiederum eine Vielzahl an unangenehmen Symptomen hervorrufen. Bei Laktoseintoleranz handelt es sich folglich nicht um eine Allergie, bei der selbst kleinste Mengen des Allergens das Immunsystem des Patienten aus dem Gleichgewicht bringen, sondern um eine Unverträglichkeit aufgrund eines Enzymmangels, welcher unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann (vgl. den Beitrag im Juvalis-Blog).

Gesundheitliches Problem oder natürlicher Zustand?

Im Säuglingsalter vertragen fast alle Menschen Laktose, da sie auch einen der Hauptbestandteile der Muttermilch darstellt. Mit zunehmendem Alter schwindet jedoch bei der Mehrheit der Weltbevölkerung die Fähigkeit, das Enzym Laktase herzustellen und dadurch Milchprodukte zu verdauen. Besonders in Südostasien und Afrika südlich der Sahara käme aus diesem Grund kaum ein erwachsener Mensch auf die Idee, Milch oder Milchprodukte zu verzehren. Allem Anschein nach ist Milch also von Natur aus nicht für die Ernährung Erwachsener vorgesehen. Lediglich in Weltgegenden und -kulturen, in denen seit Jahrtausenden Milchwirtschaft betrieben wird, stellt Laktoseintoleranz nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung dar. Aus evolutionsbiologischer Sicht hat sich in diesen Fällen erst vor vergleichsweise kurzer Zeit eine Genmutation durchgesetzt, die die Verdauung von Laktose auch im Erwachsenenalter ermöglicht. Daher gilt Laktoseintoleranz auch nicht weltweit als eine Form der Nahrungsmittelunverträglichkeit, sondern vor allem in den westlichen Industrieländern, in denen Milch und Milchprodukte in großem Umfang konsumiert werden.

Mögliche Ursachen und Symptome für Laktoseintoleranz

Die meisten Menschen vertragen zumindest geringe Mengen von Milchzucker, da nur sehr wenige Betroffene aufgrund einer Erbkrankheit selbst im Säuglingsalter absolut keine Laktase produzieren können. In den meisten Fällen ist Laktoseintoleranz hierzulande auf die Tatsache zurückzuführen, dass der menschliche Körper mit zunehmendem Alter naturgemäß immer weniger Laktase produziert. Aber auch verschiedene Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie Nebenwirkungen von Medikamenten können die sogenannte sekundäre Laktoseintoleranz verursachen. Die Symptome dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit sind nicht bei jedem Betroffenen gleich stark ausgeprägt. Nach dem Konsum von laktosehaltiger Milch oder Milchprodukten äußert sich dieses Problem allerdings häufig durch Bauchschmerzen und Krämpfe sowie starke Blähungen und Durchfälle, die durch den Gärvorgang im Darm verursacht werden. Auch Übelkeit und Erbrechen stellen häufige Auswirkungen dar. Diese Symptome hängen direkt mit der Höhe der Dosis des aufgenommenen Milchzuckers zusammen und bessern sich erst wieder, wenn die gesamte Menge dieser Substanz im Darm zersetzt wurde. Neben diesen eindeutigen Symptomen können auch allgemeines Unwohlbefinden, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen oder Schwindelgefühle in vielen Fällen auf Laktoseintoleranz zurückgeführt werden. Wann und in welchem Umfang die Beschwerden auftauchen, hängt von der genetischen Veranlagung jedes Einzelnen ab.

Leide ich an Laktoseintoleranz?

Durch das zunehmende Angebot laktosefreier Produkte im Handel und in der Gastronomie (laktosefreie Milch, laktose-freier Käse) rückt dieses Gesundheitsproblem zunehmend in den Fokus der Allgemeinheit. Viele Menschen sind deshalb auf der Suche nach weiteren Informationen, um herauszufinden, ob beispielsweise ihre wiederkehrenden Verdauungsprobleme auf Laktoseintoleranz beruhen. Diese Frage kann durch einen Besuch beim Hausarzt für gewöhnlich schnell und eindeutig geklärt werden.

Auch ein Selbsttest ist möglich: Wenn sich Verdauungsprobleme bessern oder verschwinden, wenn für einige Tage konsequent auf den Konsum von Milchzucker verzichtet wird, besteht zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass eine Laktoseintoleranz vorliegt. Etwas radikaler ist der Selbstversuch, nach mehrtägigem Verzicht auf Milchprodukte eine größere Menge Laktose zu sich zu nehmen und abzuwarten, ob sich die typischen Symptome wie Blähungen oder Durchfall innerhalb weniger Stunden einstellen.

Laktose fördert bei Menschen ohne Unverträglichkeit die Verdauung und ist deshalb auch für einen Selbstversuch im Handel erhältlich. Wer sich jedoch weiterhin Sorgen um seine Gesundheit macht, profitiert wohl eher von einer offiziellen Diagnose durch einen Spezialisten, um Krankheiten auszuschließen, die über diese einfache Funktionsstörung des Verdauungsapparates hinausgehen.

Milch: Nicht für jeden ist ein kräftiger Schluck aus der Pulle bekömmlich - Laktoseintoleranz betrifft Hunderttausende Menschen in Europa (© Nick Freund, Fotolia))

Milch: Nicht für jeden ist ein kräftiger Schluck aus der Pulle bekömmlich – Laktoseintoleranz betrifft Hunderttausende Menschen in Europa (© Nick Freund, Fotolia))

Ernährungsumstellung und Alternativprodukte

Da Milchzuckerunverträglichkeit in den meisten Fällen genetische Ursachen hat, ist eine Heilung dieses Zustandes in der Regel nicht möglich. Dies bedeutet jedoch in den meisten Fällen keine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität, da wenige Anpassungen in der Ernährung genügen, um die lästigen Auswirkungen des Kuhmilch-Konsums zu vermeiden. Nur Menschen mit außergewöhnlich stark ausgeprägter Laktoseintoleranz müssen beispielsweise Fertigprodukte konsequent vermeiden. Ob Laktose zugesetzt ist, lässt sich aus der Zutatenliste entnehmen. Kleinere Mengen Laktose über den Tag verteilt sind zudem leichter verdaulich, da so nur ein geringer Anteil des Enzyms Laktase für die Spaltung des Milchzuckers aufgewendet werden muss.

Käseliebhaber können darüber hinaus auf lang gereifte Sorten wie Emmentaler zurückgreifen, da im Reifungsprozess bereits der Großteil des enthaltenen Milchzuckers zersetzt wird. Im Handel ist zudem mittlerweile eine breite Palette an laktosefreien Milchprodukten erhältlich, bei denen der Milchzucker im Voraus durch Zugabe von Laktase neutralisiert wurde. Der einzige Unterschied zu „normaler“ Milch, abgesehen von dem höheren Preis, besteht in dem etwas süßlicheren Geschmack des Alternativprodukts. Auch Sojaprodukte oder Reismilch kann anstelle von Milch verwendet werden. Diese unterscheidet sich aufgrund ihres pflanzlichen Ursprungs in Geschmack und Konsistenz jedoch merklich von ihrem tierischen Pendant und erfordert eine gewisse Gewöhnung auch beim Kochen und Backen.

Laktoseintoleranz im Alltag

Die einfachste Lösung zur Vermeidung von Milchzucker besteht somit darin, Lebensmittel möglichst selbst zuzubereiten und dabei auf Milchprodukte entweder ganz zu verzichten, oder laktosefreie Alternativen zu verwenden. Da auch in der seit langem etablierten veganen Ernährung keine Milch zum Einsatz kommt (siehe den Beitrag zu Veganismus), existieren bereits zahlreiche Rezepte, Tipps und Hinweise zum Thema Milchersatz. Restaurant- oder Kantinenbesuche gestalten sich für Menschen mit Laktoseintoleranz dagegen immer wieder schwierig, da meistens standardmäßig laktosehaltige Milchprodukte und auch Fertiggerichte angeboten werden. Auch in verschiedenen Urlaubsländern ist das Problembewusstsein für Laktoseintoleranz häufig noch nicht besonders verbreitet. Je nach Ausprägung der Unverträglichkeit können hier Laktasetabletten helfen, die dem Körper das fehlende Enzym zuführen und kurz vor der Mahlzeit eingenommen werden. Diese sind rezeptfrei in der Apotheke oder im Drogeriemarkt erhältlich und ermöglichen zumindest vorübergehend den Konsum „normaler“ Milchprodukte, etwa weil das Angebot an Alternativen zu wünschen übrig lässt.

Im Zweifelsfall hilft es, sich zum Beispiel im Restaurant oder Café nach laktosefreien Milchprodukten zu erkundigen, die immer mehr Verbreitung finden. Die Einschränkungen, mit denen Menschen mit Laktoseintoleranz leben müssen, sind also gelegentlich lästig, halten sich aber dennoch in überschaubaren Grenzen. Auch der häufig befürchtete Kalziummangel stellt bei ansonsten ausgewogener Ernährung und einem generell gesunden Lebenswandel kein Problem dar.

Publiziert am: 18. Oktober 2012

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