www.medizinius.de » Ernährung und Diät, Fitness, Sport, Training

L-Carnitin in Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel mit L-Carnitin als Hauptinhaltsstoff werden von den Anbietern vor allem als Schlankheitsmittel beziehungsweise als leistungssteigernder Stoff für Sportler beworben. Allerdings wird das vermeintliche Wundermittel, anders als etwa Anabolika, von dem menschlichen Organismus selbst produziert und wird zusätzlich über die Nahrung aufgenommen. Kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit L-Carnitin trotzdem sinnvoll sein oder ist es eine reine Geldverschwendung?

Chemische Strukturformel von Carnitin (© Zerbor - Fotolia.com)

Chemische Strukturformel von Carnitin (© Zerbor – Fotolia.com)

L-Carnitin als Vitamin-ähnlicher Stoff

L-Carnitin wird als ein vitaminähnlicher Wirkstoff bezeichnet. Neben der körpereigenen Produktion, welche bei einem gesunden Menschen durchschnittlich 16 mg pro Tag beträgt, werden ca. 30 mg des Nährstoffes jeden Tag über die Nahrung aufgenommen. L-Carnitin ist vor allem im Lamm-, Schweine- und Rindfleisch enthalten, aber auch in Obst, Gemüse und Fisch. Die Annahme, dass die im menschlichen Körper selbsthergestellte Menge an L-Carnitin nicht ausreichend ist und vor allem Vegetarier dies durch eine zusätzliche Einnahme des Wirkstoffes ausgleichen sollten, muss deshalb bezweifelt werden.

L-Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel, weswegen viele Anbieter ihre Präparate als Schlankheits-/Fettverbrennungsmittel für Abnehmwillige oder als Mittel zur Leistungssteigerung bei Sportlern anpreisen. Diese Wirkung bei einer zusätzlichen Einnahme von L-Carnitin konnte bislang jedoch nur im Laborversuch, nicht aber in Feldstudien mit Leistungssportlern nachgewiesen werden.

Gesichert wurde bisher nur die Erkenntnis, dass dieses sogenannte Pseudovitamin beim Fettstoffwechsel eine Transportfunktion übernimmt. Die Mitochondrien, die in den menschlichen Zellen die Rolle der Kernkraftwerke spielen, benötigen zur Energiegewinnung Fettsäuren. Allerdings sind diese innerhalb der selbigen nicht enthalten. Während kurze Fettsäuren sich ihren Weg in die „Kraftwerke“ selbständig bahnen, werden langkettige Fettsäuren mit Hilfe vom Nährstoff L-Carnitin hineingeschleust.

Daraus lässt sich folgern, dass die Gabe eines L-Carnitin-Präparates lediglich bei einem krankheitsbedingten Mangel an L-Carnitin sinnvoll ist, zum Beispiel für Dialysepatienten oder bei einer Stoffwechselstörung. Es macht aber eventuell auch bei Leistungssportlern und Schwangeren Sinn, L-Carnitin als Nahrungsergänzung einzunehmen, denn bei diesen Gruppen geht man von einem geringen L-Carnitin-Wert aus. Ein L-Carnitin-Mangel kann man zum Beispiel durch einen Bluttest feststellen. Außerdem verschreiben Ärzte L-Carnitin zur Verbesserung der Blutfettwerte.

Das Image von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem L-Carnitin als Fat-Burner und daher Wundermittel bei Diäten sowie als Mittel zur Leistungssteigerung bei Sportlern kann also bislang nur als schöner Mythos betrachtet werden. Eine Einnahme von L-Carnitin-Präparate zum Ziel der Gewichtsabnahme kann, wenn überhaupt, ausschließlich in Verbindung mit Sportaktivitäten Wirkung zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Publiziert am: 7. Juni 2010

Verschlagwortet mit: , ,