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Liquorpunktion: Indikation, Risiken, Schmerzen

Der Liquor (Liquor cerebrospinalis oder Hirnwasser) ist eine klare Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt und vor Gewalteinwirkungen von Außen schützt. Es wird in der neurologischen Diagnostik entnommen, um akute oder chronische Erkrankungen des Gehirns oder des Rückenmarks zu erkennen. Im Normalfall verhindert eine Blut-Liquorschranke genannte Barriere das Eintreten von Blut in das Hirnwasser. Ist diese Barriere aufgrund einer Erkrankung in ihrer Funktionalität gestört treten Blut- oder Eiweißkörperchen im Liquor auf.

Bei einer Liquoruntersuchung wird der Liquor daher auf weiße und rote Blutkörperchen sowie Eiweiße und Zuckergehalt getestet. Bei einigen Erkrankungen lassen sich sogar Bakterien oder Viren nachweisen. Für die Untersuchung der Zellen im Hirnwasser ist eine zusätzliche Blutentnahme notwendig, um das Verhältnis von Zellen im Blut zu denen im Liquor zu bestimmen.

Unser Gehirn (© Yakobchuk/Fotolia)

Unser Gehirn (© Yakobchuk/Fotolia)

Wie läuft eine Liquorpunktion ab?

Für die Liquorpunktion entnimmt der Arzt mittels einer Punktionsnadel Liquor aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Nadel wird hierbei in den Zwischenraum zweier Wirbel eingeführt. Der Patient verharrt dabei in liegender oder sitzender Position mit einem „Katzenbuckel“. Das durch den Wirbelkörperkanal verlaufende Rückenmark wird durch die Nadel nicht verletzt, da im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule kein Rückenmark verläuft.

Eine Liquorpunktion darf bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck (Schlaganfall) oder Entzündung im Punktionsbereich nicht durchgeführt werden. Auch eine Blutgerinnungsstörung ist ein Grund keine Punktion durchzuführen.

Schmerzen durch Nervenreizung

Während der Punktion kann es zu ausstrahlenden Schmerzen kommen, die durch die Reizung der Nervenwurzeln mit der Punktionsnadel bedingt ist. Nach der abgeschlossenen Untersuchung kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, in seltenen Fällen zu Kreislaufreaktionen kommen.

Bereits die Beschaffenheit des Liquors kann einen ersten Hinweis geben. Normal beschaffener Liquor ist klar, während leicht trübes Hirnwasser auf Leukozyten (weiße Blutkörperchen) deuten kann. Ist das Punktat blutig liegt möglicherweise eine Blutung vor.

Die Bestimmung der Zellzahlen des Liquors im Labor weist erste Tendenzen. Normalerweise ist die Zellzahl im Liquor sehr gering. Eine erhöhte Zellzahl deutet auf eine bakterielle oder virale Infektion. Befindet sich Eiweiß im Hirnwasser so kann dies auf eine Entzündung, eine Blutung durch Tumor oder Verletzung deuten.

Publiziert am: 9. September 2010

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