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Monovision Behandlung bei Alterssichtigkeit (Presbyopie / Altersweitsichtigkeit)

Unter Monovision-Behandlung versteht man eine Augenbehandlung, die zur Minderung von Alterssichtigkeit (Presbyopie) vorgenommen wird. Der Patient erhält dabei eine unterschiedliche Brechkraft-Korrektur für jedes Auge. Die Monovision zielt darauf ab, ein Auge für die Weitsichtigkeit (Hyperopie) und das andere für die Kurzsichtigkeit (Myopie) zu präparieren. Im Ergebnis stellt man damit eine Anisometropie (ein kurzsichtiges und ein weitsichtiges Auge) her.

Die Monovision kann man erreichen mithilfe von Kontaktlinsen, durch eine Augenlaserbehandlung oder durch die Implantation von Intraokularlinsen. Geeignet für die Monovision sind in der Regel Personen ab dem 45. bis zum 65. Lebensjahr. Im besten Fall lässt sich eine weitgehende Unabhängigkeit von Brille oder Lesebrille erzielen. Im Durchschnitt erhält man eine Minderung der Sehschwächen, die mit einer Verminderung der Dioptrien-Werte (Messwerte für Kurz- oder Weitsichtigkeit) für Lesehilfen einhergehen kann.

Monovision – Korrektur von Presbyopie

Fehlsichtigkeiten, wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), die mit Sehhilfen korrigiert werden müssen, treten bei vielen Menschen auf. Sie können von Geburt an vorhanden sein oder sich im Laufe des Lebens einstellen. In den letzten 20 Jahren konnte im Rahmen der refraktiven Chirurgie, insbesondere durch Augenlaserbehandlungen, bei zahlreichen Menschen eine Verringerung der Fehlsichtigkeit erzielt werden (vgl: So einfach und schnell ist die Augenlaserbehandlung). Einige Patienten können zeitweise sogar ganz auf Sehhilfen verzichten.

Monovision-Behandlung: Scharf sehen nah und fern ohne Brille(n)? (© Natalia Danecker, Fotolia)

Monovision-Behandlung: Scharf sehen nah und fern ohne Brille(n)? (© Natalia Danecker, Fotolia)

Die zirka ab dem 45. Lebensjahr auftretende Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) lässt sich mit einer Laserkorrektur jedoch nur bedingt behandeln. Kleine Druckbuchstaben, das Handy-Display oder die Speisekarte im Restaurant können bei Presbyopie plötzlich nicht mehr erkannt werden. Die Altersfehlsichtigkeit tritt unabhängig von den übrigen Fehlsichtigkeiten altersbedingt auf und wird in der Regel mit einer Gleitsicht- oder Lesebrille korrigiert. Presbyopie gehört zum Alterungsprozess und ist insofern keine Erkrankung. Die Augenlinse verliert mit der Alterung ihre Fähigkeit zur Akkommodation. Das heißt, sie kann nicht mehr stufenlos zwischen Nah- und Fernsicht wechseln. Bedingt durch Ablagerungen aus dem Stoffwechsel kommt es zur Verhärtung der Augenlinse mit Verlust der Flexibilität. Auch die altersbedingte Erschlaffung des Ziliarmuskels verringert die Akkommodationsfähigkeit des Auges.

Anisometropie – Balance durch Kurz- und Weitsichtigkeit

Viele Menschen fühlen sich durch die Lese- oder Gleitsichtbrille gestört: es ist umständlich und lästig, ständig mit verschiedenen Brillen umzugehen. Zudem sind die Kosten für hochwertige Brillen, insbesondere für Gleitsichtbrillen, oft nicht gerade niedrig. Die Monovision zielt darauf ab, eine optimierte Sehleistung aus dem vorhandenen Potential der Augen herzustellen.

Bei der Monovision handelt sich im Prinzip um eine psychophysikalische Therapie, die auf der Eigenleistung des Gehirns aufbaut. Man stellt dabei ein Auge für die Fernsicht und das andere für die Nahsicht ein. Nach einer gewissen Anpassungsdauer ist das Gehirn bei den meisten Menschen in der Lage, aus den beiden unterschiedlichen Bildern ein Gesamtbild herzustellen. Dabei bemerkt der Patient selbst keine veränderte Sicht, unabhängig davon ob er kurz oder weit sieht.


Zu der entsprechenden Präparation von Kurz- und Weitsichtigkeit gibt es verschiedene Verfahren.

Monovision durch Kontaktlinsen

Die einfachste Form der Monovision wird mit Kontaktlinsen vorgenommen. Die Kontaktlinsen werden dann jeweils für Nah- und Fernsicht angepasst. Der Patient befindet sich zunächst in einer Orientierungsphase, um zu prüfen, ob die Augen mit dieser Sicht zurechtkommen. Vor jeder dauerhaften Behandlung der Monovision simuliert man zunächst die Situation durch Kontaktlinsen. Meist werden die Kontaktlinsen nur für die Übergangszeit eingesetzt, da viele Menschen ab dem 45. Lebensjahr keine Kontaktlinsen mehr vertragen. Stellt man bei der Simulation fest, dass der Patient mit der Monovision gut zurechtkommt, kann anschließend eine dauerhafte Therapie gewählt werden. Die Monovision wird grundsätzlich erst zur Therapie von Personen, die das 45. Lebensjahr bereits vollendet haben, empfohlen.

Linsenimplantation für die Monovision

Eine Linsenimplantation kann als Linsentausch oder durch den Einsatz einer zusätzlichen Linse vorgenommen werden. Das Verfahren des Linsentausches wird durch die Behandlung des Grauen Stars (Katarakt) seit vielen Jahren perfektioniert und gehört zu den Eingriffen mit geringem Risiko. Bei der derzeit geläufigen Phakoemulsifikation entfernt man durch einen winzigen Schnitt in den Linsenkapselsack die körpereigene Augenlinse. Zunächst wird der harte Linsenkern mittels Ultraschall verflüssigt und dann zusammen mit der weicheren Linsenrinde abgesaugt. Anschließend setzt man eine gefaltete, weiche Kunstlinse oder auch eine harte Linse aus Plexiglas in den Linsenkapselsack ein, die sich durch ihre hakenartigen Fortsätze selbst im Gewebe verankert. Für die Monovision setzt man in das ‚Führungsauge‚, das Auge das mehr Aktivität zeigt, eine Linse für die Fernsicht ein. Das weniger aktive Auge erhält die Linse für die Nahsicht.

Bei der Behandlung des Grauen Stares (Katarakt-Operation) erfolgt der Linsentausch, weil die körpereigene Linse trübe geworden ist und keine scharfe Sicht mehr herstellen kann. Im einfachsten Fall setzt man stattdessen eine klare Kunstlinse ein. Bei Fehlsichtigkeit können aber durchaus auch optische Linsen zur Korrektur der Fehlsichtigkeit eingesetzt werden. Für die Monovision bei Presbyopie erhält jedes Auge seine spezielle Kunstlinse, um Nah- und Fernsicht zu koordinieren. Sollte in den nächsten Jahren sowieso eine Katarakt-Operation anstehen, kann man diese mit der Monovision verbinden. Ist bereits ein Linsentausch erfolgt, ist keine Katarakt-Operation mehr erforderlich, da die Kunstlinsen nicht eintrüben.

Der Einsatz von Multifokallinsen kann ebenfalls in Betracht gezogen werden. Diese Linsenimplantate verfügen über einen Fokus zur Nahsicht und einen Fokus für die Fernsicht, ähnlich einer Gleitsichtbrille. Sie werden ebenfalls nicht von allen Menschen vertragen, sodass auch hier eine Kontaktlinsen-Simulation vorhergehen muss. Sogenannte phake Intraokularlinsen werden zusätzlich zur körpereigenen Linse implantiert.


Video: Interview-Fragen an EuroEyes-Klinikgründer Dr. Jørn Jørgensen zum Thema Alters(weit)sichtigkeit (http://www.youtube.com/watch?v=oRom7upMCj8)

Monovisions-LASIK zur Behandlung von Presbyopie

Im Jahr 2007 wurde von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA erstmals ein LASIK-Verfahren für die Monovisions-Behandlung anerkannt. Die Monovisions-LASIK wird durchgeführt wie eine reguläre Femto-LASIK-Operation, jedoch präpariert man ein Auge für die Nahsicht und eines für die Fernsicht.

Bei der LASIK handelt es sich um eine lasergestützte Korrektur in der Augenhornhaut, bei welcher zunächst ein seitlicher Einschnitt in die Hornhaut erfolgt, den man als Flap bezeichnet. Bei der Femto-LASIK erfolgt der Schnitt durch einen Femtosekunden-Laser, diese schonendere LASIK-Methode wird bei der Monovision meist verwendet. Den abgelösten Teil der Hornhaut klappt man zur Seite und nimmt dann mittels eines Excimerlasers den benötigten Hornhautabtrag vor.

Anschließend klappt man die Hornhaut wieder zurück, der Schnitt wächst in der Regel in einigen Monaten wieder zusammen. Vorteile der Monovisions-LASIK sind die Verminderung der Alterssichtigkeit und die zeitweise Unabhängigkeit von Lesehilfen. Nachteilig ist die geringfügige Verschlechterung der Fernsicht. Bei sehr kleiner Schrift muss auch noch eine Lesebrille benutzt werden. Es kommt unter Umständen zu einer Einschränkung der Dämmerungs- und Nachtsicht, die das nächtliche Autofahren behindert. Im Einzelfall müssen Arzt und Patient das Für und Wider der verschiedenen Möglichkeiten einer Monovision abwägen.

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Publiziert am: 29. Oktober 2012

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