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Bandscheibenvorfälle: Behandlung der Bandscheibe und minimal-invasive Operationsmöglichkeiten

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Thema Bandscheibenvorfälle und den OP-Möglichkeiten: offene Bandscheibenoperation, endoskopische Behandlung (minimal-invasiv) und das neuartige Tessys-System.

Rückenschmerzen treffen 80 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben. Meistens sind diese jedoch harmlos und haben keinen ernsthaften Hintergrund. Nur in sehr wenigen Fällen sind die Nerven betroffen oder ein Bandscheibenvorfall verursacht die zum Teil heftigen Rückenschmerzen. Welche Möglichkeiten der Behandlung der Patient hat, wenn die Diagnose Bandscheibenvorfall lautet, soll im Folgenden beschrieben werden.

Bandscheibenvorfall / Bandscheibenvorfälle - Wirbelsäule (© bilderzwerg / Fotolia)

Bandscheibenvorfall – Wirbelsäule (© bilderzwerg / Fotolia)

Was ist ein Bandscheibenvorfall überhaupt?

Die Bandscheiben sind Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Wirbelsäule, die der Stoßdämpfung dienen. Jeder Mensch hat insgesamt 23 Bandscheiben; jede davon wird von einem Faserring umschlossen. Dieser Ring kann brüchig werden und reißen, so dass sein Gewebe austritt und unter Umständen auf umliegende Nerven drückt. In diesem Fall verursacht der Bandscheibenvorfall so heftige Schmerzen, dass sich die Patienten häufig gar nicht bewegen können.

Bei wieder anderen Patienten verursacht der Bandscheibenvorfall gar keine Beschwerden. Zunächst plagen den Patienten reine Rückenschmerzen, die später auch in die Beine oder Arme ausstrahlen können. Die akute Phase der Schmerzen dauert etwa vier bis acht Wochen. Mit Hilfe von entzündungshemmenden Medikamenten können diese jedoch meist recht gut gelindert werden. Halten die Schmerzen jedoch über einen längeren Zeitraum an, sollte man so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.

Grundsätzlich sind Bandscheibenvorfälle eine ganz natürliche Verschleißerscheinung der Wirbelsäule, die bereits ab dem 30. Lebensjahr einsetzt. Dieser kann übrigens sowohl die Hals- als auch die Lendenwirbelsäule betreffen, wobei letztgenannte mit etwa 90 Prozent sehr viel häufiger auftreten. Auch der Ischiasschmerz, der bis in die Beine ausstrahlt, ist eine Form des Bandscheibenvorfalls. Ist die Halswirbelsäule betroffen, kommt es zu Nackenschmerzen und ausstrahlenden Schmerzen in die Arme. Charakteristisch für einen Bandscheibenvorfall sind zudem Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Fingern.
Eindeutig diagnostizieren kann der Arzt den Bandscheibenvorfall mittels Computertomografie oder Magnet-Resonanz-Tomografie, bei welchen dieser bildlich dargestellt werden kann.

Bandscheibenvorfälle: Vorbeugung

Einem Bandscheibenvorfall kann man nur bedingt vorbeugen. Grundsätzlich ist ein gesunder und starker Rücken wichtig, um Schmerzen aller Art in diesem Bereich vorzubeugen. Wer bereits Probleme in diesem Bereich hat, sollte seine Rückenmuskulatur gezielt an Geräten kräftigen; auch die Rückenschule hilft hier sehr gut.

Regelmäßige Bewegung, etwa viele Spaziergänge an der frischen Luft oder auch Schwimmen, ist grundsätzlich zu empfehlen und kann auch von älteren Menschen problemlos durchgeführt werden. Weiterhin kann Übergewicht die Bandscheiben belasten – um diesem vorzubeugen, sollte man also auf seine Figur achten.

Menschen, die ihren Beruf in überwiegend sitzender Tätigkeit ausüben, sind deutlich häufiger von einem Bandscheibenvorfall betroffen. Diesen Personen ist es anzuraten, häufiger die Sitzposition zu wechseln oder aufzustehen beziehungsweise nach Feierabend für sportlichen Ausgleich zu sorgen.

Eingriffe an der Wirbelsäule in deutschen Krankenhäusern > Die Statistik zeigt die Anzahl der Eingriffe an der Wirbelsäule in deutschen Krankenhäusern in den Jahren 2004 und 2009. Im Jahr 2004 wurden 112.317 Bandscheibenoperationen in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. (Quelle: STATISTA, Der Spiegel 40/2011, 04. Oktober 2011, Seite 135)

Eingriffe an der Wirbelsäule in deutschen Krankenhäusern > Die Statistik zeigt die Anzahl der Eingriffe an der Wirbelsäule in deutschen Krankenhäusern in den Jahren 2004 und 2009. Im Jahr 2004 wurden 112.317 Bandscheibenoperationen in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. (Quelle: STATISTA, Der Spiegel 40/2011, 04. Oktober 2011, Seite 135)

Behandlungsmöglichkeiten / Bandscheibenoperationen

Viele Rückenschmerzen lassen sich mit konservativen Methoden gut behandeln. Krankengymnastik, Rückenschule und physiotherapeutische Maßnahmen sind hier die bekanntesten konservativen Maßnahmen. Auch Wärme oder eine spezielle Stufenlagerung hilft vielen Patienten sehr gut. Da nur in etwa zehn Prozent der Fälle von Rückenbeschwerden ein Bandscheibenvorfall die Ursache ist, helfen diese konservativen Maßnahmen meist recht gut. Erst wenn neurologische Ausfälle oder gar Lähmungserscheinungen hinzukommen, wird eine Operation häufig unumgänglich. In dieser wird das hervortretende Bandscheibengewebe entfernt, welches auf die Nerven drückt und so die Schmerzen verursacht.

Mikrochirurgie bei Bandscheibenvorfällen

Als Standard-Operationsmethode kommt bei einem Bandscheibenvorfall die sogenannte Mikrodiskektomie zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine offene Operation, bei welcher ein etwa drei bis fünf Zentimeter langer Hautschnitt über der Wirbelsäule erfolgt. Mit Hilfe von sehr feinen Spezialinstrumenten wird dann das herausgerutschte Bandscheibenmaterial entfernt. Die meisten Patienten sind unmittelbar nach der Operation, welche unter Vollnarkose und in Bauchlage durchgeführt wird, wieder völlig beschwerdefrei. Nach wie vor ist die offene Art der Operation weit verbreitet und wird sich wohl auch nie ganz verdrängen lassen. Immerhin hat der Operateur hier den besten Überblick über die zu operierende Körperstelle. Allerdings birgt die offene Operation auch gewisse Risiken: Die Gefahr von unstillbaren Blutungen ist sehr hoch; auch die Narbenbildung sowie die Wundschmerzen nach der Operation sind nicht zu unterschätzen. Dementsprechend lange dauert es dann auch, bis der Patient wieder in seinem Beruf arbeiten kann. Der kosmetische Aspekt ist ebenso nicht zu unterschätzen – die offene Operation verursacht in jedem Fall Narben.

minimal-invasive Chirurgie

Die sogenannte minimal-invasive Chirurgie löst die offenen Operationsarten mehr und mehr ab. In diesem Fall spricht man auch von der „Schlüssellochtechnik„; ein Skalpell wird bei dieser Operation nicht mehr benötigt. Auch der zwei bis drei Zentimeter lange Schnitt am Rücken entfällt; vielmehr erfolgt der Einstich mit einer Hohlnadel.

Vorteil dieser Operationsmethode ist, dass diese als besonders schonend für die Bandscheiben gilt. Alle Bänder, Muskeln und Knochen werden mit dieser „unblutigen“ Operation weitestgehend erhalten. Das Gewebe, welches die Wirbelsäule umgibt, wird kaum mehr verletzt – dadurch sinkt auch die Gefahr von Wund- und Muskelschmerzen nach der Operation. Bereits einige Stunden nach der OP kann der Patient wieder aufstehen und auch schneller das Krankenhaus wieder verlassen (das freut dann auch die Krankenhauszusatzversicherung…). Bei diesem auch als Endoskopie bekannten Verfahren (siehe endoskopisch) fällt die Anzahl der Krankentage deutlich geringer aus; die meisten Patienten kehren bereits 20 Tage nach der Operation an ihre Arbeitsstelle zurück. Diese Art der Operation dauert nur 45 Minuten und wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Dies ist für den Patienten weniger risikoreich; er ist während der ganzen Operation ansprechbar.

Tessys System – die besondere Art der Schlüssellochchirurgie

Eine der neuesten Operationsmethoden ist das sogenannte Tessys System. Nicht umsonst wird diese Methode auch als „Meilenstein in der Bandscheibenchirurgie“ bezeichnet. Während bei den klassischen Operationsmethoden sehr viel Fingerspitzengefühl des Operateurs gefragt ist, nutzt diese Methode das sogenannte Zwischenwirbelloch als seitlichen endoskopischen Zugangsweg. Selbst schwierigste Fälle eines Bandscheibenvorfalls können mit dieser Operationsmethode erfolgreich behandelt werden. Bei dieser Operation befindet sich der Patient in stabiler Seiten- oder Bauchlage und ist ständig ansprechbar.

Folgende Videos zeigen verschiedene Arten der Operationen im Detail:

YOUTUBE: Bandscheiben-OP mit TESSYS-Methode
(www.youtube.com/watch?v=QDNtY3bQ0MQ)

YOUTUBE: Bandscheibenvorfall – MediClin Krankenhaus Plau am See zeigt neue OP-Technik
(www.youtube.com/watch?v=3qeARJBSX4g)

Publiziert am: 13. Februar 2014

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