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Homöopathische Arzneimittel: Jein?!

Homöopathische Arzneimittel sind starke Verdünnungen natürlicher Substanzen, die die körpereigenen Heilkräfte anregen sollen. Bei einem gesunden Menschen würden sie unverdünnt Symptome einer Krankheit hervorrufen, gegen die sie wirken sollen. Diese Symptome sind jedoch nach Ansicht der Homöopathen eine Abwehrreaktion des Körpers. Aus homöopathischer Sicht werden Heilvorgänge um so mehr unterstützt, je ähnlicher die Reaktion auf ein Mittel den jeweiligen Symptomen einer Krankheit sind.

Alle homöopathischen Arzneimittel werden nach einem ganz bestimmten Verfahren zubereitet. Für diese Arzneien benötigt man pflanzliche, mineralische sowie tierische Substanzen. Der Ausgangsstoff wird zuerst mit Alkohol angereichert, um die aktiven Bestandteile zu gewinnen. Diese entstandene sogenannte „Urtinktur“ wird dann stufenweise in Zehner- und Hunderterschritten verdünnt und jeweils kräftig geschüttelt.

Mit jeder Verdünnung verspricht man sich den Gewinn an Wirkungskraft. Dazu wird auch jedes Medikament von Testpersonen überprüft. Hierfür nehmen die Probanden gering potenzierte Substanzen zu sich und notieren die auftretenden Symptome sehr detailliert. In die Beobachtungen werden auch Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, Stimmungen sowie zwischenmenschliche Beziehungen einbezogen. Durch diese Prüfungen ergibt sich ein sogenanntes Arzneimittelbild, nach dem die homöopathischen Arzneimittel verordnet werden.

Bereits aufgetretene Symptome können sich nach Einnahme der homöopathischen Arzneimittel vorerst verstärken. Diesen Zustand bezeichnet man als Erstverschlimmerung. Normalerweise geht diese Phase bald vorüber, eine Besserung des Zustands leitet sich dann zumeist ein, wobei man davon ausgeht, dass Homöopathika selten andere Symptome als die bereits bestehenden auslösen.

Die Homöopathie betont die Einzigartigkeit jedes Individuums. Deshalb zielt sie darauf ab, die Wahl des jeweiligen Arzneimittels auf die Persönlichkeit des Patienten mit individuellen Eigenschaften einerseits und die Symptome andererseits aufeinander abzustimmen. Daher wird beispielsweise eine Erkältung bei einem übergewichtigen, phlegmatischen Menschen anders behandelt, als bei einem dünnen, nervösen Patienten.
Andererseits kann das gleiche Arzneimittel gegen unterschiedliche Symptome bei verschiedenen Patienten verschrieben werden.

Homöopathische Arzneimittel © flashpics - Fotolia.com

Homöopathische Arzneimittel © flashpics – Fotolia.com

Homöopatische Arzneimittel – Wunder oder Placebo?

Viele Ärzte schreiben die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel dem sogenannten Placeboeffekt zu. Sie meinen, diese wirken nicht aufgrund ihrer Inhaltsstoffe, sondern deshalb, weil der Patient daran glaubt. Allerdings spricht dagegen, dass insbesondere bei Kindern und Tieren homöopathische Arzneien oftmals sehr wirksam sind. Es gibt wissenschaftliche Versuche, die jenseits des Placeboeffekts eine Wirksamkeit der homöopathischen Arzneimittel nachweisen. Jedoch gehen auch hier die Meinungen über die Aussagekraft dieser Versuche recht weit auseinander.

Vorrangig werden homöopathische Arzneimittel bei akuten Erkrankungen eingesetzt. Dazu zählen Hautausschläge, Infekte, innere Erkrankungen, aber auch Funktionsstörungen innerer Organe sowie chronische Erkrankungen, wie beispielsweise Rheuma.

Als typische homöopathische Heilmittel gelten das Johanniskraut (Hypericum perforatum) gegen funktionelle Depressionen, die Tollkirsche (Belladonna) gegen Kopfschmerzen bei Erwachsenen sowie bei Fieber von Babys während des Zahnens, der Augentrost (Euphrasia officinalis) bei Katarrh der oberen Luftwege und Augenentzündungen, die Brechnuss (Nux vomica) bei Verdauungsstörungen, Grippe und Erkältungen mit Halsschmerzen sowie bei Migräne.

Publiziert am: 10. Juni 2011

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