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Statistiken über Altenpflege in Deutschland: Pflegebedürftige in Zahlen, Pflegekräfte zu ihrer Arbeit und die größten Pflegeheim-Betreiber

Dass wir immer älter werden, weiß jeder. Und dass wir einen Pflegenotstand haben, können wir auch oft genug nachlesen. Politiker wie Lobbyisten weisen ja oft genug darauf hin. Was meistens etwas kurz kommt, ist die Spezifizierung der Lage in konkreten Zahlen. Sind die Aussagen jeweils politisch motiviert und dem einen oder anderen Wahlkampf geschuldet? Oder ist die Lage wirklich so schlimm und schlecht, wie wir zumindest nach manchen TV-Beitrag, Radiobericht oder Zeitungsartikel glauben müssen?

Die Aussage, wir hätten zu wenig Pflegekräfte ist schneller in den Raum gestellt, als mit Zahlen untermauert. Und die Arbeitsbedingungen und Stimmungen der Pflegekräfte in quantitativen Kennzahlen messbar und vergleichbar und belastbar zu machen, wird umso schwieriger.

Wir haben uns in unserem heutigen Artikel vorgenommen, das Thema einmal in Zahlen aufzuarbeiten.

Pflegefall: Die sogenannte Pflegestufe entscheidet darüber, welche Leistungen man in Anspruch nehmen darf bzw. bezahlt bekommt (© photocrew - Fotolia.com)

Pflegefall: Die sogenannte Pflegestufe entscheidet darüber, welche Leistungen man in Anspruch nehmen darf bzw. bezahlt bekommt (© photocrew – Fotolia.com)

Vielfalt von Pflegeangeboten, Pflege-Dienstleistern – hin zu einer großen Industrie?

Fakt ist: der Pflegemarkt ist sehr vielfältig und zergliedert, und – das liegt in der Natur der Sache – oft auch sehr regional fokussiert. Einige bekannte „Marken“ wie die Caritas – wenn man es es denn überhaupt „Marke“ nennen darf – bieten über die Caritas Sozialstationen z.B. in Berlin, Brandenburg und Vorpommern verschiedene Hilfen rund um die Pflege von Angehörigen. In Baden-Württemberg bieten z.B. Anbieter wie PGS lokal professionelle Hilfe im Alter oder bei Behinderung. In Thüringen findet man z.B. auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO Landesverband Thüringen) Unterstützung im Kontext häuslicher Pflege.

Überhaupt gilt, wie man später auch in den Statistiken weiter unten sehen wird: Viel Pflege wird heute auch noch – zum Glück – von weniger profitorientierten Organisationen geleistet, wie z.B. eben durch die Johanniter, die verschiedenen Arbeiterwohlfahrten oder die Evangelische Heimstiftung.

Wie schätzen Altenpfleger ihre Arbeit bzw. die Gestaltung ihrer Arbeit ein?

Gestaltung der Arbeit in der Altenpflege (Quelle: Statista / Institut für Gesundheits- und Sozialforschung)

Gestaltung der Arbeit in der Altenpflege (Quelle: Statista / Institut für Gesundheits- und Sozialforschung)

Die größere Mehrheit der Beschäftigten in der Altenpflege äußerte in einer Befragung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung positiv, man könne seine Kenntnisse und Fertigkeiten (gut) im Beruf anwenden. Mehr als 70% der Befragten über 50 Jahren sahen dies so, bei den unter 50-jährigen Altenpflegen immerhin auch knapp 66%.

Jeweils rund 62% der Befragten stimmten der Aussage zu „Habe abwechslungsreiche Tätigkeit“ und „Kann Art und Weise der Arbeit mitbestimmen“. Auch auch noch mehr als die Hälfte der 603 Befragten befand, sie könne im Job „Neues lernen“.

Kritisch gesehen wird der Punkt „Habe ausreichend Zeit für psychische Betreuung“ – diesem Befragungspunkt stimmten nur 10,8% der Pfleger im Alter von 50 Jahren und mehr, und auch nur 12,2% der jüngeren Pflegekräfte. Hier zeigt sich deutlich, dass die Pflege das Gefühl haben, nicht ausreichend Zeit zu haben bzw. zu bekommen für eine gute, einfühlsame Pflege.

Zufriedenheit der Beschäftigten in der Altenpflege mit ihrem Job

Arbeitszufriedenheit bei Beschäftigten in der Altenpflege (Quelle: Statista / Institut für Gesundheits- und Sozialforschung)

Arbeitszufriedenheit bei Beschäftigten in der Altenpflege (Quelle: Statista / Institut für Gesundheits- und Sozialforschung)

Schaut man und hört man sich die Berichte über die Pflege-Situation in Deutschland an, wird einem schnell klar (oder „bekommt man den Eindruck“), dass die Pfleger unter hoher Belastung stehen. Die Taktung scheint derart gestaltet, dass nur wenig Zeit pro Pflegepatient bleibt. Dies ist dem Kostendruck und den Bemühungen um Effizienz sicher mitgeschuldet – und zeigt sich ja auch in o.g. Problempunkt, dass man gefühlt zu wenig Zeit für eine ordentliche psychische Betreuung der Patienten / Kunden habe. Auf der anderen Seite beruhigt die obige Statistik zur allgemeinen Zufriedenheit der Pfleger mit ihrer Arbeit schon: Durchschnittlich 75%-80% der Befragten äußern sich tendenziell positiv über ihren Job und die Zufriedenheit mit ihrem Job, im Detail jeweils zu den Aussagen „Alles in allem zufrieden“, „Befriedigung trotz Belastung“ und „Gefühl, Sinnvolles zu tun“.

Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland

Pflegebedürftige in Deutschland bis 2011 (Quelle: Statista / Statistisches Bundesamt)

Pflegebedürftige in Deutschland bis 2011 (Quelle: Statista / Statistisches Bundesamt)

Wie viele Pflegebedürftige gibt es eigentlich in Deutschland? – Ziemlich viele. Und tatsächlich: Zahl stark wachsend. Die obigen Zahlen vom Statistischen Bundesamt zeigen, dass die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland von 1999 zu 2011 immerhin um 25% gestiegen ist von rund 2 Mio auf 2,5 Mio Menschen. Das ist schon ein beträchtlicher Zuwachs und ein eindeutiges Signal im Kontext der Überalterung unserer Bevölkerung – denn die Einwohnerzahl Deutschlands ist in dieser Zeit ganz sicher nicht um 25% gestiegen…

Zahl der AltenpflegerInnen / Beschäftigte in der Altenpflege

Arbeitnehmer in der Altenpflege in Deutschland (Quelle: Statista / BGW)

Arbeitnehmer in der Altenpflege in Deutschland (Quelle: Statista / BGW)

Immerhin: Die Anzahl der beschäftigten Arbeitnehmer in der Altenpflege ist in Deutschland von 1995 zu 2004 von rund 445.000 Beschäftigten auf über 860.000 Arbeitnehmer gestiegen. Das ist fast eine Verdopplung, wobei eine direkte Vergleichbarkeit zu der Zahl der Pflegebedürftigkeit hier nicht machbar ist, da sich die Betrachtungszeiträume überschneiden bzw. nicht identisch sind. Fakt ist jedoch auf Basis dieser Statistik: Es gibt und gab einen dramatischen Anstieg der Zahl an Pflegekräften.

Wer sind die größten Pflegeheim-Betreiber?

Große private Pflegeheimbetreiber in Deutschland nach Anzahl der Plätze und Appartements im Jahr 2011 (Quelle: Statista / BMG; GKV-Spitzenverband; Statistisches Bundesamt)

Große private Pflegeheimbetreiber in Deutschland nach Anzahl der Plätze und Appartements im Jahr 2011 (Quelle: Statista / BMG; GKV-Spitzenverband; Statistisches Bundesamt)

Wo arbeiten eigentlich alle diese Pflegekräfte? Sicherlich in der Masse verteilt über unzählige kleine, private Pflegedienste und Minifirmen rund um die häusliche Pflege. Schaut man sich aber die Menge der Betten der größten privaten Pflegeheimbetreiber an, dann sieht man, dass auch diese inzwischen zu Ernst zu nehmenden Arbeitsplatz-Gebern geworden sind. Laut der obigen Statistik sind die größten Pflegefirmen bzw. Pflegeheim-Betreiber: Pro Seniore, Kursana, BRK Sozialservice, Johanniter Seniorenheime, Curanum, Mairseille-Kliniken, Casa Reha, AWO Westliches Westfalen, Vitanas sowie die Evangelische Heimstiftung.

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Publiziert am: 16. September 2013

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