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Schlaganfall: Symptome, Ursachen, Folgen und die Zeit danach

Ein Schlaganfall (auch zerebraler Insult oder Gehirnschlag) ist eine plötzliche Erkrankung des Gehirns, die oft zu einem langfristigen Ausfall verschiedener Funktionen des zentralen Nervensystems führt. Ursache eines Schlaganfalls ist eine Störung der Blutversorgung des Gehirns. Dadurch erhalten die Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und sterben ab.

Schlaganfall ist dritthäufigste Todesursache in Deutschland

Der Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und ist die dritthäufigste Todesursache. Zudem ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für mittlere und schwere körperliche wie geistige Behinderung. Mit zunehmenden Lebensalter erhöht sich die Gefahr eines Schlaganfalls: Über die Hälfte aller Gehirnschläge ereignen sich in der Gruppe der über 75-Jährigen. Circa fünf Prozent der Patienten sind unter 40 Jahre alt.

Formen von Schlaganfällen

Es gibt unterschiedliche Schlaganfallformen: Hierbei lassen sich eine plötzlich auftretende Minderdurchblutung (ein sogenannter Hirninfarkt oder ischämischer Schlaganfall) und eine akute Hirnblutung (Insult) voneinander unterscheiden. Jedoch kann die eine Form als Folge der anderen auftreten. Die Unterscheidung zwischen den beiden Schlaganfallformen kann erst auf Basis von bildgebenden Verfahren wie einer Computertomographie (CT) erfolgen. Der ischämische Schlaganfall ist die häufigste Form eines Schlaganfalls.


Der Schlaganfall: Dr. Sven Hauck, Kardiologe aus Nürnberg, erläutert in einem ziemlich guten Video wichtiges Grundwissen zum Thema Schlaganfall (http://www.youtube.com/watch?v=6IVvFcLmoAw)

Schlaganfall-Ursachen

Die Ursachen für eine Hirnblutung sind vielfältig: Ein Trauma, ausgelöst beispielsweise durch einen Sturz, oder eine Hypertonie (erhöhter Gehirndruck) können genauso die Ursache sein wie Tumore im Gehirn und in den Gefäßen. Ein Hirnaneurysma (Arterienerweiterung), Gerinnerungsstörungen oder Gefäßmalformationen sind weitere mögliche Ursachen. Ist keine Ursache nachweisbar, spricht man von spontanen Hirnblutungen.

Die Differenzierung der Ursachen eines ischämischen Schlaganfalls lässt sich nach der TOAST-Klassifikation vollziehen, die jedoch nicht unumstritten ist. Die Klassifikation wurde 1993 im Rahmen der klinischen Studie „Trial of Org 10172 in Acute Stroke Treatment“ entwickelt, von der sich auch die Abkürzung TOAST ableitet. Nach TOAST lassen sich fünf mögliche Ursachen voneinander unterscheiden. Eine der Hauptursachen ist die Makroangiopathie, mit der allgemein Veränderungen großer Gefäße bezeichnet wird. Im Falle eines Schlaganfalls sind hier meist die hirnversorgenden Arterien betroffen. Verschiedene Mechanismen führen dazu, dass es zu einer Verengung der Gefäße kommt und der Blutfluss im Gehirn gestört ist. Zum anderen gibt es kardioembolische Infarkte, bei denen die Embolie im Herzen zu lokalisieren ist. Bei einer Mikroangiopathie sind die kleinen Blutgefäße erkrankt. Bei Vorkommen einer Vaskulitis, Dissektion, Gerinnungsstörung oder anderen Bluterkrankungen wird der Schlaganfall in der Gruppe „andere Ätiologie“ klassifiziert. Wenn keine oder mehrere Ursachen gefunden wurden, wird die Ätiologie als unklar bezeichnet.

Hilfe verschiedener Art zum Thema Schlaganfall verspricht die Deutsche Schlaganfallhilfe (Screenshot www.schlaganfall-hilfe.de/ am 31.10.2012)

Hilfe verschiedener Art zum Thema Schlaganfall verspricht die Deutsche Schlaganfallhilfe (Screenshot www.schlaganfall-hilfe.de/ am 31.10.2012)

Zeit ist Gehirn: Symptome, Diagnose und Soforthilfe

Die Symptome eines Schlaganfalls können vielfältig sein und je nach Schweregrad können mehrere Symptome gleichzeitig auftreten. So können Sehstörungen auf einem oder beiden Augen Anzeichen eines Schlaganfalls sein. Dabei kann es zu einem Gesichtsfeldausfall oder zu Doppelbildern kommen. Betroffene leiden teilweise auch unter einer fehlenden Wahrnehmung des eigenen Körpers oder Teilen ihrer Umwelt (sogenannter Neglect).

Auch Erbrechen, Übelkeit und Schwindel treten im Rahmen einer Schlaganfall-Erkrankung auf. Es kann zudem zu Gleichgewichts- oder Koordinationsstörungen kommen. Auch Taubheitsgefühle, Lähmung und Schwäche in unterschiedlichen Körperteilen können Symptome sein. Betroffen können Gesicht, Arme, Beine oder eine gesamte Körperhälfte sein. Zudem kann die Sprache gestört sein: Wortfindungsschwierigkeiten, Sprach-, Schrift- oder Verständnisstörungen sind mögliche Folgen. Starke Kopfschmerzen ist ebenfalls ein mögliches Symptom. Betroffene leiden eventuell auch unter Schluck- und Orientierungsstörungen.

So werden Schlaganfälle diagnostiziert

Bei der Diagnose eines Schlaganfalls wird in der Notaufnahme auf unterschiedliche Methoden zurückgegriffen: So wird der Blutdruck gemessen, da ein Schlaganfall seine Ursache in erhöhtem Blutdruck haben kann. Auch eine Blutuntersuchung wird durchgeführt, da hier Parameter untersucht werden können, die Einfluss auf die Blutgerinnung haben. Zudem werden Blutzucker und Elektrolyte bestimmt.

Die Arterien im Hals- und Nackenbereich werden ebenfalls untersucht, da diese das Gehirn mit Blut versorgen. Per Ultraschall lässt sich erkennen, ob und wie stark diese Gefäße eingeengt sind.

Geschädigte Hirnareale werden in einer Computertomographie sichtbar. Anstatt einer Computertomographie wird oft auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Diese liefert bei einer akuten Ischämie genauere Aussagen, dauert jedoch länger als ein CT. Ein Elektrokardiogramm (EKG) wird eingesetzt um eine Herzrhythmusstörung auszuschließen.

Um auch nicht dauerhafte Störungen des Herzens festzu stellen, wird ein Langzeit-EKG eingesetzt. Zudem stellt die Pulsoxymetrie einen Teil der Diagnostik dar: Hierbei wird der Sauerstoffgehalt des Blutes mit Hilfe eines Clips gemessen, der am Finger befestigt wird. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens kann Blutgerinnsel in den Herzhöhlen sichtbar machen.

Schwindelanfall, Herzinfarkt, Schlaganfall? Mit dem FAST-Test können Außenstehende schnell prüfen, ob wahrscheinlich ein Schlaganfall vorliegt. (© Erwin Wodicka, Fotolia)

Schwindelanfall, Herzinfarkt, Schlaganfall? Mit dem FAST-Test können Außenstehende schnell prüfen, ob wahrscheinlich ein Schlaganfall vorliegt. (© Erwin Wodicka, Fotolia)

F-A-S-T Schnellcheck für Laien

Einen speziellen Test, mit den auch medizinische Laien im Notfall einen Schlaganfall diagnostizieren können, haben US-amerikanische Ärzte entwickelt: Hierbei werden die Schlüsselsymptome abgefragt. Der Betroffene soll danach beurteilt werden, ob er normal lächeln, beide Arme heben und halten sowie einen einfachen Satz verständlich formulieren kann. Als Erinnerungsstütze hat sich die Abkürzung F-A-S-T für „face-arms-speech-time“ etabliert:

  • FACE – Does one side of the face droop?
  • ARMS – Is one arm weak or numb?
  • SPEECH – Is the speech slurred?
  • TIME – Time is critical. Call 911 or get to the hospital immediately.

Es zeigte sich in einer Studie, dass die korrekte Diagnose eines Schlaganfalls mit Hilfe dieses Tests bei über 95 Prozent liegt. Bei allen Schlaganfall-Patienten gilt: „Time is Brain“ (Zeit ist Gehirn). Schnelle Hilfe ist hier besonders wichtig: Je schneller der Patient medizinische versorgt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser keine bleibenden Schäden davonträgt.

Bei der Akuttherapie gehts es primär darum, die wichtigsten Körperfunktionen stabil zu halten: Dazu zählen Herzfrequenz, Atmung, Körpertemperatur, Sauerstoffgehalt des Blutes, Wasser- und Elektrolytgleichgewicht sowie Säure-Basen-Haushalt. Bei einigen schweren Fällen ist eine künstliche Beatmung notwendig. Auch der Blutdruck muss überwacht und gegebenenfalls reguliert werden. Bei einigen Patienten gibt es die Möglichkeit intravenös ein Medikament zu verabreichen, das das vorhandene Blutgerinnsel auflöst.


VIDEO: Entstehung eines Schlaganfalls durch Vorhofflimmern
(http://www.youtube.com/watch?v=59L0YEFuKvY)

Passiert ist passiert. Doch was kommt danach?

Mit der Rehabilitation wird so bald wie möglich begonnen. Intakte Bereiche des Gehirns können Funktionen von geschädigten Gehirnregionen übernehmen. Das Nervengewebe besitzt jedoch nur eine sehr geringe Regenerationsfähigkeit, die der Grund für bleibende Schäden ist. Die Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten erfolgt in sogenannten Stroke Units, also spezialisierte Behandlungszentren, und die Betreuung der Betroffenen wird durch ein interdisziplinäres Team durchgeführt.

Die Förderung der Körperwahrnehmung sowie die Kompensation verlorenener Fähigkeiten steht im Zentrum jeder Rehabilitation. Ein Ansatz stellt die „Taubsche Bewegungsinduktion“ dar, bei der die gesunde Hand in ihren Bewegungen eingeschränkt wird, sodass der Patient die erkrankte Hand benutzen muss. Besonders bei schweren Fällen und chronischem Verlauf wird dieser Ansatz angewandt.

Physiotherapeuten arbeiten am Gang des Patienten, während Ergotherapeuten sich in ihrer Arbeit auf die sensomotorischen Fähigkeiten konzentrieren. Auch Logopäden sind in der Rehabilitation miteingebunden.

In den letzten Jahren wurden im Bereich der Neurorehabilitation Ansätze entwickelt, in denen krankhafte Hirnaktivitäten beeinflusst werden sollen. So soll mit Hilfe einer transkraniellen Magnetstimulation (TMS) die Überaktivität reduziert werden und so zu einer besseren Bewegungsfunktion der Hand führen.

Besonders das erste Jahr nach einem Schlaganfall ist wichtig: Hier sind erhebliche Verbesserungen durch intensives Training zu beobachten. Wie lange die Rehabilitation dauert, hängt von der Schwere der Schädigungen ab. Einige Patienten erholen sich innerhalb von Wochen oder Monaten vollständig, während andere Jahre brauchen, um wieder selbstständig ihr Leben meistern zu können. Die Prognose über den weiteren Verlauf ist daher von der Schwere der Erkrankung abhängig. Etwa 60 Prozent der Patienten überstehen die Erkrankung und können nach einer erfolgreichen Rehabilitation wieder selbstständig leben.

Nicht nur die körperlichen Folgen sind für viele Patienten in der Zeit nach der Erkrankung lebensbeeinträchtigend. Die Betroffenen leiden in einigen Fällen auch an einer Depression. Diese macht eine Psychotherapie oder die Verabreichung von Antidepressiva wie z.B. Mirtazapin notwendig. Auch eine Post-Stroke-Demenz ist möglich: Die Denkleistung ist hierbei massiv beeinträchtigt.

Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Eine gesunde Lebensweise gehört zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen. Risikofaktoren werden hierbei minimiert oder ganz vermieden. Regelmäßiger Sport, eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie wenigen tierischen Fette und der Verzicht auf das Rauchen sind zu empfehlen. Auch ein normales Körpergewicht, wenig Alkohol und wenig Stress beugt einem Schlaganfall vor.

Risikofaktoren können jedoch auch andere Erkrankungen sein, die eine Arteriosklerose und so einen Schlaganfall begünstigen. Hierzu gehören hoher Blutdruck, bestimmte Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus. Wenn man von diesen Erkrankungen betroffen ist, sollte man sich unbedingt ärztlich beraten und behandeln lassen.

Auch das sogenannte Vorhofflimmern (eine vorübergehende oder permanente Herzrhythmusstörung) kann über eine Embolie einen Schlaganfall auslösen. Betroffene werden mit Blutverdünnern behandelt, da so das Schlaganfallrisiko gesenkt wird.


VIDEO: ZDF Kurzreportage: Schlaganfall (www.youtube.com/watch?v=O2OSwe3Flz4)

Auch Verengungen der Halsschlagader gehören zu den Erkrankungen, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen: Hierbei kann eine Operation, die diese Verengung beseitigt, das Risiko reduzieren. Patienten, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten haben, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko erneut zu erkranken und werden deshalb mit blutverdünnenden Mitteln behandelt. Mit diesen Medikamenten kann das Risiko um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.

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Publiziert am: 31. Oktober 2012

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