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Wie komme ich am schnellsten / schneller an einen Facharzt-Termin? – Onlineplattformen und die Terminvermittlung der Kassenärztlichen Vereinigung

Wer sich nicht wohlfühlt und unter länger andauernden Beschwerden leidet, wünscht sich zeitnahe Hilfe und schnelle Aufklärung. Nicht nur die Schmerzen, auch die Ungewissheit belasten und bringen einen deutlichen Verlust an Lebensqualität mit sich. Viele Krankheiten lassen sich dank Früherkennung im Anfangsstadium gut behandeln. Man möchte nichts versäumen und sollte eine rechtzeitige Abklärung vornehmen lassen.

Kommt der Hausarzt nicht weiter, wird es höchste Zeit, einen Spezialisten zu kontaktieren. Über Empfehlungen, Arztportale, die eigene Krankenkasse oder die Kassenärztliche Vereinigung der Region kommt man rasch an die notwendigen Informationen zu Facharztpraxen.

Ein Anruf wirkt jedoch oft schnell ernüchternd. Wartezeiten von neun Wochen sind keine Seltenheit, oft liegt der nächste für Kassenpatienten verfügbare Termin bis zu sechs Monaten entfernt. Bei akuten Beschwerden ist der Patient jedoch an einer zeitnahen Lösung interessiert und möchte nicht so lange auf sich selbst gestellt sein. Auch Ratschläge des Apothekers sind kein Ersatz.

Wer zügig zu einem Facharzttermin kommen möchte, muss sich daher etwas einfallen lassen.

Endlich den Facharzt-Termin bekommen: Wie geht man besten vor, um möglichst schnell an einen Facharzttermin zu kommen? (© Doc RaBe / Fotolia)

Endlich den Facharzt-Termin bekommen: Wie geht man besten vor, um möglichst schnell an einen Facharzttermin zu kommen? (© Doc RaBe / Fotolia)

Facharztmangel statt Facharzt-Termine

Wer auf einer Konsultation beim Facharzt seiner Wahl besteht, wird mit längeren Wartezeiten auf einen Termin zu rechnen haben. Generell ist bei spezialisierten Facharztpraxen mit einem erhöhten Patientenaufkommen zu rechnen. Gleich am nächsten Tag oder in der kommenden Woche wird es beim Orthopäden oder Radiologen in der Regel nichts. So kurzfristige Terminvergaben erwarten die meisten Patienten auch nicht. Innerhalb von drei, maximal vier Wochen sollte sich aber ein Termin vereinbaren lassen.

Doch nicht nur beim beliebtesten Rheumatologen der Stadt sind Termine schwer zu bekommen. Das liegt nicht an der Sprechstundenhilfe oder an zu kurzen Öffnungszeiten der Praxis selbst. In vielen Regionen übersteigt der Bedarf das Angebot erheblich. Trotz intensiver Bemühungen kann die zuständige Facharztpraxis keine zeitnahen Termine vergeben. Um eine ausreichende Versorgung der Patienten zu gewährleisten, sind Konsultationen erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

Während in den Städten häufig deutlich mehr Facharztpraxen zu finden sind, herrscht im ländlichen Raum ein Facharztmangel. Zu längeren Fahrzeiten kommt die Problematik der Überbelastung.

Die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung versucht, dem wirksam zu begegnen. Dem Patienten selbst bleibt die Möglichkeit, sich einen Spezialisten in der nächsten Stadt zu suchen. Hier sollte es schneller möglich sein, einen Termin zu bekommen. Bei einem absehbaren Behandlungsverlauf ist die Organisation der längeren Fahrzeiten mitunter sinnvoller, als das Warten auf einen lokalen Termin.

Erste Anlaufstelle: der Hausarzt

Zunächst sollte sich der Patient an seinen Hausarzt wenden. Hier bekommt er meist schnell einen Termin. Insbesondere bei akuten Beschwerden ist der Hausarzt die erste Adresse. In dringenden Fällen wendet man sich umgehend an die Notaufnahme einer Klinik.

Vermutet der Hausarzt eine spezielle Erkrankung, wird er eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen. Bereits hier sollte man erfragen,

  • welchen Spezialisten der Hausarzt empfiehlt,
  • in welchem Zeitraum die Vorstellung beim Facharzt zu erfolgen hat,
  • welche Erfahrungen er mit der Wartezeit auf Termine hat,
  • ob eine Dringlichkeit auf der Überweisung attestiert werden kann.

Hat man diese Informationen nicht eingeholt, da man zu überrascht war, empfiehlt es sich, noch einmal in der Hausarztpraxis vorzusprechen. Sinnvoll ist es dann bereits bei der Terminvereinbarung der Sprechstundenhilfe mitzuteilen, worum es geht. Unter Umständen braucht man nicht noch einmal direkt zum Arzt, sondern kann alles Notwendige telefonisch erfragen und die Überweisung während der Sprechzeiten einfach am Empfang abholen.

Nicht nur Facharzttermine für physische Beschwerden sind schwer zu bekommen - auch einen Platz und entsprechende Termine für Psychotherapie sind in vielen Regionen Deutschlands rar (© Janina Dierks / Fotolia)

Nicht nur Facharzttermine für physische Beschwerden sind schwer zu bekommen – auch einen Platz und entsprechende Termine für Psychotherapie sind in vielen Regionen Deutschlands rar (© Janina Dierks / Fotolia)

Ist ein Überweisungsschein immer notwendig, wenn man einen Spezialisten konsultieren möchte?

In Deutschland besteht prinzipiell freie Arztwahl, sodass man sich auch direkt an einen Facharzt wenden kann, ohne dass eine Überweisung vorliegt. Das trifft jedoch nicht auf alle Facharztgruppen zu. Für einen Termin bei Radiologen, Laborärzten und Nuklearmedizinern ist die Überweisung zum Beispiel Pflicht. Um sich unnötige Wege zu sparen, sollte man bereits vorab klären, ob ein Überweisungsschein benötigt wird. Das lässt sich telefonisch erledigen. Auskunft geben der Hausarzt, der Facharzt selbst, die Krankenkasse, die Kassenärztliche Vereinigung.

Wer einen Hausarztvertrag über seine Krankenkasse geschlossen hat, ist verpflichtet, immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen und muss sich dort einen Überweisungsschein ausstellen lassen, bevor er sich an den Facharzt wendet.

Ein Überweisungsschein kann die Vergabe eines Termins beim Facharzt zudem beschleunigen. In sehr dringenden Fällen vereinbaren manche Hausärzte auch direkt einen Termin bei einem kooperierenden Kollegen.

Terminvermittlung der Kassenärztlichen Vereinigung

Wer über einen Dringlichkeitsvermerk auf seinem Überweisungsschein verfügt, kann sich an seine regionale Kassenärztliche Vereinigung wenden. Innerhalb von maximal vier Wochen erhält er über die Servicestelle einen Termin in einer Facharztpraxis. Sollte dies nicht möglich sein, so wird ihm fristgerecht ein ambulanter Termin in einem Krankenhaus vorgeschlagen. Grundlage für diesen Service ist das 2016 in Kraft getretene Versorgungsstärkegesetz.

Der Patient kann die Telefonnummer der für ihn zuständigen Servicestelle über seine Kassenärztliche Vereinigung oder einfach online in Erfahrung bringen: https://www.kvbb.de/patienten/terminservicestelle/752.

Die regionale Servicestelle nimmt den Wunsch des Patienten auf und bietet ihm innerhalb einer Woche einen Facharzttermin an, der maximal vier Wochen in der Zukunft liegt. Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen sind von der Regelung ausgeschlossen.

Sollte der Patient den Termin nicht wahrnehmen, so wird um rechtzeitige Mitteilung gebeten. So kann der Termin wieder freigegeben werden und steht anderen, die eine Untersuchung oder Behandlung benötigen, zur Verfügung. Termine zu einem bestimmten Datum oder in einer gewünschten Praxis können nicht berücksichtigt werden. Der Patient erhält einen Termin in einer Facharztpraxis, die zum Zeitpunkt über freie Kapazitäten verfügt. Damit können längere Anfahrtswege verbunden sein.

Um den Service nutzen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • eine gesetzliche Krankenversicherung besteht,
  • eine Überweisung mit Dringlichkeitsvermerk liegt vor.

Eine kurze Erklärung findet sich im folgenden Video:

Sie bekommen einfach keinen Facharzt-Termin?! – Die eigene Krankenkasse informieren…

Der Hausarzt kann keinen zeitnahen Termin bei einem spezialisierten Kollegen vermitteln, eigene Anstrengungen verlaufen nicht zufriedenstellend? Hier kann es zielführend sein, die eigene Krankenkasse zeitnah zu informieren und sich zu beschweren. Manche Kassen nehmen die Beschwerde nicht nur auf, sondern werden für ihre Patienten aktiv. Sie kontaktieren die Facharztpraxis. Oft ist ein zeitnaher Termin doch möglich. In dringenden Fällen, insbesondere bei akuten Beschwerden, besteht Behandlungspflicht.

Geht es privat schneller? Variante Selbstzahler

Privatpatienten werden deutlich zuvorkommender behandelt und bekommen auch wesentlich schneller einen Termin. Unter Umständen empfiehlt es sich, zu prüfen, ob ein Termin als selbstzahlender Patient möglich ist. Hier sollten jedoch vorab alle Informationen eingeholt werden. Bei der eigenen Krankenkasse kann man in Erfahrung bringen, ob diese Variante möglich und sinnvoll ist und ob gegebenenfalls eine Erstattung der Kosten erfolgen kann.

Beim Facharzt ist zu erklären, dass die Konsultation auf Rechnung erfolgt. Viele Untersuchungen sind so kostspielig, dass die Bezahlung aus eigener Tasche nicht möglich ist. Eine Konsultation beim Orthopäden der eigenen Wahl kann sich jedoch lohnen. Für eine dreißigminütige Konsultation werden im Schnitt einhundert bis zweihundert Euro berechnet.

Generell abzuraten ist davon, sich bei der telefonischen Terminvereinbarung als Privatpatient auszugeben, wenn man gar nicht privat versichert ist. Hier wird der Facharzt den Patienten nicht behandeln oder eine Rechnung stellen, auf die der Patient nicht vorbereitet ist. Bevor man sich jedoch für diese Möglichkeit entscheidet, sind alle Erkundigungen einzuziehen und zu prüfen.



Vermittlungsdienste im Internet

Über achtzig Prozent der Deutschen nutzen das Internet, wenn es um gesundheitliche Fragen oder die Suche nach einem Arzt geht. Auch ein Facharzt wird über diesen Weg gefunden. Diesem Wandel folgen Portale, auf denen man online einen Termin bei einem Facharzt vereinbaren kann.

  • Vielen Ärztesuchportale, wie jameda bieten Arztpraxen bereits die Möglichkeit, einen Teil ihrer Termine zur Buchung über das Internet auf ihren Seiten freizustellen: www.jameda.de
  • Auf Seiten wie doctolib kann der Patient den gesuchten Facharztterminus, den Namen des Arztes oder seine Symptomatik sowie die Region in der gesucht wird, angeben und erhält dann die Möglichkeit, einen Termin zu buchen: www.doctolib.de. Für Patienten ist der Service kostenfrei.
  • Ähnlich arbeitet der gleichfalls für Patienten kostenfreie Dienst termed.de, ehemals „Facharzt-sofort“.
  • Auch doctena ist für Patienten, die einen Facharzttermin zeitnah buchen wollen kostenfrei: Auf de.doctena.de lässt sich der passende Arzt rasch finden. Die Bewertungen erleichtern die Entscheidung.

Gewarnt werden muss vor kostenpflichtigen Portalen. Hier kann zudem gegen rechtliche Bestimmungen verstoßen werden, da ein Handel mit Patientendaten nicht gestattet ist.

Onlineplattformen wie "Doctolib" ermöglichen es, Fachärzte einer bestimmten Fachrichtung in der Umgebung zu finden, die noch einen Termin frei haben (Screenshot doctolib.de/orthopadie/12621-berlin am 26.02.2018)

Onlineplattformen wie „Doctolib“ ermöglichen es, Fachärzte einer bestimmten Fachrichtung in der Umgebung zu finden, die noch einen Termin frei haben (Screenshot doctolib.de/orthopadie/12621-berlin am 26.02.2018)

Was kann ich tun für meinen Facharzttermin?

Keinen Termin für Magenspiegelung bekommen? – Die kassenärztlichen Vereinigungen helfen mit Terminvermittlungs-Service, ebenso diverse private Plattformen (© kamasigns / Fotolia)

Zunächst sollte in Ruhe überlegt werden, wie dringend ein Termin ist und welche Möglichkeiten bestehen. Hat man selbst einen Anfangsverdacht, hilft die diagnostische Einschätzung des Hausarztes. Er kann abklären,

  • ob eine Erkrankung wahrscheinlich ist,
  • ob ein Spezialist hinzugezogen werden muss,
  • dass der Kontakt zum Kollegen und gegebenenfalls ein rascher Termin zustande kommt,
  • und einen Überweisungsschein mit Dringlichkeitsvermerk ausstellen.

Der Überweisungsschein enthält alle Informationen, die für eine Ersteinschätzung des Facharztes notwendig sind. Der Überweisungsschein hilft dem Facharzt sich rasch zu orientieren und das Wissen des Kollegen zu nutzen, der den Patienten und dessen eventuellen Krankheitsverlauf schon länger kennt.

Und dann?

  1. Der Patient kann den von ihm gewünschten Facharzt kontaktieren. Mitunter sind auch hier schnellere Terminvereinbarungen als gedacht möglich.
  2. Man kann sich an die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Innerhalb von vier Wochen muss diese, bei entsprechend vermerkter Dringlichkeit, einen Termin bei einem Facharzt oder ambulant in einem Klinikum nachweisen.
  3. Die eigene Krankenkasse kann verständigt werden. Viele gesetzliche Krankenkassen unterhalten selbst Servicestellen oder unterstützen bei der raschen Terminvereinbarung.
  4. Onlineportale wie de.doctena oder doctolib stehen für eine Onlinebuchung zur Verfügung.
  5. Manche Konsultationen kann man als selbstzahlender Patient schneller buchen. Hier sollten vorab Sinn und Kosten geklärt werden.

Quellen und weiterführende Ressourcen zum Thema „Facharzttermine bekommen“

Publiziert am: 26. Februar 2018